15.300 betroffene Passagiere, 140 gestrichene Flüge und ein Millionenschaden für die Lufthansa: Das ist die Bilanz des Pilotenstreiks in München. Die Fronten sind verhärtet, Pilotenvereinigung und die Lufthansa geben sich gegenseitig die Schuld. Viele Fluggäste kritisieren indes die Piloten, dass sie auf viel zu hohem Niveau jammern würden. Ist diese Anschuldigung gerechtfertigt?

Das Einstiegsgehalt eines Piloten bei der Lufthansa liegt nach der Ausbildung bei 63.000 Euro brutto. Bis ein Kapitän aus dem Dienst scheidet, könnte er bis zu 225.000 Euro brutto verdienen. Zum Vergleich: Ein Lokomotivführer verdient laut Tarifvertrag 25.000 bis 39.000 Euro brutto, ein Busfahrer im bundesweiten Durchschnitt rund 25.000 Euro brutto. Auf dem Blatt sieht es so aus: Piloten verdienen im Vergleich um einiges mehr. Und weil sie ohnehin ein so hohes Gehalt bekommen, stößt der Streik bei den Fluggästen auf Unverständnis.

Die Piloten der Lufthansa streiken in München.

Die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) wehrt sich, den Job eines Piloten mit anderen Berufsgruppen in der Personenbeförderungs-Branche zu vergleichen. Die Anforderungsprofile an einen Busfahrer und an einen Piloten würden sich enorm unterscheiden. Die Verantwortung und Belastung, ein Flugzeug zu fliegen statt einen Zug zu fahren, sei der VC zufolge um einiges höher.

In der Tat hinkt der Vergleich der Berufsgruppen. Nur wenige Menschen entsprechen dem hohen Standard der Lufthansa. Die Durchfallquote der Anwerber liegt bei über 90 Prozent. Die Gehaltsdebatte vieler Fluggäste ist deswegen ungerechtfertigt.

Lufthansa: Streit um Frührente erzürnt Fluggäste

Außerdem geht es im Tarifstreit gar nicht um höhere Gehaltsforderungen der Piloten sondern um ein anderes Thema. Das Kernproblem des Tarifstreits ist die Übergangsversorgung für ältere Lufthansa-Piloten, die früher in den Ruhestand wollen. Bisher konnten sie ab dem 55. Lebensjahr ihren Dienst vorzeitig beenden.

Viele betroffene Fluggäste zeigen dafür kein Verständnis. Schließlich gilt die Rente ab 67 für alle deutschen Arbeitnehmer. Dieser Kritik muss sich die VC im Gegensatz zur Gehaltsdebatte stellen. Es ist logisch, dass die Pilotenvereinigung dieses Privileg nicht kampflos aufgeben will. Es ist zudem unausweichlich, dass ein älterer Pilot vorzeitig in Ruhestand gehen darf, wenn er sich nicht mehr in der Lage dazu fühlt, Verantwortung für die Sicherheit der Passagiere zu übernehmen. Wenn sich ein fitter Pilot mit diesem Privileg einen schönen, frühzeitigen Lebensabend macht, ist die Kritik der Fluggäste jedoch verständlich.

Lufthansa-Piloten wollen am Mittwoch Flugverkehr lahmlegen.

Den Streit um die Übergangsversorgung zu lösen, stellt sich als äußerst schwierig heraus. Die Fronten sind verhärtet. "Die Lufthansa will mit der Abschaffung der Übergangsversorgung die Belegschaft spalten", sagt VC-Pressesprecher Jörg Handwerg im Gespräch mit unserem Portal.

Lufthansa: Cockpit soll "bescheidenen Beitrag" leisten

Diese Vorwürfe weist die Lufthansa zurück. Der Konzern wolle nicht die Belegschaft spalten, sondern die Fluglinie zukunftsfähiger machen. "Wir müssen in einem sehr starken europa- und weltweiten Wettbewerb bestehen können", sagt ein Sprecher auf Anfrage. Andere Airlines hätten auch keine Übergangsversorgung festgeschrieben..

Mehrere Berufsgruppen seien der Lufthansa im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit bereits entgegengekommen. Nun müsse auch die Pilotenvereinigung einen "bescheidenen Beitrag" leisten, so der Sprecher.

Der Streik in München ist der vierte innerhalb von fünf Monaten. Die Lufthansa kündigte am Dienstagabend an, in der kommenden Woche ein konkretisiertes Angebot vorzulegen. Die VC hat bisher keine neuen Streiks angekündigt.