Düsseldorf (dpa) - Gescheit, gute Noten, aber trotzdem kaum Chancen auf eine akademische Karriere: 28 Talentscouts suchen an Schulen im Ruhrgebiet begabte Jugendliche aus Nichtakademiker-Familien, um sie auf dem Weg zu einem Studium zu unterstützen.

"Wir wollen Bildungsgerechtigkeit fördern und Hürden auf dem Weg in die Hochschulen abbauen", sagte Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) bei einer ersten Zwischenbilanz des Programms von Westfälischer Hochschule und Landesregierung. Mittlerweile sind sechs weitere Hochschulen ins Boot gekommen, 50 Gesamtschulen, Berufskollegs und Gymnasien inzwischen Partner.

"Wir sind damit bundesweit Vorreiter und Vorbild", betonte Schulze. Die Talentscouts gehen in die Schulen, beraten Schüler und betreuen sie auf dem Weg zum Abitur, bei Studien- und Berufswahl oder beim Wechsel in eine Hochschule. In Deutschland entscheiden oft familiäre Hintergründe über den Bildungsweg der Heranwachsenden, nicht deren Talente oder Fähigkeiten. Rund 77 Prozent aller Kinder aus Akademiker-Familien studieren laut Erhebung des Deutschen Studentenwerks, aber nur 23 Prozent aus Nichtakademiker-Familien.

Ziel des Projekts sei, "dass das Elternhaus, das Portemonnaie oder die Herkunft keine Rolle spielen für den Bildungserfolg", sagte Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Die Westfälische Hochschule (Gelsenkirchen) hatte das Förderkonzept entwickelt. Dort ist nun das NRW-Zentrum für Talentförderung an den Start gegangen, wo auch neue Scouts fortgebildet werden. Das vom Land geförderte Programm wird ausgebaut, 2017 kommen weitere Hochschulen hinzu. Pionier als Talentscout war vor einigen Jahren im Ruhrgebiet der mittlerweile bundesweit bekannte Suat Yilmaz, der das neue Zentrum nun mit leitet.© dpa