Frankfurt/Main (dpa) - Die letzte analoge Hürde für digitale Bankgeschäfte fällt. Bei der ING-Diba können Kunden künftig online Konten eröffnen. Ihren Ausweis halten sie in eine Videokamera, statt ihn bei der Post vorzuzeigen.

Als erste größere Geschäftsbank in Deutschland führt die ING-Diba eine komplette Online-Konteneröffnung ein. Ab sofort könnten deutsche Kunden mit Hilfe einer Internet-Videoübertragung ein Konto einrichten, teilte die größte deutsche Direktbank in Frankfurt mit. Damit entfällt der bislang notwendige Gang zum Postamt, wo sich Neukunden mit ihrem Ausweis im sogenannten Postident-Verfahren anmelden mussten.

Künftig wird der Ausweis beim Berliner Dienstleister WebID Solutions während einer verschlüsselten Videokonferenz überprüft, wie ein Banksprecher mitteilte. Der Kunde muss dafür vor der Kamera den Ausweis mehrfach kippen und bewegen, so dass Sicherheitsmerkmale geprüft werden könnten. Zusätzlich würden die Ausweisnummer erfasst und Fotos vom Kunden gemacht. Voraussetzungen sind eine stabile Internetverbindung und eine Web-Kamera, die in vielen Endgeräten bereits installiert ist.

Die ING Diba rechnet damit, dass ein großer Teil der rund 500 000 Neukunden pro Jahr das neue Verfahren wählen wird. Es wird zunächst nur für das Tagesgeldkonto angeboten, über das aber die meisten neuen Kunden zu der Direktbank kommen.

Der Bundesverband deutscher Banken begrüßte das Verfahren als "konsequente Fortführung der Digitalisierung". Sicherheitsbedenken bestünden nicht, sagte eine Sprecherin in Berlin. Mehrere weitere Direktbanken planten in den kommenden Monaten ebenfalls den Einsatz der neuen Technik. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat sich noch keine abschließende Meinung über das Verfahren gebildet, hieß es auf Anfrage.

Vor der ING-Diba hatte laut Bankenverband bereits die kleine, eher auf Kreditvergabe spezialisierte Süd-West-Kreditbank (SWK) aus Bingen am Rhein das Videoverfahren eingeführt.