Die Zukunft hält schon jetzt Einzug in die Arbeitswelt. Doch wie werden wir in zehn, zwanzig Jahren arbeiten? Die Diskussion darüber wirft grundlegende ethische Fragen auf.

1. Die digitale Revolution prägt die Arbeit der Zukunft

Das ist keine neue Erkenntnis, aber die Dimensionen der Veränderung sollte man sich ruhig noch einmal vor Augen führen: 2020 werden 50 Milliarden Geräte vernetzt sein. Das "Internet der Dinge" verbindet Waschmaschinen, Kühlschränke, Armbanduhren, Autos. Ein kleines Gedankenspiel illustriert, wie tiefgreifend das in unser Arbeitsleben eingreifen wird: Ein Gastwirt muss nicht mehr nachschauen, ob er noch genug Flaschen Champagner im Lager hat. Er muss auch nicht seinen Lieferanten anrufen, um nachzubestellen. Das erledigt alles die Software für ihn. Der Computer des Lieferanten schickt die Ware dann sofort raus - in einem Lastkraftwagen, den nicht ein Kraftfahrer steuert, sondern mit einem Navigationsgerät ans Ziel kommt.

Örtlich ungebunden, aber ständig erreichbar: Jobs im digitalen Zeitalter.

2. Jeder zweite Arbeitsplatz ist gefährdet

Das klingt alarmierend – aber Studien der Oxford University und der London School of Economics kommen zu genau diesem Ergebnis. Sie haben untersucht, welche Berufsgruppen in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten durch Computer fast oder vollständig ersetzt werden. Das Ergebnis: Vor allem einfache Tätigkeiten, die wenig kreative oder soziale Intelligenz erfordern, werden wahrscheinlich von Maschinen übernommen. Die höchste Wahrscheinlichkeit haben die Forscher der Oxford University bei Call-Center-Jobs ausgemacht. Aber auch Sekretär- und Assistenzjobs sind bedroht.

3. Die Arbeit geht aber nicht aus

Das sagt zumindest Hans Holzinger von der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg. Der Wissenschaftler hat für das österreichische Bundesministerium für Landwirtschaft und Umwelt die Studie "Zur Zukunft der Arbeit" verfasst. "Die Arbeit geht nicht aus, es ist nur die Frage: Welche Arbeit kann wie bezahlt werden?", fragt der Experte. Holzinger spielt damit auf Berufe an, in denen noch mehr Bedarf herrscht, die aber schlecht bezahlt sind – vor allem in der Pflege und in der Kinderbetreuung.

4. Traditionelle Berufe verschwinden

Schon jetzt verschwinden viele herkömmliche Berufe, wie etwa der Schuster. Die technische Entwicklung wird weitere Opfer fordern, vor allem im Handwerk, sagt Hans Holzinger. "Der kleine Tischler stirbt aus. Der Betrieb wird weiter existieren - aber der hat dann auch eine Hightech-Maschine mit CAD-Verfahren. Da werden dann Maßanfertigungen produziert." Auch das Baugewerbe wandelt sich. Schon jetzt können im 3D-Drucker große Teile gefertigt werden, die nur noch zusammengesetzt werden. In China drucken Firmen schon komplette Häuser aus. Das alles muss nicht negativ sein, sagt Holzinger: "Man kann mit weniger Arbeitskraft mehr produzieren. Das ist die Chance der Automatisierung." Das heißt aber nicht, das alles, was automatisiert werden kann, auch automatisiert wird, gibt Holzinger zu bedenken: "Das ist auch eine ethische Entscheidung. Es gibt ja schon Roboter, die Menschen füttern können. Da wäre ich vorsichtig. Wenn es um Menschen geht, sollen auch Menschen die Tätigkeiten vollbringen. Da ist noch nicht entschieden, inwieweit so etwas gesellschaftlich akzeptiert wird."

5. Weiterbildung wird immer wichtiger

Wenn immer mehr Arbeitsplätze verschwinden, müssen die Menschen sich darauf einstellen, umzulernen. "Mehr als früher braucht es die Bereitschaft, dazuzulernen, Offenheit und Neugier", sagt der Fachmann. "Das trifft gerade auf gering qualifizierte Leute zu."

6. In qualifizierten Berufen herrscht Mangel

Selbst wenn vor allem in der Fertigung die Maschinen schon komplett übernommen haben – Stichwort Industrie 4.0 – werden Menschen auch in Zukunft in Fabriken arbeiten. Allerdings werden sich die Anforderungsprofile ändern. Gesucht sind vor allem Arbeiter, die Maschinen kontrollieren und warten können - Mechatroniker. So genannte "Data Scientists", Fachkräfte, die aus vorhandenen Daten Wissen ableiten, haben gute Aussichten. Diese Berufe erfordern gut ausgebildete Arbeiter, und genau die könnten in Zukunft fehlen. Das prophezeit Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky in seinem Buch "2025 - So arbeiten wir in der Zukunft". Seine Grundannahme: 6,5 Millionen Menschen verschwinden in den kommenden zehn Jahren aus dem Arbeitsmarkt, weil wegen des demographischen Wandels mehr Alte in Rente gehen, als Junge nachkommen. Da viele Arbeitsplätze für niedrig Qualifizierte wegfallen, wird dieses Szenario in einen Fachkräftemangel münden.

7. Unternehmen müssen sich wandeln

Jánszkys Szenario hat große Konsequenzen für Firmen, die auf gut qualifizierte Arbeitnehmer angewiesen sind. Sie müssen zu "Caring Companies" werden, um die Fachkräfte an sich zu binden – also die Familienplanung erleichtern, Wohnungen anbieten, vielleicht sogar die Gesundheitsversorgung übernehmen. Letztlich wird es für die Angestellten nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage einfacher, zum Beispiel höhere Löhne durchzusetzen.

8. Die Arbeitnehmer sollten sich anpassen

Es gibt noch einen zweiten Weg, den Jánszky skizziert: Unternehmen könnten projektorientierter arbeiten, in kleinen Teams aus Menschen, die nicht einmal fest im Unternehmen arbeiten. Projektarbeiter nennt Jánszky diese neue Art. Sie sind flexibel – nicht nur in Bezug auf die Firma, sondern auch, wenn es um Ort und Zeit geht. Jánszky rechnet damit, dass 2025 rund 40 Prozent der Menschen in solchen befristeten Arbeitsverhältnissen tätig sind, 20 Prozent werden als Selbstständige arbeiten. Nur noch rund jeder Dritte wird eine Langzeitanstellung haben.

9. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen

Das ist durchaus örtlich zu nehmen. "Durch die neuen Geräte ist man auch unterwegs einsatzbereit - das Büro wird auf die Straße oder in die Bahn verlegt", sagt Hans Holzinger von der Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen. Selbst innerhalb des Büros werden die Mitarbeiter mobiler: "Es gibt jetzt schon Unternehmen, da hat nicht mal mehr die Hälfte der Mitarbeiter einen eigenen Schreibtisch." Auf dem Nachhauseweg noch schnell ein paar Mails abarbeiten, zuhause noch ein Paper vorbereiten – all das ist möglich, hat aber manchmal fatale Folgen. "Es gibt Menschen, die die Grenze nicht setzen können. Die sich zu viele Aufgaben aufhalsen, das Gefühl haben, immer mehr Dinge gleichzeitig tun zu müssen, Termindruck verspüren - all das sind Dinge, die Menschen in den Burnout treiben können."

10. Länger arbeiten ist auch keine Lösung

Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt schon jetzt bei 81 Jahren, 2030 wird sie wohl auf rund 86 Jahre steigen. Bedeutet das, dass wir ruhigen Gewissens länger arbeiten können – auch, um das Rentenmodell nicht zu gefährden? Nein, meint Hans Holzinger: "Es ist verlockend zu sagen: Wir werden älter, also arbeiten wir länger. Das Dilemma ist nur, dass das Arbeitsvolumen zurückgeht." Das heißt im Klartext: Ältere Arbeitnehmer nehmen anderen die Jobs weg, was neue Probleme schafft: "Man kann das Rentenalter nur hinaufsetzen, wenn es auch Arbeitsplätze gibt und wenn das Arbeitsvolumen gut verteilt ist. Sonst machen wir das auf Kosten junger Menschen, die Fuß fassen wollen und müssen."

11. Flexibel arbeiten vielleicht schon

Für Hans Holzinger steht außer Frage, dass die Zukunft flexible Arbeitszeitmodelle bringen muss: "Dann wird die Lebensarbeitszeit tendenziell abnehmen." Es gibt mehrere Wege, wie das gestaltet werden könnten, zum Beispiel die Wunscharbeitszeit: "Wenn ich meine Ausbildung in der Tasche habe und etwas aufbauen will, arbeite ich 40 Stunden. Wenn ich eine Familie gründe, arbeiten die Partner je 20 Stunden, bis die Kinder groß sind - und dann wieder ein bisschen mehr." Unternehmen könnten auch statt Lohnerhöhungen geringere Arbeitszeiten anbieten – das funktioniert aber nur in Branchen, in denen gut gezahlt wird.

Eine Möglichkeit, gegen die sich die Wirtschaft noch vehement wehrt, wäre eine generelle Arbeitszeitverkürzung. "Aus meiner Sicht führt daran kein Weg vorbei", sagt Holzinger. "Wir brauchen eine Umverteilung der Arbeit, damit die Jungen eher in Arbeit kommen. So hätten die Menschen auch mehr Zeit für Eigenarbeit, für Ehrenamt oder Ähnliches."