Düsseldorf (dpa/tmn) - Geschafft: Die Umzugskisten sind ausgepackt, die letzten Handwerkerarbeiten erledigt, und der Rasen rund um das neue Haus wächst an. Eigentlich könnten sich Immobilienbesitzer zurücklehnen. Doch Vorsicht: Ohne Finanzpolster kann es eng werden.

Bauherren und Käufer haben es nicht leicht. Schließlich ist schon die Finanzierung einer Immobilie eine große Aufgabe: Konditionen müssen verglichen, komplizierte Finanzierungspläne aufgestellt und Tilgungsraten berechnet werden. Ist das alles geschafft und der Einzug in die eigenen vier Wände endlich erledigt, wollen viele zunächst einmal nur eines: Ruhe.

Das Problem: An einer Immobilie gibt es eigentlich immer etwas zu tun. Dabei geht es nicht nur um neue Tapeten im Wohnzimmer. "Gerade bei älteren Objekten sind die Folgekosten oft schwer einzuschätzen", erklärt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. "Typisch sind hier Heizung, Dach und Fenster", zählt die Verbraucherschützerin Schwachstellen auf.

"Viele Käufer vergessen, dass irgendwann auch mal teure Reparaturen fällig werden können", erklärt auch Max Herbst von der FMH-Finanzberatung in Frankfurt am Main. "Wenn die Finanzierung keinen Spielraum mehr bietet, bringt einen das schnell in Schwierigkeiten." Genauso wie Besitzer von Eigentumswohnungen sollten auch Hauseigentümer finanzielle Rücklagen bilden.

Und zwar so früh wie möglich. "Eigentlich sollte das schon bei der Aufstellung der Finanzierung berücksichtigt werden", erklärt Jörg Sahr von der Stiftung Warentest in Berlin. "Allerdings wird das Thema bei den Gesprächen mit den Kreditberatern oft vernachlässigt." Und das kann ein Problem sein - besonders, wenn angesichts der niedrigen Zinsen ein teures Objekt gekauft wurde oder die monatlichen Raten an die Bank ohnehin schon an die Grenzen der eigenen finanziellen Möglichkeiten stoßen.

Doch wie hoch sollten die Rücklagen in etwa sein? Als Richtwert empfehlen die Experten etwa einen Euro pro Quadratmeter Wohnfläche jeden Monat beiseitezulegen. Wer zum Beispiel 150 Euro monatlich anspart, hat nach zehn Jahren insgesamt 18 000 Euro - wohlgemerkt ohne Zinsen. "Das ist kein Vermögen", sagt Max Herbst. "Aber es hilft Ihnen bei größeren Modernisierungen."

Oelmann empfiehlt grundsätzlich, drei bis fünf Monatsnettoeinkommen als Notgroschen auf der hohen Kante zu haben. "Damit lässt sich dann auch mal ein defekter Warmwasserboiler bezahlen", erklärt die Verbraucherschützerin. "Für Heizung, Dach oder Fenster reicht dies aber sicherlich nicht."

Und wie sollten die Rücklagen gebildet werden? In Betracht kommen mehrere Möglichkeiten, zum Beispiel Bausparen oder Sparen auf einem Tagesgeldkonto. "Es gibt bei beiden Varianten Vor- und Nachteile", erklärt Zinsexperte Herbst. Der Vorteil des Bausparens zum Beispiel liegt darin, dass Kunden nach der Zuteilung für ein mögliches Bauspardarlehen mit einem vorher schon feststehenden Darlehenszins kalkulieren können. Allerdings sind Bausparverträge wenig flexibel. "Das lohnt sich vor allem für Maßnahmen, die Sie schon lange im Voraus planen können", erklärt Herbst.

Wird aber zum Beispiel unerwartet das Dach undicht, sind Rücklagen auf einem flexiblen Zinskonto besser. "Dabei kommt es aber auf die aktuelle Höhe des Zinses an", erklärt Verbraucherschützerin Oelmann. Mehr als 1,40 Prozent Zinsen sind auf Tagesgeldkonten laut FMH derzeit nicht drin. Bei einer Sparrate von monatlich 150 Euro ergibt das nach zehn Jahren immerhin einen Zinsertrag von etwa 1320 Euro.

Eine weitere Möglichkeit ist ein neuer Kredit. Doch das sollte eher die letzte Wahl sein, finden die Experten. Wer hier also auf Rücklagen zurückgreifen kann, lebt billiger.

Literatur:

Thomas Hammer, Die Baufinanzierung, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen 2014, 5. Auflage, 16,90 Euro, ISBN-13: 978-3-86336-037-5© dpa