Mehr bewegen, gesünder essen, abnehmen: Das sind die Top-Vorsätze der Deutschen für das Jahr 2015. Kalorienzähl-Apps, Fitness-Tracker, Schrittzähler und unzählige Produkte mehr wollen die angehenden Gesundheitsjünger dabei unterstützen. Aber bringt das wirklich was? Ich habe es ausprobiert.

Selbstoptimierung – das ist das erklärte Ziel in einer Gesellschaft, in der man nie gut genug sein kann. Wir möchten weniger gestresst sein. Uns mehr bewegen. Zeit sinnvoller nutzen. Gelassener sein. Fitter sein. Weniger wiegen. Öfter entspannen. Das Problem eines Lebens im ständigen Komparativ: Man gelangt nie ans Ziel. Schließlich gibt es immer etwas zu verbessern.

Wer ist schon mit dem eigenen Körper zufrieden?

Unsere Optimierungswut ist dabei vor allem auf den eigenen Körper gerichtet. Mal ehrlich: Wer ist damit zufrieden? Unseres inneren Kritikers nehmen sich Hersteller gut gemeinter Gesundheitsprodukte schon seit langem an. Besonders angesagt im digitalen Zeitalter: die körperliche Rundum-Überwachung.

So manches Angebot habe ich schon beschnuppert. Die kostenlose Gewichts-App kommt noch ganz bescheiden daher: Man trägt jeden Tag sein Gewicht ein und kann anhand des Verlaufes erkennen, ob man sich dem Wunschgewicht gerade nähert oder sich davon entfernt.

Wie sich einzelne "Fresstage" wirklich auf die Figur auswirken.

Die Kalorienzähl-App geht da schon weiter und spuckt genau aus, ob ich zu viele, zu wenige, oder genau die für meine Zwecke optimale Anzahl an Kilokalorien aufgenommen beziehungsweise verbrannt habe. Leider muss man dazu – wenn man die nötige Motivation mitbringt – die kalorischen Eigenschaften auch jeder noch so kleinen Haselnuss ins Smartphone speisen. Ist mir nach drei Tagen zu viel Stress (Reminder: "Zeit sinnvoller nutzen"!).

Der heilige Gral der Körperüberwachung: das Aktivitätstracking-Armband. Ich habe das Pulsense PS-100 von Epson (149,99 Euro) ausprobiert. Es misst mithilfe eines Herzfrequenzsensors rund um die Uhr Herzschlag, Aktivitätslevel, Kalorienverbrauch und Schlafrhythmus.

Fitnessdaten ganz unkompliziert

Das stylische, schwarze Armband liegt unauffällig am Handgelenk, stört mich aber trotzdem, weil man es doch immer spürt – zumal es in unregelmäßigen Abständen mit hartnäckigem Vibrieren auf sich aufmerksam macht. Was es mir damit genau sagen will, keine Ahnung. Ich nehme an, dass es mich auf Veränderungen meiner Herzfrequenz hinweist (Treppensteigen, puh!). Die Anleitung, die im Internet zu finden ist, gibt diesbezüglich leider keine genaue Auskunft.

In ihrer Kolumne "Ausprobiert" testet unsere Gesundheitsredakteurin Silke Stadler am eigenen Leib, worüber sie schreibt.

Die Daten, die das emsige Gerät 24/7 sammelt, werden per Bluetooth aufs Smartphone übertragen und können per App eingesehen werden. Ich erfahre so zum Beispiel, dass ich sechs Stunden tief und zwei leicht geschlafen habe, dass ich noch 500 Schritte gehen müsste, um mein Tagesziel von 10.000 Schritten zu erreichen oder dass ich vor zehn Minuten aufgeregt (was habe ich da gemacht?!) und den Rest des Tages ziemlich entspannt war.

Die Mahlzeiten werden – im Gegensatz zu oben erwähnter Kalorienzähl-App – relativ unkompliziert eingegeben, indem für Frühstück, Mittag- und Abendessen sowie Zwischenmahlzeiten eine ungefähre Kalorienanzahl vorgeschlagen wird. Diese kann man eigenhändig anpassen oder einfach übernehmen – muss dann aber damit rechnen, dass man sich beim täglichen Energieverbrauch um einiges verschätzt.

Sport für mich – oder fürs Armband?

Saublöd ist, wenn man sich gerade in die Joggingklamotten geschmissen hat und der Akku des Armbandes dann den Geist aufgibt. Was mache ich jetzt? Trotzdem joggen und auf 5.000 Schritte in meiner Statistik verzichten? Oder mich aus dem Sportzeug schälen und warten, bis das Armband nach einer halben Stunde wieder Saft hat? Dass mich diese Frage - Sport für mich oder fürs Armband? - ganz kurz in ein Dilemma stürzt, macht mir etwas bewusst.

Ja, es ist tatsächlich ein wunderbares Gefühl, beispielsweise nach einem langen, frostigen Spaziergang im winterlichen Wald zu sehen, dass man 10.000 Schritte zurückgelegt hat! Aber dass ich mir und meinem Körper gerade etwas richtig Gutes getan habe, brauche ich nicht an meinem Smartphone abzulesen – das spüre ich auch so.

Die körperliche Rundum-Überwachung mag für manchen eine nette Spielerei sein, für andere ein überzeugender Motivator für einen aktiveren Alltag. In der Tat ist der Fitnesstracker ein fantastisches Tool, um den eigenen Körper kennenzulernen. Wenn man mit diesem aber schon gut befreundet ist, kann man sich die ständige Beobachtung getrost sparen.

Lesen Sie auch den vorangegangenen Beitrag der "Ausprobiert"-Kolumne: "Was bringt die Zwei-Tages-Diät?"

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