Sind Sie am Sonntagabend ständig schlechter Laune, weil eine neue Arbeitswoche vor der Tür steht? Schleppen Sie sich am Montag immer lustlos zur Arbeit? Dann haben Sie wahrscheinlich auch schon mal den Wunsch verspürt, dieses Unlustgefühl loszuwerden.

Unternehmensberaterin und Managementcoach Dr. Christiane Nill-Theobald ist sich sicher: Der Montagsfrust ist überwindbar. Wie, das beschreibt sie in ihrem frisch erschienenen Ratgeberbuch "Endlich wieder Montag!"

Experte erklärt, dass wir Chefs oft dazu erziehen, uns zu überfordern.

Viele Arbeitnehmer wissen gar nicht, weswegen es ihnen eigentlich so schwer fällt, am Montag Leistung zu bringen, erklärt Nill-Theobald. Sie haben ein ungutes Gefühl, aber bei dieser diffusen Emotion bleibt es oft. Der einzige Weg, Licht ins Dunkel zu bringen, ist Selbstreflexion. "Wenn Sie Ihre Leistungslust zurückerobern wollen, müssen Sie in sich gehen, Ihren Zufriedenheitsdefiziten auf die Spur kommen und herausfinden, wofür sie brennen", betont die Managementtrainerin.

"Lust auf Leistung entsteht nicht, wenn Sie lediglich das Ausbrennen vermeiden wollen." Wichtig ist also, sich die eigenen Bedürfnisse und Wünsche bewusst zu machen. Das liegt in der Verantwortung des einzelnen Mitarbeiters. Diese Aufgabe kann er nicht an seine Vorgesetzten oder das Unternehmen delegieren. "Um Lust auf Leistung zu haben, muss der Arbeitnehmer seine Potentiale verwirklichen können ... und zwar gemeinsam mit den anderen Mitarbeitern des Unternehmens. Ziel ist also nicht Selbstverwirklichung oder gar ein Egotripp, sondern es geht vielmehr um Selbstentfaltung."

Sie sind erfolgreich, weil Sie Ihren Job wirklich beherrschen und plötzlich werden Sie Führungskraft! Für viele ist diese Vorstellung alles andere als erstrebenswert. Sie ist sogar alarmierend und besorgniserregend. Doch Panik vor dieser Situation braucht niemand zu haben, meint die Amerikanerin Devora Zack.

Montagsfrust: Achten Sie auf Ihr Wohlbefinden

Ein wichtiger Schlüssel für die Lust auf Leistung ist das Wohlbefinden des Mitarbeiters. Das entsteht, wenn psychische Hauptfaktoren wie gute Gefühle, zwischenmenschliche Beziehungen, Sinn und die Zielrichtung stimmen. Wer seiner Unlust auf den Grund gehen will, der sollte sich fragen, ob in seinem jetzigen Job diese Hauptfaktoren erfüllt werden. "Das gute Gefühl, ein Ziel erreicht zu haben und nicht nur Geld zu verdienen, sorgt zum Beispiel für Wohlbefinden", erklärt Nill-Theobald.

Auch die Frage nach dem Sinn des eigenen Jobs ist für die Zufriedenheit wichtig. Ob jemand Sinn in seiner Arbeit sieht, hängt ebenfalls von ihm selbst ab. "Eine Reinigungskraft im Krankenhaus kann ihren Job gering schätzen, weil sie nur sieht, dass sie die Flure putzt. Sie kann aber auch ihre Arbeit als sinnvoll erkennen, weil sie weiß, dass es dadurch den Patienten besser geht."

Montagsfrust: Wünsche und Arbeit in Einklang bringen

Um wirklich Lust auf Leistung zu bekommen, empfiehlt Nill-Theobald das Selbst-Coaching. "Zuerst sollten Sie Ihre eigene Arbeit betrachten. Finden Sie heraus, was Ihnen Spaß macht und versuchen Sie in einem weiteren Schritt, Ihre Wünsche mit Ihrer Arbeit in Einklang zu bringen." Wichtig ist es dabei zu erkennen, welche Arbeitssituation sich schrittweise verändern lässt und danach zu handeln.

Und das könnte so aussehen: Sie fragen Ihren Chef nach Weiterbildungsmöglichkeiten, die Ihre Fähigkeiten ausbauen oder Sie beteiligen sich aktiv an Projekten im Unternehmen, die Ihnen Spaß machen. Sie können sich auch für Aufgaben melden, die Ihren Bedürfnissen entgegenkommen. Wer so vorgeht, wird meist mehr Freude an der Arbeit haben und auch bessere Leistung bringen.

"Bedenken Sie aber auch, dass es nicht in erster Linie um den äußeren Erfolg geht, sondern um die innere Zufriedenheit. Um wirklich wieder gerne zur Arbeit zu gehen, kommt es auf die Zufriedenheitsplanung an, nicht auf die Karriereplanung", betont Nill-Theobald. Damit diese Planung nicht vage bleibt, rät die Buchautorin, sich messbare und realistische Ziele zu setzen, die sich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erreichen lassen.

"Natürlich erleben Arbeitnehmer auch Strukturen, die so desaströs sind, dass keine Verhaltensveränderung zu dem gewünschten Erfolg führt. In so einem Fall lässt sich die Leistungslust nicht herbeicoachen", erklärt Nill-Theobald. Oft bleibt dann nur noch der Stellenwechsel.

Literaturtipp: Christiane Nill-Theobald: Endlich wieder Montag! Die neue Lust auf Leistung, Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2014, 194 Seiten, 19,99 Euro, ISBN: 978-3-527-50786-3