Stuttgart (dpa/tmn) - Die Entscheidung ist gefallen: Die Leitzinsen im Euroraum bleiben auf ihrem historisch niedrigen Niveau. Ziel ist es, so die Wirtschaft anzukurbeln. Für Sparer heißt das allerdings: Zinsen für ihr Vermögen werden sie auch weiterhin kaum bekommen.

Niedrige Zinsen und Kauf von Anleihen - das sind die Maßnahmen, mit denen die Europäische Zentralbank (EZB) die Wirtschaft im Euroraum ankurbeln will. "Ziel ist es, möglichst viel Liquidität bereitzustellen", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Für Verbraucher ist das eine gute und eine schlechte Nachricht: "Wer einen Kredit aufnimmt, muss keinen baldigen Zinsanstieg befürchten", erklärt der Finanzexperte. "Allerdings werden auch die Sparzinsen niedrig bleiben."

Sparer stecken daher in diesen Niedrigzinszeiten in einem Dilemma: "Wer sein Geld sicher anlegen möchte, verliert häufig real Geld", erklärt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Der Grund: Die Zinssätze bei vielen Angeboten liegen unter der Inflationsrate. Und dabei ist die mit 0,9 Prozent in Deutschland auch nicht gerade hoch. Was also tun? "Ohne ein wenig Risiko haben Sie kaum eine Chance auf Rendite", sagt Oelmann. Ein Überblick über Anlageklassen:

Tagesgeld: Das Tagesgeldkonto zählt zu den beliebten Anlageformen. "Für den Aufbau der Altersvorsorge eignet es sich aber eher nicht", sagt Oelmann. Denn die Zinsen sind hier eher gering. Nach Angaben der FMH-Finanzberatung bekommen Sparer derzeit durchschnittlich 0,53 Prozent Zinsen, bei den besten Anbietern immerhin 1,3 Prozent (Stand: 22.01.15). "Gut geeignet ist ein Tagesgeldkonto für den Notgroschen", findet Oelmann. Denn hier kommen Sparer jederzeit an ihr Geld. Wer nur sehr wenig Zinsen bekommt, sollte den Mut haben, zu wechseln. "Das müssen Sie ja nicht ständig machen, aber ab und zu lohnt sich das."

Festgeld: Ähnlich ist das Bild bei Festgeldangeboten. Hier gibt es zwar mehr Zinsen. Laut FMH bieten gute Institute für Einlagen von 5000 Euro mit einer Laufzeit von vier Jahren bis zu 2,2 Prozent Zinsen (Stand: 22.01.15). "Doch dann ist das Geld auch gebunden", gibt Oelmann zu bedenken. Damit Anleger trotzdem flexibel bleiben und auf mögliche Zinssteigerungen reagieren können, sollten sie die Laufzeiten staffeln. So können sie einen Teil des Geldes zum Beispiel für vier Jahre anlegen und einen Teil nur für zwei Jahre.

Aktien: Wer mehr aus seinem Geld machen will, kann in Aktien investieren. Das lohnt sich nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts (DAI) auf lange Sicht: So legte allein der deutsche Aktienindex Dax von 2004 bis 2014 jährlich im Durchschnitt um 8,4 Prozent zu. Viele Unternehmen zahlen ihren Aktionären zudem eine regelmäßige Dividende. "Allerdings müssen Sie auch mit dem Risiko der Kursschwankungen leben können", sagt Oelmann. Sie rät Kleinanlegern, zu Fonds zu greifen und nie das gesamte Vermögen zu investieren. "Wenn Sie unsicher sind, können Sie ein Aktieninvestment über einen VL-Sparplan ausprobieren."

Anleihen: "Bei Anleihen haben wir derzeit die ganze Bandbreite", sagt Oelmann. Sichere Papiere von Anbietern mit guter Bonität bringen mitunter Negativzinsen, unsichere Papiere von weniger sicheren Herausgebern bringen hohe Zinsen. "Ein Ausweg für Anleger können auch hier Fonds sein", findet die Verbraucherschützerin. Mit Anleihen konnten Anleger im vergangenen Jahr ebenfalls Geld verdienen. Bei Bundesobligationen mit einer Laufzeit von fünf Jahren lag die Rendite den Angaben zufolge bei rund 4,7 Prozent.

Gold: Beliebt bei Anlegern ist auch Gold. "Der Beratungsbedarf zu diesem Thema ist sehr hoch", hat Oelmann beobachtet. Viele Anleger schätzen das Edelmetall, weil es werthaltig erscheint. "Es gibt aber keine laufenden Erträge", sagt die Expertin. "Rendite gibt es nur über steigende Preise, und das kann mitunter riskant sein." Im vergangenen Jahr hat sich ein Investment in Gold für Anleger allerdings ausgezahlt. Nach Angaben des Bankenverbandes stieg der Goldpreis 2014 in Euro gerechnet um etwa neun Prozent. Auch im Januar 2015 hat der Goldpreis weiter zugelegt.

Immobilen:Kredite für Immobilien sind seit langem historisch günstig. Laut FMH werden bei Darlehen mit einer Laufzeit von 10 Jahren im Schnitt 1,51 Prozent Zinsen fällig, bei einer Laufzeit von 15 Jahren müssen Verbraucher im Schnitt 1,97 Prozent Zinsen zahlen (Stand: 22.01.15). Niedrige Zinsen können allerdings auch die Nachfrage weiter ankurbeln, was wiederum steigende Preise zur Folge hätte. Dennoch: Wer über eine Finanzierung einer Immobilie nachdenkt, muss sich vorerst nicht vor steigenden Zinsen fürchten. © dpa