Stuttgart (dpa/tmn) - Es ist wieder soweit: Der alljährliche Schlussverkauf von Finanzberatern und Versicherungsvertretern hat begonnen. Verbraucher sollten dem Drängen allerdings mit Skepsis begegnen.

"Verbrauchern wird vor dem Jahresende noch der Abschluss einer Lebens- oder Rentenversicherung empfohlen", beobachtet Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart.

Im Gepäck haben die Berater in diesem Jahr vor allem ein Argument: die sinkenden Höchstrechnungszinsen zum 1. Januar. Denn statt 1,75 Prozent Zinsen zahlen die Versicherer neuen Kunden ab 2015 nur noch 1,25 Prozent garantiert. "Der Garantiezins ist bei näherer Betrachtung belanglos, weil er angesichts der hohen Vertragskosten und der Inflationsrate praktisch gleichbedeutend ist mit einer realen negativen Mindestrendite", sagt Nauhauser.

Von 1,75 Prozent verblieben nach Kosten noch 0,75 Prozent, und das gleiche die Preissteigerungen aktuell nicht aus. Zwar stellen die Versicherer auch Überschüsse in Aussicht, die die gesamte Rendite steigern können. Diese hängen allerdings von der Anlagepolitik des Versicherers ab und sind unverbindlich.

"Die Versicherer haben viele Möglichkeiten, diese Überschüsse in ihrer Höhe zu beeinflussen und unter ihren Kunden zu verteilen", erklärt der Finanzexperte. "Die Kunden müssen ihrem Versicherer grenzenloses Vertrauen entgegenbringen, denn die gesetzliche Regelung stellt nicht sicher, dass die Kunden an diesen Überschüssen angemessen beteiligt werden."

Eine weitere Begründung, die Versicherungsvermittler für einen Abschluss vor dem Jahreswechsel oft ins Feld führen, ist die drohende Absenkung der Garantierenten wegen der steigenden Lebenserwartung. "Zwar passen die Versicherer die Renten regelmäßig an die aktuelle Sterbetafel an", erklärt der Verbraucherschützer. "Das bezahlen aber alle Kunden." Denn in der Regel sinken dann die Überschüsse, die ein Versicherer seinen Kunden auszahlen kann.

Wer auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten ist, sollte sich nach kostengünstigen und flexiblen Produkten umsehen. "Lassen Sie sich auf jeden Fall nicht einreden, dass der Abschluss vor dem 1. Januar besonders vorteilhaft sei", sagt Nauhauser. Den Beratern gehe es dabei viel zu oft nur um die eigene Provision. "Denn der Kauf von Finanzprodukten sollte von ihrem persönlichen Bedarf bestimmt werden und nicht von Stichtagen."© dpa