Geringere Löhne, geringere Aufstiegschancen: Frauen haben es in Unternehmen oft immer noch schwerer als ihre männlichen Kollegen. Und das trotz einiger neuer Gesetze, die ihnen helfen sollen.

Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass sich Frauen und Männer im Beruf immer noch nicht auf Augenhöhe begegnen. Der deutlichste ist aber wohl die sogenannte Gender Pay Gap, also der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen.

Erst jüngst wurde wieder eine Zahl veröffentlicht, die das zeigt: So hat die Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion erklärt, dass der Bruttolohn von Frauen durchschnittlich 21,6 Prozent unter dem von Männern liege. Dieser Wert hat sich in den vergangenen 15 Jahren kaum geändert.

Ursachen gibt es nach Ansicht von Forschern einige: Viele sagen, es liege hauptsächlich daran, dass Frauen häufiger im (geringer bezahlten) Dienstleistungssektor und in Teilzeit arbeiteten und seltener (gut bezahlte) Führungspositionen bekleideten.

Diese Faktoren kann man bei der Berechnung der Gender Pay Gap herausrechnen. Dann erhält man eine "bereinigte" Gender Pay Gap. Diese liegt bei sieben Prozent.

Nur sechs Prozent der Vorstände sind Frauen

Beide Werte haben ihre Berechtigung - und die sieben Prozent der bereinigten Pay Gap mögen kein verheerender Wert sein. Dennoch lohnt es sich, arbeitsmarkttechnische Faktoren einzubeziehen und etwa zu fragen, warum Frauen nicht so viele Chefs stellen wie Männer.

So waren zum Beispiel laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) Ende 2015 nur sechs Prozent der Vorstände der 200 umsatzstärksten deutschen Unternehmen Frauen. In den Aufsichtsräten waren es 20 Prozent, aber auch hier habe die Dynamik nachgelassen, erklärte das DIW Berlin.

Dabei stehen die Aufsichtsräte seit einiger Zeit selbst unter Aufsicht: Seit einem Bundestagsbeschluss vom 6. März 2015 gilt für 108 Großunternehmen, dass neubesetzte Stellen in Aufsichtsräten ab 2016 zu 30 Prozent an Frauen gehen müssen. 3.500 weitere Firmen müssen sich verbindliche Ziele für eine Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen setzen.

Immerhin: Laut dem DIW Berlin hat die Hälfte der 30 Dax-Konzerne die 30-Prozent-Quote schon erreicht. Dennoch gibt es Kritik am Frauenquotengesetz - weil bei Nichteinhaltung keine Sanktionen drohen und weil es nur für Aufsichtsräte und nicht für Vorstände gilt.

Bei diesen können sich die Firmen eigene Zielmarken setzen. Laut mehreren Medienberichten geben sich etliche Unternehmen die "Zielgröße Null".

Familie und Karriere gehen immer noch schwer zusammen

Doch es geht nicht nur um die obersten Posten bei den größten Firmen, sondern auch um Jobs im oberen und mittleren Management. Laut einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird nach wie vor nur jede vierte Chefposition in einem Privatunternehmen von einer Frau bekleidet. Im mittleren Management liegt der Frauenanteil immerhin bei 39 Prozent.

Diese Zahlen machen deutlich, dass es offenbar immer noch schwierig ist, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen. Denn von Führungskräften wird oft erwartet, dass sie quasi rund um die Uhr verfügbar sind. Das ist für Frauen nach wie vor schwieriger zu leisten als für Männer, weil sie bei einer Babypause länger aussetzen und danach oft in Teilzeit arbeiten.

Seit der Einführung des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes im Jahr 2006 können auch Väter leichter eine Auszeit vom Job nehmen - sie tun es aber nicht annähernd in dem Ausmaß wie Mütter.

Laut dem Statistischen Bundesamt waren 2014 fast ein Viertel aller Mütter mit einem Kind unter sechs Jahren in Elternzeit. Bei den Vätern war es nur etwa jeder Hundertste. Bei kleineren Kindern ist das Verhältnis 41,5 zu 2 Prozent.

Diese Konstellation, erklärt die DIW-Forschungsdirektorin für Gender Studies Elke Holst, werde von staatlicher Seite noch begünstigt - etwa durch das Ehegattensplitting. "Das ist noch die alte Kultur, die in unserer Gesellschaft lebt, dass Frauen immer abhängig sind - früher waren sie abhängig erst von den Eltern, dann vom Ehemann und wenn nicht geheiratet wurde, vom Bruder. Das ist in unserer alten Gesetzgebung immer noch drin", sagte Holst im Deutschlandfunk.

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Auch das Betreuungsgeld wird von Kritikern als ein Schritt zurück in eine Zeit gesehen, als der Mann Alleinverdiener war.

Per Gesetz zu gerechterer Bezahlung?

Es gibt noch einige politische Vorhaben, die Auswirkungen auf die Jobchancen von Frauen haben könnten: den Ausbau der Krippen- und Kita-Plätze und das Gesetz zu mehr Lohngerechtigkeit.

Nach den Plänen von Familienministerin Manuela Schwesig sollen Mitarbeiter künftig so erfahren können, was ihre Kollegen verdienen - genauer gesagt sollen sie einen Durchschnittswert einer Gruppe von Kollegen mit vergleichbaren Aufgaben erfahren können. Das soll mehr Transparenz bringen und vor allem Frauen dazu ermutigen, bei Gehaltsverhandlungen fordernder zu sein.

Denn Studien haben auch ergeben, dass Frauen in diesem Punkt zurückhaltender sind als Männer. So gaben sie bei der Frage, was sie als gerechten Lohn für ihre Arbeit ansehen würden, Summen an, die rund ein Viertel niedriger lagen als die Summen, die Männer für sich als gerecht ansahen.