Berlin (dpa/tmn) - Die Konkurrenz hat immer die besseren Ideen? Das lässt sich ändern - kreatives Arbeiten ist trainierbar. Acht Übungen zum Ausprobieren im Büro werden hier vorgestellt.

Tick, tack, die Zeit läuft. Bis zum Abend will der Chef das neue Strategiepapier sehen. Wo bleibt die zündende Idee? Einfach auf einen Geistesblitz zu warten, hilft dann wenig. Es gibt aber passende Übungen, um kreativen Ideen auf die Sprünge zu helfen.

Brainstorming: Der Klassiker: Alle machen spontan Vorschläge, einer notiert sie, dann wird ausgewertet. Wichtig dabei: Die Ideenfindung von der Kritik trennen, erklärt Benno van Aerssen, der als Berater und Innovationscoach arbeitet. "Viele machen den Fehler, dass sie zu schnell bewerten. Dann geht gleich die Schranke im Kopf runter."

635-Methode: Hier heißt die Aufgabe: Sechs Mitarbeiter schreiben je drei Ideen in fünf Minuten auf - daher der Name 635. Danach werden die Blätter reihum an den jeweiligen Nachbarn gereicht. Der arbeitet daraufhin die Ideen auf dem Blatt wiederum in fünf Minuten weiter aus. Der Vorteil gegenüber einem Brainstorming: "Man zwingt sich so, die Ideen vom Vorgänger aufzugreifen", erklärt Mehlhorn. Das sorge für mehr Tiefgang und ergebe mehr Varianten eines Grundgedankens.

Brainwalking: Sitzen macht träge - auch im Kopf, erklärt Prof. Mehlhorn. Bewegung rege das kreative Denken an. Die Übung geht so: Man nehme mehrere Flipcharts. Auf den Blättern steht jeweils oben das Thema. Zuerst schreibt jeder spontane Einfälle auf das Flipchart-Blatt, bei dem er steht. Dann geht es los: Alle laufen im Raum herum und schauen sich an, was die anderen geschrieben haben. Das ergänzen sie mit ihren Ideen und Assoziationen.

Kopfstand-Technik: Hier wird das Ausgangsproblem buchstäblich auf den Kopf gestellt, erklärt der Innovationscoach und Buchautor Jens-Uwe Meyer. Anstatt zu fragen: "Wie können wir unsere Kunden begeistern?", sollten Mitarbeiter sich fragen: "Wie können wir unsere Kunden verlieren?" Dann kämen sie auf Ideen wie "Nie ans Telefon gehen". Diese würden wieder ins Gegenteil verkehrt. So entstehen etwa die Ideen, in der Warteschleife der Kunden-Hotline einen Countdown laufen zu lassen oder einen Rückruf zur gewünschten Zeit anzubieten.

Reizwort-Analyse: Bei dieser Technik denken Mitarbeiter zuerst einmal an etwas ganz anderes, um auf Ideen für das Problem zu kommen. Das eignet sich etwa für ein Team, das ein neues Handy entwickeln soll. Sie wählen nun ein Wort, das nichts mit dieser Aufgabe zu tun hat - zum Beispiel "Baum", erklärt Mehlhorn. Als Nächstes übertragen sie die Eigenschaften des Wortes auf ihre Aufgabe. Ein Baum hat Blätter, sie spenden Schatten. Übertragen auf ein Handy könnte das zur Idee anregen, ein Handy mit einem Sonnenschutz am Rand zu bauen. Dann lässt sich das Display in heller Umgebung besser erkennen.

Mindmapping: Hier entwickeln Mitarbeiter assoziativ Ideen zu einem Thema, erläutert van Aerssen. Angenommen, es geht darum, den Internetauftritt der Firma zu verbessern. Dann schreibt man zunächst das Problem in die Mitte eines Papierbogens. Danach schreibt jeder Aspekte dazu, die damit in Verbindung stehen: etwa "neue Navigation" oder "mehr Bilder". So ergibt sich ein Baumdiagramm als Inspirationsquelle. Der Vorteil: Bei der Auswertung sieht man auf einen Blick, welche Dinge sich gut kombinieren lassen und was zusammenhängt, erklärt van Aerssen.

Walt-Disney-Methode: Der Filmemacher Walt Disney soll bei seiner Arbeit immer in drei Rollen geschlüpft sein: in die des Träumers, des Realisten und des Kritikers. Das können Berufstätige ihm nachtun - ein Beispiel: Gefragt sind Ideen für ein neues TV-Gerät. "Als Träumer überlegen Sie beispielsweise, dass Sie die Fernbedienung durch Gestensteuerung ersetzen wollen", erläutert Meyer. "Anstatt die Idee gleich wieder zu verwerfen, werden Sie zum Realisten und überlegen, wie Sie das genau umsetzen wollen. Erst am Ende kritisieren Sie die Idee." Am Ende komme vielleicht heraus, dass nur einige Funktionen wie die Stummschaltung durch Gesten gesteuert werden. Sonst müsste der Zuschauer ständig mit den Armen herumfuchteln.

Sechs-Hüte-Übung: Auch hier nehmen die Teilnehmer jeweils eine bestimmte Sichtweise ein: Der weiße Hut steht etwa für den analytischen Blick auf objektive Fakten, der rote für Gefühle und Intuition. Den gelben Hut trägt der Optimist, der schwarze Hut ist für den Bedenkenträger. Der grüne Hut ist der kreative Kopf im Kreis, und der blaue Hut moderiert die Runde. Was das bringt? "Man zwingt sich, Fragen aus der anderen Perspektive zu betrachten", erklärt Meyer. Das sorge dafür, dass die Teilnehmer sich nicht selbst blockieren und innere Widerstände überwinden.

Literatur:

Edward de Bono: De Bonos neue Denkschule. Kreativer Denken, effektiver arbeiten, mehr erreichen, mvg Verlag, 240 Seiten, 9,95 Euro, ISBN-13: 978-3868822151

Jens-Uwe Meyer: Das Edison-Prinzip: Der genial einfache Weg zu erfolgreichen Ideen, Campus, 215 Seiten, 19,99 Euro, ISBN-13: 978-3593500409

Matthias Nöllke u.a.: Kreativ im Job. Techniken und Spiele, Haufe-Lexware, 256 Seiten, 8,95 Euro, ISBN-13: 978-3648028759

Zeitdruck ist für der größte Kreativitätskiller

Bei Berufstätigen kommt kreatives Arbeiten häufig zu kurz. So hat nur eine Minderheit (38,7 Prozent) im Arbeitsalltag den nötigen Freiraum dafür. Schuld ist meist Zeitmangel: Ihn bezeichnet jeder Zweite (53,9 Prozent) als größten Kreativitätskiller im Job. Das zeigt eine Studie von der Beratungsfirma Jack Morton.

Bei der Arbeit haben nur wenige (15 Prozent) gute Einfälle. Jedem Dritten (29,9 Prozent) kommt eine zündende Idee in der Freizeit zu Hause, jeder Fünfte (20,3 Prozent) hat sie unterwegs, und jeder Siebte (14,6 Prozent) bekommt sie beim Einschlafen oder im Schlaf. Befragt wurden mehr als 7000 erwachsene Berufstätige in elf Ländern, darunter rund 1000 in Deutschland.© dpa