Mal kurz bei Ebay ein paar Klamotten reinstellen, Urlaubsbilder auf Facebook posten oder bei Google nach ersten Anzeichen für eine Schwangerschaft stöbern? Geht es auf der Arbeit mal ruhiger zu, ist es sehr verlockend, den PC für privates Surfen zu nutzen.

"Bloß nicht", rät Stephan Düsterdiek von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). "Auch scheinbar harmlose Daten können gegen mich verwendet werden."

Der stellvertretende Leiter des Wilhelm-Gefeller-Bildungszentrums der Gewerkschaft, weiß wovon er spricht, denn sein Institut veranstaltet viele Seminare zum Thema Datenschutz am Arbeitsplatz und warnt: "Computer machen uns zu gläsernen Mitarbeitern."

Wer möchte schon, dass der Chef den Kinderwunsch kennt? Oder von gefährlichen Hobbys wie Fallschirmspringen weiß?

Videoüberwachung braucht Grund

"Wenn niemand im Betrieb auf Datenschutz achtet, ist heute eine fast lückenlose Überwachung der Beschäftigten möglich. Diensthandys, Videokameras, Telefonanlage oder Chips für die Kantine – sie alle übermitteln persönliche Informationen", erklärt Düsterdiek.

Klingt harmlos, aber: "Wer will schon, dass die Firma weiß, wie lange und oft man Raucherpausen oder gar Toilettengänge macht?" Grundsätzlich gilt: Videoüberwachung am Arbeitsplatz ist nicht ohne Weiteres gestattet und erfordert das Einverständnis des Betriebsrats.

"Wenn Videoüberwachung eingeführt wird, muss sie zweckgebunden und schlüssig sein", so der Gewerkschafter.

"Kommt es zu Videoüberwachung, weil sich im Lager die Diebstähle häufen und ist dann zwei Jahre Ruhe, kann der Betriebsrat die Überwachung wieder ausschalten lassen." Denn dann fehlt der triftige Grund.

Ein chinesisches Werbenetzwerk sammelte mehr Daten als erlaubt.

Vorsicht beim privaten Surfen

Videoüberwachung ist das eine – Internetüberwachung das andere. "Technisch kann der Arbeitgeber hier alles über die Firewall sehen und sogar Tastaturanschläge mitloggen", berichtet Frank Zielinski, Betriebsrat bei der Ruhrkohle AG und Systementwickler.

Also kann der Arbeitgeber Facebookseiten ebenso auslesen wie die Google-Suche. Die Frage ist nur, darf das Unternehmen das auch?

"Sobald den Mitarbeitern zugestanden wird, privat im Internet zu surfen, darf der Arbeitgeber nichts kontrollieren", berichtet der Betriebsrat, der auch Seminare zum Thema Datenschutz gibt.

Hat das Unternehmen aber private Nutzung ausdrücklich ausgeschlossen, kann alles protokolliert und ausgewertet werden. Allerdings gibt es hier natürlich Ausnahmen.

Etwa, wenn das Unternehmen den begründeten Verdacht des geschäftsschädigenden Verhaltens hegt oder Trojaner durch das Surfverhalten eingeschleust werden. Dann gilt selbst das "Briefgeheimnis" der persönlichen E-Mails nicht mehr.

Auch das Telefonieren darf inhaltlich nicht abgehört werden, sogar die "Aufzeichnungen zur Steigerung der Servicequalität" brauchen das Einverständnis des Betriebsrates.

Hier können Sie Ihr Wissen rund ums Arbeitsrecht testen.

Tipps beim Verdacht auf Überwachung

Wer den Verdacht hat, überwacht zu werden, sollte sich an den Betriebsrat oder den Datenschutzbeauftragten wenden. Gibt es den nicht, helfen die Datenschutzbeauftragten des Landes oder des Bundes.

"Wenn der Betroffene eine Anfrage an das Unternehmen schickt, werden fragliche Überwachungsmethoden meistens sofort eingestellt", hat Zielinski beobachtet.

Doch die private Surferei birgt noch andere Gefahren. "Wer seine Urlaubsbilder bei Facebook einstellt oder Ebay mit Fotos füttert, kann aufgrund der großen Upload-Datenmenge schnell mal das Firmennetzwerk lahmlegen", warnt Zielinski.

"Dann kann der Mitarbeiter in Regress genommen werden, wenn etwa der Vertrieb nicht mehr funktioniert – und das kann teuer werden."

Grundsätzlich sollten Aktivitäten in sozialen Netzwerken sowieso nicht über den Firmenrechner laufen und private Suchen gehören auf private Geräte.

Europas Datenschutzregeln sind 20 Jahre alt. Nun steht eine Reform. Sie gibt Internet-Nutzern mehr Rechte gegenüber Anbietern. Auch das Recht auf Vergessenwerden gehört dazu. Von 2018 an sollen die Regeln gelten.