Zufriedenheit im Job kann viele Gesichter haben. Ist es ein dickes Gehalt oder eine steile Karriere? Eine neue Studie ergab: Weder noch. Vielmehr hängt die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten mit den sogenannten weichen Faktoren zusammen. Dabei wirkt vor allem ein guter Chef wahre Wunder.

Ob Kündigung, Abmahnung oder Abfindung - in Sachen Arbeitsrecht halten sich in den Büros und Produktionshallen viele Mythen.

Die Qualität der Arbeit spielt eine wichtige Rolle. Das ist kein Geheimnis. Denn an unserem Arbeitsplatz verbringen wir einen großen Teil unserer Lebenszeit. Begriffe wie Burn-out, Stress, Leistungsdruck und ständige Überforderung werden dabei gerne zu Schlagzeilen verarbeitet, wenn es um die Berichterstattung über die Arbeitssituation in Deutschland geht. Doch die ist besser als ihr Ruf. Das haben zwei Studien des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln ergeben. Demzufolge sind neun von zehn Arbeitnehmern in ihrem aktuellen Job vollauf zufrieden. Im europaweiten Vergleich liegen die deutschen Arbeiter auf Platz neun. Spitzenreiter ist der Studie zufolge Dänemark und Schlusslicht Albanien.

Aspekte wie Arbeitsplatzsicherheit, höheres Gehalt, wenig Stress oder nette Kollegen sind für viele Befragte in Deutschland weniger wichtig als es häufig den Anschein hat. Die Arbeitszufriedenheit kann letztlich nur individuell bewertet werden.

Gehalt ist wichtig, aber nicht alles

"Ohne Moos nichts los" - Arbeit bedeutet materielle Sicherung unserer Existenz. Ob die Menschen angemessen entlohnt werden oder nicht, spielt für ihre Arbeitszufriedenheit aber offenbar eine weniger große Rolle als angenommen. Der IW-Studie zufolge haben selbst 82 Prozent derjenigen Arbeitnehmer, die sich gerne mehr Gehalt wünschen würden, angegeben, dass sie dennoch mit ihrem Job zufrieden sind.

Wer Einfluss auf seine Arbeit hat, ist zufriedener

Eigene Ideen verwirklichen, Entscheidungen beeinflussen, die Zielvereinbarungen oder die Arbeitsorganisation mitbestimmen: Diese Faktoren sind für viele Beschäftigen ein Grundbedürfnis in der Arbeitswelt. Die IW-Studie zeigt, dass diese Faktoren bereits im kleinen Maß eine große Wirkung haben. Mehr als 90 Prozent der Befragten gaben an, zufrieden mit ihrer Arbeit zu sein, da sie ab und zu Einfluss ausüben können.

Stress und Zeitdruck sind keine Gefahr für die Gesundheit

Mehr als 80 Prozent der Beschäftigten in Deutschland gehen davon aus, dass ihre Arbeit keine Gefahr für ihre Gesundheit oder ihre Sicherheit darstelle. Das sind im europäischen Vergleich sogar noch ein paar Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt, der bei 76 Prozent liegt.

Stress und Zeitdruck sind ein häufig diskutiertes Thema in der Arbeitswelt, allerdings haben der Studie zufolge diese Faktoren keinen so großen Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit. Demzufolge sind selbst 85 Prozent der Beschäftigten, die oft Stress haben und in hohem Tempo arbeiten müssen, mit ihrem Job zufrieden.

"Das gilt auch für die physische Belastung durch Lärm, hohe Temperaturen oder ungünstige Körperhaltungen am Arbeitsplatz", sagt Professor Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. "Sie spielen in Deutschland vor allem deshalb eine geringere Rolle als in anderen europäischen Ländern, weil hierzulande fast sechs von zehn Unternehmen der gesundheitsförderlichen Arbeitsplatzgestaltung eine hohe Aufmerksamkeit schenken."

Auf den Chef kommt es an

Für viele Arbeitnehmer ist wichtig, wie sich die Führungskraft verhält. Nach der Studie erhöht sich die Arbeitszufriedenheit, wenn der Chef einen respektvollen Umgang mit seinen Angestellten pflegt. Außerdem wünschen sich viele, dass ihr Vorgesetzter gute organisatorische Fähigkeiten besitzt und seine Mitarbeiter bei Entscheidungen mit einbezieht. Die deutschen Arbeitnehmer schätzen ihren Vorgesetzten zudem, wenn er über eine gute Konfliktlösefähigkeit verfügt.

Während im EU-Durchschnitt 81 Prozent der Beschäftigten sagen, zumindest manchmal Zustimmung von oben zu bekommen, sind es in Deutschland lediglich 69 Prozent, die gelegentlich ihren Rücken gestärkt sehen.

Dass die Führungskräfte einen hohen Einfluss auf die Zufriedenheit der Arbeitnehmer haben, ist den Unternehmen durchaus bewusst. Das IW-Zukunftspanel zeigt, dass knapp die Hälfte aller deutschen Unternehmen ein spezielles Training für Vorgesetzte organisiert.

Zufriedenheit am Arbeitsplatz ist ein individuelles Empfinden

Die Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zeigt vor allem eins: Die Arbeitszufriedenheit kann nicht pauschalisiert werden. Hüther erklärt: "Es gibt Menschen, denen ihre Arbeit zum Beispiel auch dann – oder gerade dann – Spaß macht, wenn sie mit hohem Zeitdruck verbunden ist. Andere empfinden eine starke körperliche Belastung geradezu als Herausforderung, wieder anderen gibt die psychische Komplexität einer Aufgabe den Kick."

Somit hänge die Zufriedenheit am Arbeitsplatz von den eigenen Ansprüchen an die Qualität der Arbeit ab. Dr. Michael Hüther ist davon überzeugt: "Was dann manche externen Beobachter als prekär einstufen, ist für die Betroffenen gleichwohl eine gute Arbeit – wie die Daten zeigen." (akb)