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25.10.2012, 10:30 Uhr

Ausprobiert: Mit dem E-Bike auf der Überholspur

Die Ampel springt auf Grün, ich trete einmal in die Pedale und schon rase ich los. Der durchtrainierte Mountainbiker neben mir wird nervös und versucht, mit meinem Tempo mitzuhalten. Wie das Wettrennen wohl ausgehen wird? Ich bin optimistisch. Denn ich muss mich nicht auf meine Muskeln verlassen, sondern werde von einem Elektromotor unterstützt. Seit ein paar Tagen bin ich auf ein E-Bike umgestiegen - und habe mich schnell an dessen Top-Speed-Modus gewöhnt. Nur ein Beinahe-Crash bewahrt mich davor, endgültig zur drängelnden Fahrradpistensau zu werden.

Von WEB.DE Gesundheitsredakteurin Silke Stadler

Auf meinem täglichen Arbeitsweg habe ich festgestellt, dass sich auf Münchens Radwegen zur Hauptverkehrszeit drei Typen von Radfahrern tummeln:

Der Drängler, der an der Ampel immer ganz vorne stehen muss – bei Platzmangel gerne auch auf dem Fußgängerabschnitt - und nervös wird, wenn er nicht an der Spitze der Drahtesel-Kolonne strampelt.

Der Bummelant, der gerne mal rechts ran fährt, um etwas Unerfindliches in der Ferne, die Beschaffenheit der Wegbepflanzung oder ein parkendes Auto zu studieren (dabei handelt es sich meist um ältere Herren mit viel Zeit).

Der Stressvermeider, der auf Gelassenheit im Straßenverkehr setzt - ganz einfach deshalb, weil er aus Gründen der Würde, der körperlichen Fitness oder der technischen Ausrüstung nicht mit dem Drängler konkurrieren möchte.

Ich wurde von der letzten Kategorie in die erste katapultiert. Der simple Grund für meinen zweifelhaften Aufstieg: Ich habe mein Trekkingrad gegen ein E-Bike getauscht, und zwar gegen das City Elektrofahrrad von Umweltrad

Mit der Gelassenheit ist Schluss

Wenn die Ampel auf Grün springt, genügt ein sanfter Tritt in die Pedale und schon lasse ich alle Wartenden hinter mir. Je stärker man tritt, desto stärker unterstützt der Elektroantrieb. Ohne Muskelkraft geht bei diesem Modell im Unterschied zu vollmotorisierten E-Bikes also nichts. Die sportliche Betätigung ist weiterhin gegeben, wenn auch in geringerem Maß. Im Top-Speed-Modus, steuerbar über eine kleine Box am Lenker, gehen trotzdem satte 75 Prozent der Leistung auf das Konto des Motors. 

Da haben es auch die fittesten Freizeitradler schwer, mitzuhalten. Meine Überlegung: Es macht jetzt auch für mich Sinn, mich nach vorne zu drängeln! In der zweiten Reihe laufe ich Gefahr, meinem Vordermann beim Anfahren an den Hinterreifen zu knallen. Und wie die meisten Radler spare ich mir gern das Bremsen: Rote Ampeln nerven und lahme Radfahrer auf meiner Spur regen mich auf. Mit dieser Voraussetzung ist der Weg zur drängelnden Fahrradpistensau denkbar kurz - auf den teils schmalen Radwegen Münchens ein wagemutiges Unterfangen.

Wehe, wenn der Akku streikt

Für meinen Arbeitsweg brauche ich sonst 30 Minuten, mit dem Elektrofahrrad bin ich etwa fünf Minuten schneller. Immerhin erreiche ich auf gerader Strecke bis zu 24 km/h und das ohne große Anstrengung. Ab dieser Grenze läuft der Motor im Leerlauf mit, noch schneller geht's dann nur noch mit eigener Muskelkraft. Andere, meist deutlich teurere Modelle schaffen es auf 45 km/h. Für sie braucht man aber mindestens einen Führerschein der Klasse M.

Muskelkraft wird auch notwendig, falls der Motor streikt – weil man vergessen hat, den Akku des E-Bikes aufzuladen zum Beispiel. Dann ist jeder Tritt etwa dreimal so schwer wie mit dem normalen Rad. Der Lilon-Akku des Testmodells hat eine Reichweite von etwa 80 Kilometern und wer ab und zu einen Blick auf die Akkuanzeige am Lenker wirft, kann sich viel Stress ersparen. Das Aufladen ist einfach: Der leere Akku kann vom Gepäckträger entfernt werden und wird per Netzteil für etwa fünf Stunden an den Strom angeschlossen. Fürs Gelände und unbefestigte Wege ist das E-Bike nicht geeignet. Bei größeren Erschütterungen kann schon mal die Elektrik spinnen, der Motor schaltet sich dann meiner Erfahrung nach einfach ab.

Wettrennen? Gewinne ich!

Meine neue Fahrweise ist etwas riskant, zumal ich unterschätzt werde: Im gemütlichen Oma-Sitz throne ich auf meinem Gefährt. Keiner rechnet damit, dass mein Drahtesel an der Ampel loszischt wie ein Ackergaul auf Speed. Das harmlose Bild, das ich anderen Verkehrsteilnehmern vermittle, führt dann auch zum Beinahe-Crash mit einem vorwitzigen Mountainbiker, der sich an der roten Ampel vor mich drängelt. Beim Anfahren schramme ich um Haaresbreite an seinem Hinterrad vorbei. Das Wettrennen, das sich danach in stillschweigender Verbissenheit entspinnt, kann ich für mich entscheiden. Wenn auch nur knapp. Der kleine Triumph weicht schnell einer wenig schmeichelhaften Erkenntnis: Ohne den Elektro-"Düsentrieb" wäre ich dazu nicht in der Lage gewesen. Mein Auftritt: eher peinlich.

Aus diesem Grund und weil ich nach dem E-Bike-Test wieder auf meinem nicht motorisierten Trekkingrad sitze, überlasse ich den Konkurrenzkampf auf der Straße denen, die es nötig haben – sei es aus Egogründen oder einfach, weil sie sonst zu spät zur Arbeit kommen. Ich jedenfalls sitze ab jetzt wieder fünf Minuten später vorm Bildschirm.  

Lesen Sie auch den vorangegangenen Beitrag der "Ausprobiert"-Kolumne: Endlich rauchfrei!

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