Hatten Sie schon einmal ein schlechtes Gewissen bezüglich Ihres Alkoholkonsums? Und haben Sie schon daran gedacht, weniger zu trinken? Wenn Sie diese Fragen mit Ja beantworten, deutet das bereits auf eine Alkoholabhängigkeit hin. Für viele vielleicht schwer zu glauben, denn der Beginn einer Alkoholsucht wird offenbar vollkommen unterschätzt.

In Deutschland trinkt jeder Zehnte gesundheitsgefährdende Mengen an Alkohol. "Alkoholprobleme sind damit eines der verbreitetsten Gesundheitsprobleme überhaupt", heißt es in der Broschüre "Alkoholfrei leben" von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Wie viel Alkohol ist eigentlich zu viel?

Das zu beantworten, fällt auch Experten schwer: Die Empfindlichkeit sei individuell verschieden, daher gebe es keinen absolut sicheren Grenzwert, schreibt die BZgA. Eine Richtlinie für risikoarmen Alkoholkonsum liegt pro Tag bei 12 Gramm Alkohol für Frauen und 24 Gramm Alkohol für Männer.

Oder: Warum die Droge trotz tausender Suchtkranker nicht illegal ist.

Für gesunde Erwachsene bedeutet das maximal ein Standardglas (Frauen) beziehungsweise zwei Standardgläser (Männer) eines alkoholischen Getränks. Nicht besonders viel, wenn man bedenkt, dass ein Standardglas Wein 0,1 Liter fasst. Gleichzeitig sollte man an mindestens zwei Tagen pro Woche überhaupt keinen Alkohol trinken. Wer sich in diesem Rahmen bewegt, braucht in der Regel weder durch Alkohol verursachte gesundheitliche Gefahren, wie zum Beispiel ein erhöhtes Krebsrisiko, noch Alkoholabhängigkeit zu fürchten.

Tests zeigen: Bin ich gefährdet?

Viele Deutsche liegen bei ihrem Alkoholkonsum allerdings weit über der oben genannten Schwelle. Im Jahr 2012 tranken die Bundesbürger im Durchschnitt 9,5 Liter reinen Alkohol. Das entspricht umgerechnet etwa 20 Gramm täglich. Ein unglaublich hoher Wert, denn Abstinenzler sind in dieser Rechnung noch nicht enthalten.

Wer den Verdacht hat, zu viel zu trinken, dem stehen verschiedene Tests zur Verfügung. Der sogenannte CAGE-Fragebogen* besteht nur aus vier Fragen, die trotzdem einen Hinweis auf Missbrauch oder Abhängigkeit geben:

Haben Sie jemals daran gedacht, weniger zu trinken?JaNein
Haben Sie sich schon einmal darüber geärgert, dass Sie von anderen wegen Ihres Alkoholkonsums kritisiert wurden?JaNein
Haben Sie sich jemals wegen Ihres Trinkens schuldig gefühlt?JaNein
Haben Sie jemals morgens als Erstes Alkohol getrunken, um sich nervlich zu stabilisieren oder einen Kater loszuwerden?JaNein

Zwei oder mehr Ja-Antworten deuten auf Alkoholmissbrauch oder –abhängigkeit hin. Die BZgA rät in diesem Fall, sich an einen Arzt oder eine Beratungsstelle zu wenden.

Andere Tests berücksichtigen weitere Kriterien, zum Beispiel der SMAST (Short Michigan Alcoholism Screening Test). Hier werden 13 Fragen beantwortet, die jedoch ähnlich streng ausgewertet werden.

Ohne Alkohol leben – das geht auch

Wer den Verdacht hat, die legale Droge zu stark in den Alltag integriert zu haben, sollte einmal im Jahr mehrere Wochen komplett verzichten, rät die BZgA. Tendieren Sie bereits zur Alkoholabhängigkeit, scheuen Sie sich nicht, darüber zu sprechen. Weil Alkoholismus oft als asozial gilt, versuchen viele im Stillen und auf eigene Faust, dem Problem Herr zu werden. "Weniger trinken" ist dabei ein häufiges Ziel, bleibt aber Wunschtraum: Nur bei einer beginnenden Abhängigkeitsentwicklung ist es laut BZgA möglich, den Konsum einzuschränken.

Alkoholsucht könne dagegen nur durch Abstinenz besiegt werden. Betroffene sollten sich nicht schämen, sich dabei fachmännische Unterstützung zu holen. Das unterstreicht die Ernsthaftigkeit des Vorhabens und verspricht einen größeren Erfolg. Diese Alkoholabhängigkeit wird als Krankheit anerkannt, Behandlungskosten werden von der Krankenkassen übernommen. Erste Anlaufstellen für die Beratung sind der Hausarzt oder das BZgA-Info-Telefon: 0221 892031.

*CAGE steht für Cut Down Drinking (Weniger trinken), Annoying (Ärgern), Guilty (Schuldig fühlen), Eye Opener (Augenöffner). Die Begriffe kürzen den Inhalt der betreffenden Fragen ab.

In geselliger Runde geben Menschen gerne die gängigen Alkoholmythen und damit Halbwissen zum besten. Unser Mythen-Check räumt mit dem Irrglauben auf.