Der Kita-Streik nimmt bundesweite Ausmaße an: Heute legen Erzieher in ganz Deutschland die Arbeit nieder. Zehntausende Eltern stehen nun vor der Frage: Wohin mit meinem Kind? Auch unsere Leser sind betroffen. Was sie vom Kita-Streik halten? Fünf Leser schildern ihre Perspektive.

Sandra D.*: Erzieher werden ausgebeutet

Es ist unfassbar, was Erzieher, Sozialarbeiter und alle anderen in sozialen Berufen alles leisten müssen. Zum Teil auch oft unentgeltlich (unbezahlte Überstunden). Eine Schande in unserem Land, hätten wir keine so engagierten Fachkräfte, wäre unser "Sozialstaat" schon längst den Bach runter. Die "Säulen der Gesellschaft" brechen irgendwann zusammen, wenn diese Ausbeutung so weitergeht!

Theodor S.*: Eine Reduktion des Gehalts wäre angebracht

Ich finde die Forderungen überzogen. Ich dachte mir schlägt's was weg, als ich erfuhr, was Kindergärtnerinnen für einen derartigen Arbeitseinsatz/-aufwand an Geld kriegen und noch mehr wollen. Wenn man bedenkt, was die Damen in unserer Kita den ganzen Tag machen, kann ich mich über Gehälter von 2.500 Euro nur wundern. Eine Reduktion um ein Drittel wäre angezeigt, höhere Wertschätzung kann ich auch nicht erkennen, wo diese verdient wäre.

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Die Damen vermeiden Arbeit an den Kindern, wo es geht und halten den ganzen Tag ihre Kaffeetassen fest und plaudern. Vorlesen, Spiele, nach draußen gehen trotz Garten – alles nur im Einzelfall, da das eben Arbeit macht. Nach dem Mittagsschlaf werden die Kinder nicht wieder richtig angezogen, weil das eben Arbeit macht. Die Kita wird nicht geheizt, weil das ja öko ist, die Kinder krabbeln auf dem eiskalten Boden rum. Folge: Die Tochter ist ständig verschnupft. Kriegt ein Kind von einem anderen eine abgeräumt, dass es blutet, ist das eben so, denn fünf Kindergärtnerinnen können bei zehn Kindern oder so ja nicht überall sein (siehe Kaffeetassen-Festhaltung). Wenn dann Dienstpläne gemacht werden, machen die einen ganzen Tag den Laden dicht.

Tobias H*: Streik wird auf dem Rücken der Kinder ausgetragen

Wie schön, die Kinder haben sich nach einiger Zeit in der Kita und im Hort eingewöhnt, nun die Notfall-Betreuung. Wo bleibt bei diesen Diskussionen die Frage nach dem Kindeswohl? Ich finde es nicht in Ordnung, den Streik auf dem Rücken der Kinder auszutragen.

Stefan L.*: Mehr Geld verdoppelt das Personal nicht

Ich fand die Idee toll, dass die Erzieherinnen und Erzieher für Ihre Sache kämpfen wollen. Denn auch ich finde die Zustände in den Kitas, Krippen und Horten nicht so optimal. Doch seit ich in Ihrem Bericht erfahren habe, dass es um Geld geht, bin ich anderer Meinung. Denn mehr Geld für eine Person verdoppelt diese Person nicht! Den Kindern wird es nicht helfen.

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Dass die Erzieherinnen und Erzieher viel zu tun haben, ist klar. Es ist nicht einfach, so viele Kinder zu unterhalten. Es kam schon oft vor, dass die halbe Belegschaft krankgeschrieben war und die Kinder darunter litten, weil das Angebot einfach nicht vorhanden war und sie zum Teil programmlos im Zimmer oder im Hof rumliefen.

Den Kampf um bessere Bedienungen (also mehr Personal) finde ich super. Doch einen Kampf um mehr Geld finde ich egoistisch. Denn viele Eltern haben jetzt große Probleme, mit denen sie allein gelassen werden wie z.B. beim Thema Babysitter/Tagesmutter: Wer versichert mir, dass sie sich wirklich gut um mein Kind kümmern?

Stephanie F.*: "Gute Arbeit sollte gut entlohnt werden!"

Unsere Gesellschaft stellt immer mehr Qualitätsanforderungen an Kitas, Schulen und soziale Einrichtungen. Es soll qualitativere Arbeit geleistet werden - aber für das gleiche Geld. Für ein so wohlhabendes Land wie Deutschland ist es ein Armutszeugnis, dass für alles Geld ausgegeben wird - aber wenn es um die Stütze der Gesellschaft, welche der soziale Bereich (sei es für Erzieher, Pädagogen, Krankenschwestern, Altenpfleger) meines Erachtens darstellt, geht, da wird geknausert. Die Frage ist doch: Was ist es uns wert, unsere Kinder oder kranken und pflegebedürftigen Angehörigen in guten Händen zu wissen? Ein Gehalt, von dem es sich gut leben lässt, ist ein Mindestmaß an Wertschätzung, und das haben alle Mitarbeiter im sozialen Bereich schon lange verdient! Mitarbeiter des sozialen Bereichs sollten am allermeisten Wertschätzung erfahren in dieser Welt, denn sie kümmern sich um das, was eigentlich wirklich zählt: um die Menschen und somit um die Zukunft. Schade, dass das in unserer materiellen Welt, in der nur Daten, Fakten und möglichst große Überschüsse für die Vorstandsmitglieder zählen, nicht zu zählen scheint. Gute Arbeit sollte gut entlohnt werden!

*Name von der Redaktion geändert.

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