Berlin (dpa) - Der Kostenanstieg bei der Energiewende ist vorerst gebremst, Verbraucher und Wirtschaft können auf etwas Entspannung bei den Strompreisen hoffen. Erstmals sinkt 2015 die Ökostrom-Umlage, wenn auch nur minimal von 6,24 auf 6,17 Cent je Kilowattstunde.

Das teilten die vier für die Verwaltung des Ökostrom-Kontos verantwortlichen Übertragungsnetzbetreiber mit. Diese Absenkung wird bei der über den Strompreis zu zahlenden Umlage bei 3500 Kilowattstunden Verbrauch allerdings nur 2,45 Euro weniger im Jahr ausmachen - bisher sind bei so einem Verbrauch ohne Mehrwertsteuer 218 Euro zu zahlen.

Die Umlage macht etwa 18 Prozent des Strompreises von Haushaltskunden aus. Die Mini-Ersparnis muss nicht zwangsläufig weitergegeben werden. Und der Netzausbau zum Transport von Wind- und Solarstrom belastet in vielen Regionen die Netzentgelte, die wie die Ökostrom-Umlage Bestandteil des Strompreises sind.

Da aber dank des Ökostroms seit Jahren die Einkaufspreise für Strom sinken, sehen Verbraucherschützer dennoch Luft für Strompreissenkungen. "Viele Versorger müssten nach unseren Berechnungen die Strompreise senken", betonte der Energieexperte der NRW-Verbraucherzentrale, Udo Sieverding. Die Linken-Politikerin Caren Lay forderte eine staatliche Preisaufsicht.

Nach Berechnungen des Portals Verivox kann es wegen steigenden Netzentgelten durchaus in einzelnen Regionen sogar zu Preiserhöhungen kommen. Ein Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden zahlt derzeit jährlich 993 Euro für Strom, bei 4000 Kilowattstunden sind es laut Verivox im Schnitt 1135 Euro. Insgesamt gilt: Preise vergleichen und gegebenenfalls den Anbieter wechseln.

So funktioniert das Umlagesystem: Betreiber von Solaranlagen, Windrädern, Wasserkraft- und Biogasanlagen erhalten auf 20 Jahre garantiert eine feste Vergütung. Über die Umlage wird die Differenz zwischen dem am Markt erzielten Preis und dem Vergütungssatz gewälzt.

Die Ökostrom-Umlage 2014 war etwas zu hoch angesetzt worden, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) führt zudem witterungsbedingte Gründe für das die Senkung an. Er gehe davon aus, dass die Entscheidungen zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) dazu beitragen, "dass sie auch in den kommenden Jahren einigermaßen konstant bleibt", sagte Gabriel in Berlin.

Umstritten ist das weiterhin hohe Ausmaß an Rabatten für die energieintensive Industrie und Schienenbahnen. Die Anzahl der antragstellenden Unternehmen liegt bei 2452 und damit leicht über der Zahl des Vorjahres - allerdings ist die privilegierte Strommenge mit 117,8 Terawattstunden etwas geringer. Unterm Strich soll das Rabattvolumen weiter bei 5,1 Milliarden Euro im Jahr liegen.

Die Grünen warfen Gabriel vor, eine deutliche Entlastung der Bürger bei den Strompreisen durch die Rabatte zu verhindern. "Gabriel hat die großzügigen Befreiungen für die energieintensive Industrie sogar noch ausgeweitet", sagte die energiepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Julia Verlinden.

Bei dem neuen Umlagebetrag entfallen 2,7 Cent pro Kilowattstunde auf Solarenergie, 1,6 Cent auf Biomasse, 1,2 Cent auf Windkraft an Land und 0,5 Cent pro Kilowattstunde auf Wind offshore, also im Meer produzierten Windstrom. Hinzu kommt noch eine Liquiditätsreserve, um gegen Schwankungen abgesichert zu sein.

Die Übertragungsnetzbetreiber rechnen damit, dass im kommenden Jahr die Ökostrom-Produktion weiter steigen wird, von 150 Terawattstunden 2014 auf etwa 160 Terawattstunden. Insgesamt beträgt der Ökostrom-Anteil in diesem Jahr bisher bereits 27 Prozent. Wichtigster Energieträger sind weiterhin Braun- und Steinkohle mit einem Stromanteil von rund 45 Prozent.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) rechnet mit einer stabilen Umlage auch in den Folgejahren - der Lobbyverband erwartet für 2016 eine Umlage von 6,05 Cent und für 2017 von 6,2 Cent.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft warnte vor zu viel Optimismus. "Aus der künftigen Höhe der EEG-Umlage allein lässt sich zudem keine generelle Prognose über die kurzfristige Preisentwicklung ableiten" sagte Hauptgeschäftsführerin Hildegard Müller. "Zahlreiche weitere Faktoren beeinflussen den Strompreis. In vielen Regionen muss beispielsweise mit weiter steigenden Netzentgelten gerechnet werden."© dpa