Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Aktien? Bloß nicht! Die meisten Anleger wollen keine Kursschwankungen. Denn das halten sie für riskant. Die bessere Alternative für viele sind Zinspapiere. Doch auch Rentenfonds können Verluste machen.

Keine Frage, Rentenfonds sind beliebt. Regelmäßig liegen sie in der Absatzstatistik des Fondsverbands BVI auf den vorderen Plätzen. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres sammelten Rentenfonds demnach insgesamt 7,2 Milliarden Euro bei den Anlegern ein. Mehr Geld floss nur in Mischfonds, also Fonds, die neben Anleihen auch in Aktien investieren. Sie konnten in diesem Zeitraum Neuzuflüsse in Höhe von 11 Milliarden Euro verzeichnen. Aus reinen Aktienfonds hingegen zogen Anleger von Januar bis Juni rund 1,6 Milliarden Euro ab.

Verwunderlich ist das nicht, denn Rentenfonds scheinen den Anlagebedürfnissen der Bundesbürger entgegenzukommen. Wenn es um ihre Altersvorsorge geht, wollen sie vor allem Sicherheit. Verzinste Anlagen liegen - abgesehen von den eigenen vier Wänden - in der Gunst der Anleger oft vorne. So setzen Sparer bei ihrer Altersvorsorge laut einer repräsentativen Umfrage der CosmosDirekt Versicherung vor allem auf Immobilien (54 Prozent) oder verzinste Anlagen wie Sparbücher (49 Prozent). 45 Prozent der Befragten haben eine Lebensversicherung. In Aktien investieren hingegen nur 27 Prozent.

Zu diesem Sicherheitsbedürfnis passen Rentenfonds gut, denn sie legen Geld in Zinspapieren wie Staatsanleihen oder Anleihen großer Unternehmen an. Bei den auch Rentenpapier, Schuldverschreibung oder Bonds genannten Produkten leihen Anleger dem Herausgeber des Papiers Geld. Dieser zahlt es zu einem bestimmten Zeitpunkt und mit einem festgelegten Zinssatz wieder zurück. Damit gelten Rentenfonds zwar als sicher - aber sie sind keineswegs vor Verlusten gefeit.

Die Rendite von Rentenfonds ergibt sich nämlich nur zu einem Teil aus den laufenden Zinserträgen der Anleihen. Sie speist sich zum anderen Teil aus den Kursveränderungen der enthaltenen Papiere. Beeinflusst werden die Kurse durch das Zinsniveau. Sinken die Zinsen, steigen die Kurse der alten, höher verzinsten Anleihen. Umgekehrt sinken die Kurse bei steigenden Zinsen, denn die niedrig verzinsten Anleihen sind dann weniger wertvoll.

Das Problem: Anleihen mit guter Bonität wie deutsche Staatsanleihen werfen im Moment kaum Rendite ab. "Die Umlaufrendite deutscher Bundesanleihen beträgt derzeit 0,78 Prozent", erläutert Vermögensverwalter Thomas Freiberger aus München. Für manche Fondsmanager ist es daher schwierig, momentan in attraktive Anleihen zu investieren, die gleichzeitig sicher sind. Bei höher verzinsten Anleihen ist das Risiko oft größer.

Dass sich an dem allgemein niedrigen Zinsniveau allzu bald etwas ändern wird, ist eher unwahrscheinlich. "Die EZB wird den Leitzins vermutlich bis Ende 2016 bei nahe Null belassen", schätzt Ottmar Wolf, Vorstand der Wallrich Asset Management AG. "Somit ist vermutlich in den nächsten zweieinhalb Jahren mit Anleihen guter Bonität kein Geld zu verdienen."

Erschwerend kommen bei vielen gemanagten Fonds die Kosten hinzu. "Die können bei Rentenfonds bis zu 1,5 Prozent pro Jahr ausmachen", erklärt Tobias Spies von der Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen in München. Und diese Kosten müssen erst einmal erwirtschaftet werden. Anleger sollten also genau hinschauen, wie sich ihr Rentenfonds in der jüngeren Vergangenheit entwickelt hat. Mehr als die Inflationsrate sollte ein Fonds nach Ansicht der Experten nach Abzug der Kosten mindestens erwirtschaftet haben.

Außerdem sollte die Laufzeitstruktur der im Fonds enthaltenen Anleihen stimmen. Denn hiervon hängt auch ab, wie der Fonds auf eine mögliche Zinswende reagieren kann. Sei die durchschnittliche Restlaufzeit der im Fonds enthaltenen Anleihen länger als sechs Jahre, könne über einen Verkauf der Anteile nachgedacht werden, sagt Spies. "Ansonsten drohen bei einer Zinswende Kursverluste."

Thomas Freiberger hält wegen der weit geringeren Kosten passive Rentenfonds ohnehin für die bessere Wahl. 80 bis 98 Prozent aller aktiv gemanagten Rentenfonds lagen zwischen 1994 und 2009 unter ihrer Vergleichsgröße, hat der Vermögensverwalter beobachtet. "Und die guten und schlechten wechseln sich zufällig ab." Anleger sollten daher besser auf kostengünstige börsengehandelte Indexfonds setzen. "Oder Sie kaufen die Anleihen direkt." Doch egal, für welche Variante sich ein Anleger entscheidet, ein Problem bleibt bestehen, sagt Vermögensverwalter Thomas Spies: "Mit Sicherheit erkenne ich einen guten Fonds immer erst im Nachhinein."

Literatur:

Thomas Luther: "Fonds - Basiswissen für Einsteiger", Stiftung Warentest, 4. Auflage 2014, 18,90 Euro, ISBN-13: 978-3-86851-358-5© dpa