Berlin (dpa/tmn) - Wie es um die eigene Geldanlage steht, sollten Verbraucher mindestens einmal im Jahr prüfen. Finanzexperten raten, sich dabei nicht vom Rückblick blenden zu lassen und das Depot ohne Hektik oder Übermut zu justieren.

In den vergangenen zehn Monaten dieses Jahres ist an den Kapitalmärkten viel geschehen. Die Banken bieten nur noch Mini-Zinsen für Tages- oder Festgelder, an den Börsen ging es teils steil bergauf, dann wieder bergab. Höchste Zeit also, die eigenen Finanzanlagen im Depot auf den Prüfstand zu stellen. Antworten auf wichtige Fragen:

Ist ein Depot-Check gegen Ende des Jahres sinnvoll?

Auf jeden Fall. "Einmal im Jahr ist Minimum", sagt Karin Baur, Redakteurin bei der Zeitschrift "Finanztest" von der Stiftung Warentest in Berlin. Um wirkliche Trends bei den Investments zu erkennen und nicht nur Momentaufnahmen zu sehen, sei es jedoch ratsam, das Depot und die Märkte regelmäßig im Blick zu haben. Wer das die vergangenen Monate über hat schleifen lassen, hat immer noch jede Menge Zeit. "Es ist keine Hektik angesagt", betont Baur.

Wie geht man einen solchen Check an?

"Indem man sich zuallererst Zeit dafür nimmt, um sich mit den eigenen Finanzen zu befassen und Informationen zu sammeln", sagt die Finanzökonomin Stefanie Kühn aus Grafing bei München, die auch als Honorarberaterin arbeitet. Hilfreich bei der Einschätzung können dabei auch die Berater bei den Verbraucherzentralen sein oder die monatlichen Bewertungen dutzender Fonds durch die Fachpresse. "Daran lässt sich ablesen, ob ein Fonds, in dem man investiert hat, immer noch gut ist", erklärt Baur.

"Würde ich mit den Informationen von heute den Kauf wiederholen?" Diese Frage sei hilfreich bei Unsicherheiten. Krampfhaft an einem Produkt festzuhalten, das im Verlust steht und an das man selbst nicht mehr glaubt, sei nicht vernünftig, so die Finanzredakteurin. Der Grundsatz: Nur in Anlageformen investieren, die man wirklich versteht, sei auch beim Überprüfen ratsam, ergänzt Stefanie Kühn.

Welche Punkte sollten Anleger prüfen?

"Die vergangenen Börsenjahre verliefen insgesamt recht gut", sagt Finanzfachwirtin Kühn. Da könne es durchaus Sinn machen, jetzt Gewinne zu realisieren, um beispielsweise Kredite zu tilgen. Unbedingt geprüft werden müsse zudem die Gewichtung von sicheren und riskanteren Anlagen im Depot - also die prozentuale Aufteilung zwischen Aktien oder Anleihen und Tages- oder Festgeldern.

Beide Finanzexpertinnen warnen davor, jetzt übermütig zu werden und aufgrund der guten Entwicklung von Aktien vor lauter Begeisterung das Ersparte wagemutiger anzulegen als es der eigenen Mentalität entspricht. Das Depot wieder nach der persönlichen Risikoneigung auszubalancieren, ist daher ein wichtiger Punkt. Wenn sich die Lebenssituation geändert hat oder in absehbarer Zeit ändern wird, sollte das Depot ebenfalls entsprechend justiert werden. "Wer beispielsweise kurz vor einem Hauskauf oder dem Vorruhestand steht, sollte das Risiko rapide runterfahren", rät Kühn.

Neben der individuellen Sicht des Anlegers, ist beim Depotcheck ein weiterer Blickwinkel wichtig - der allgemeine, faktenorientierte. Wie steht es um den Aktienfonds? Gab es einen Fondsmanagerwechsel? In welchen Regionen investiert der Fonds? Und wie ist dort die aktuelle wirtschaftliche und politische Lage? Das seien Fragen, die geklärt werden sollten, so Kühn. Niemand könne vorhersehen, wie sich etwa die Lage in Russland entwickle. "Das ist ein Risiko, und Anleger müssen sich jetzt fragen, ob sie das wirklich eingehen möchten."

Wie muss ein Depot insgesamt aufgestellt sein?

"Eine Patentlösung gibt es nicht", betont Finanzökonomin Kühn. Bevor man sich jedoch mit dem Thema Geldanlage befasst, sollten die existenziellen Risiken durch Versicherungen abgedeckt sein. "Entscheidend für Investitionen in Finanzprodukte sind die finanziellen Verhältnisse, die Anlagedauer, der Zweck der Anlage und die Risikoneigung eines Anlegers", erklärt der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI).

Insgesamt bewege man sich in dem bekannten Dreieck aus Sicherheit, Liquidität und Rendite, wobei eine Anlageform nie alle drei Merkmale vollständig abdecken könne. Zur Orientierung diene die Faustregel: "Anteil chancenorientierter Anlagen gleich 100 minus Lebensalter". Schließlich könne es sich für jüngere Anleger lohnen, einen größeren Teil ihres Geldes in renditeträchtigere Anlagen wie Aktien oder Fonds zu investieren, so der BVI. Im zunehmenden Alter sei der Erhalt des Kapitals immer wichtiger.© dpa