Carsharing gehört zumindest in den Großstädten schon zur Normalität, Wohnungen teilen wir noch länger. Aber es gibt noch viel mehr Möglichkeiten zum "Sharen": Manche bewirtschaften gemeinsam Äcker, verschenken Lebensmittel oder besitzen zusammen mit anderen einen Hund.

Viele Menschen besitzen kein Auto mehr, sondern teilen sich eins via Carsharing. Auch Wohnungen werden mit anderen genutzt: Es liegt im Trend, sich via Airbnb in Privatwohnungen einzuquartieren. Das ist oftmals billiger als ein Hotel, aber auch viel authentischer und familiärer: Der Gastgeber kann Tipps zur Umgebung geben.

Gerade in der unmittelbaren Nachbarschaft funktioniert das Teilen von Dingen: Bei vielen lokalen Initiativen tauschen Privatpersonen ihre Arbeitskraft: Der eine bohrt Löcher in die Wand, dafür hilft der andere bei einem Computerproblem. Oder man leiht sich gegenseitig teure Werkzeuge aus. Unter frents.com finden Sie zum Beispiel Bohrmaschinen in Ihrer Nähe. Warum also eine kaufen, wenn ich sie selten brauche?

Das Prinzip ist immer das gleiche: Nicht jeder muss alles besitzen. Wenn man Dinge teilt, wird es für alle günstiger. Die Idee der sogenannten "Sharing Economy" boomt: So gibt es mit "Share" sogar ein spezielles Magazin für Teilwillige.

Wenn junge Leute ihren Abschluss feiern, kann es heftig werden.

Wie teilt man ein Haustier?

Geteilt werden können auch noch ganz andere "Dinge". Der neueste Trend: Dog-Sharing. Dabei gehört das Haustier nicht einem Menschen, sondern mehrere kümmern sich darum. Der Hund zieht regelmäßig von einer Wohnung in die andere, die jeweilige Bezugsperson wechselt. In den USA und Großbritannien ist das Modell beliebt. Auf der Seite borrowmydoggy.com findet man Menschen, die sich einen Hund teilen wollen.

Der Trend schwappt auch auf die deutschen Großstädte über. Der Grund für den Wunsch nach einem geteilten Hund: Zeitmangel. Bello braucht viel Aufmerksamkeit und macht Arbeit, man muss mit ihm Gassi gehen, mit ihm spielen, zum Tierarzt und mehr. Und Herrchen und Frauchen wollen ihr Haustier auch im Urlaub in guten Händen wissen, wenn es nicht mitfahren kann.

Bei anderen Dogsharing-Modellen ist es so, dass das Tier an bestimmten Tagen in der Woche bei einem Menschen wohnt und anderen Tagen bei dem anderen. Die Berlinerin Friederike Lorenz beschreibt in ihrem Blog "Teilzeithund" wie es ist, sich ein Tier zu teilen.

Was man noch alles teilen kann

Die Ideen fürs Teilen sind kreativ und vielfältig: Auf der Webseite meine-ernte.de finden Sie Ackerflächen, die Sie zusammen mit anderen bewirtschaften können. Und auf foodsharing.de melden Sie sich, wenn Sie Lebensmittel übrig haben, diese aber nicht wegwerfen wollen. Auf einer Karte sehen Sie, was es in der Nähe gibt: Das Angebot reicht von selbstgekochter Marmelade bis hin zu Fertigsuppen.

In München können Sie jetzt kostenlos eines von fünf Lastenrädern ausleihen: Thomas Schmidt und Raphael Draeger haben via Crowdfunding 11.000 Euro eingesammelt und die Räder gekauft. Die darf nun jeder benutzen, ohne dafür zahlen zu müssen.

Sie müssen sich auch Kleider nicht kaufen: Schauen Sie doch mal bei kleiderkreisel.de, ob Sie fündig werden: Dort können Sie ihre ausgemusterten T-Shirts, Hosen oder Kleider mit anderen tauschen.

Und wenn Sie gerne ein Musikinstrument spielen lernen wollen, aber dafür kein Geld ausgeben möchten, "zahlen" Sie doch mit einer anderen Fähigkeit: Auf skillsharing.de finden Sie Menschen, mit denen Sie Wissen und immaterielle Dinge teilen können. Jemand bringt Ihnen Klavierspielen bei, dafür füttern Sie seine Katze, wenn er auf Geschäftsreise muss, oder bringen ihm Kuchenbacken bei.

Verbraucherschützer warnen

Die Idee des Teilens ist so charmant, weil sich Menschen gegenseitig unterstützen und helfen können - und weil man nicht die Dienste etablierter Firmen nutzen und bezahlen muss. Doch dass der Trend zum Teilen sich völlig unkontrolliert entfaltet und sich meist als eine Vereinbarung zwischen eigenverantwortlichen Privatleuten abspielt, ist manchen ein Dorn im Auge.

So fordern etwa Verbraucherschützer strenge Regelungen für die Sharing Economy. Ihr Argument ist, dass eine Institution dafür sorgen müsse, dass die Teilnehmer wirklich das bekommen, was ihnen versprochen wurde.

Ein Hindernis ist auch der Protest der kommerziellen Anbieter: Taxifahrer gingen auf die Barrikaden, als der Mitfahr-Dienst Uber startete. Inzwischen ist er in mehreren Ländern verboten. Politiker argumentieren damit, dass die Nutzer nicht selbst auf die Sicherheit der Angebote achten könnten. Sie treiben Fragen um wie ob der Uber-Fahrgast im Fall eines Unfalls versichert ist und ob Airbnb-Vermieter ausreichend für Brandschutz sorgen.

Sicher ist: Der Trend zum Teilen ist in einer immer stärker vernetzten Gesellschaft nicht aufzuhalten. Ständig tauchen neue Ideen auf. Wer weiß, was wir in Zukunft noch alles gemeinsam statt alleine nutzen? Vielleicht ja unsere Computer, Küchen, Balkone - oder sogar den Partner?