Kurz nach dem Start des "langen Donnerstags" vor 25 Jahren wurde dem Vorstoß für längere Ladenöffnungszeiten von Kritikern bereits wieder das Totenglöcklein geläutet. Doch die Entwicklung war nicht mehr aufzuhalten.

Mit Kinderrummel, Musikbands und Feuerwerk wurde der Start des "langen Donnerstags" vor 25 Jahren in vielen deutschen Innenstädten gefeiert. Doch am 5. Oktober 1989 war nicht die ganze Branche in Feierlaune: Die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten war bereits damals ein heiß umstrittenes Thema. Kritiker und Befürworter liefern sich seitdem ein erbittertes Duell. Vor allem der wachsende Internet-Handel mit seinen Öffnungszeiten rund um Uhr setzt die Branche heute zunehmend unter Druck.
Wäre es nach manchen Kritikern gegangen, so wäre der "lange Donnerstag" bereits kurz nach dem Start wieder zu Grabe getragen worden. "Der Donnerstagabend ist tot. Toter geht es gar nicht mehr", schimpfte etwa ein Vertreter einer großen deutschen Warenhauskette acht Monate nach der zunächst eher zaghaften weiteren Lockerung der Ladenöffnungszeiten.
Zuvor war nach heftigen Diskussionen die zunächst bis 21:00 Uhr geplante Verlängerung wieder gestutzt worden. Im Gegenzug für die schließlich vereinbarte Verlängerung der Öffnungszeiten an den Donnerstagen um zwei Stunden bis 20:30 Uhr wurden bei dem Kompromiss Abstriche an den Samstags-Öffnungszeiten gemacht.

30 Jahre Shopping-Tristesse am Samstag

Doch die Entwicklung war nicht mehr aufzuhalten: Nach einem eher zögerlichen Start, bei dem wegen des Vetos vieler Betriebsräte vor allem die großen Warenhäuser abseitsstehen mussten, ließen bald immer mehr Händler ihre Läden länger geöffnet. Vor allem in den Stadtzentren erwies sich die Idee als Erfolg. Läden in den Vororten und Randlagen hatten dagegen oft das Nachsehen. In einer Bilanz beklagte etwa der damalige NRW-Arbeitsminister Hermann Heinemann (SPD) das neue Modell als "außerordentlichen Flop" - vor allem für die "Tante-Emma-Läden".
Mit der Einführung des "langen Samstags" war der Startschuss der Entwicklung jedoch eigentlich schon im Jahr 1957 gefallen. Nach über 30 Jahren Pause ging es dann ab 1989 wieder weiter. Auf den "langen Donnerstag" folgte 1996 die Öffnung bis 20:00 Uhr, die seit 2003 auch samstags gilt.

Anderes Bundesland, andere Öffnungszeiten

Seit 2006 ist der Ladenschluss Ländersache - was die Lage nach Einschätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE) nicht einfacher gemacht hat. "Der HDE wendet sich gegen den Flickenteppich beim Ladenschluss, der die Verbraucher verwirrt", beklagt Geschäftsführer Kai Falk. Unterm Strich fällt die Bilanz des Branchenverbands zum Thema verlängerte Ladenöffnungszeiten heute eher ernüchternd aus. "Der Umsatz ist erwartungsgemäß nicht gestiegen", stellt Falk fest. Vor allem der Lebensmittelhandel habe jedoch die Chance genutzt, um in den Abendstunden den Tankstellen-Shops Paroli zu bieten.
Vor dem Hintergrund des zunehmend schärfer werdenden Wettbewerbs mit dem Onlinehandel erteilt der HDE nun jeder Regulierung der Ladenöffnung eine klare Absage. "Die Regulierung der Betriebszeiten gibt es für keine andere Branche in Deutschland", meint Falk. Erst vor kurzem hatte der Verband vor der Verödung ganzer Innenstädte gewarnt. Bis zu 50.000 Läden müssten in den kommenden fünf bis sechs Jahren um ihre Existenz bangen, hieß es.

Internet gegen Einzelhandel

Flexible Ladenöffnungszeiten gelten auch nach Einschätzung des Deutschen Städte- und Gemeindebunds mittlerweile als Überlebenselixier und Vitalitätsprogramm für die bedrohten Innenstädte. "Vor dem Hintergrund des zunehmenden Wettbewerbs zwischen Onlinekäufen und stationärem Handel sind diese zusätzlichen Öffnungszeiten unverzichtbar", sagt Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. Mittlerweile seien bereits Lebensmittelläden mit 24-Stunden-Öffnungszeiten am Start.
Verdi-Handelsexperte Ulrich Dalibor sieht die Entwicklung kritisch. "Es wird nicht helfen, rund um die Uhr zu öffnen", stellt er fest. Statt des versprochenen Zuwachses an Umsatz und Arbeitsplätzen sei es zu einem verstärkten Verdrängungswettbewerb gekommen. Leidtragende seien jedoch vor allem die Beschäftigten, denen die Entwicklung "richtig weh" tue.© dpa

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