Wuppertal (dpa/tmn) - Eigentlich gibt es einen nur im Doppelpack - mit der besten Freundin oder dem besten Freund. Neuerdings sieht das aber anders aus: Der neue Freund oder die Freundin ist nun die zweite Hälfte. Die beiden sind total verliebt, und man selbst fühlt sich alleine und überflüssig.

Eine chaotische Situation: "Auf der einen Seite freut man sich für den Freund oder die Freundin, auf der anderen Seite fühlt man sich vernachlässigt. Das nervt", sagt Nina Pirk. Sie ist ehrenamtliche Jugendberaterin bei der Nummer gegen Kummer. Und es kommt die Sorge auf, dem anderen nicht mehr wichtig zu sein. Die ist aber meistens unbegründet, sagt Pirk.

Trotzdem ist die Sorge da. Denn die beste Freundin oder der beste Freund fehlt in solchen Momenten doppelt, erklärt Psychologin und Familientherapeutin Sigrun Eder. Denn es ist nicht nur der Andere selbst, den man vermisst: "Man fühlt sich in der Gesellschaft seines besten Freundes gut, vielleicht selbstsicherer, klüger oder mutiger", erklärt sie. Der Freund bringt Seiten von einem zum Vorschein, die ohne ihn eher im Verborgenen bleiben. "Wenn dieser Mensch dann eine andere nahe Beziehung hat, dann bin ich selbst auch abgeschnitten von dem guten Gefühl, das er mir gibt." Alles in allem ist man irgendwie nicht mehr richtig komplett.

Eine einfache und schnelle Patentlösung gibt es dafür - wie immer - nicht. "Es darf einem aber deswegen auch mal schlecht gehen. Die Traurigkeit sollte man schon zulassen und nicht abtun oder überspielen", rät Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Ebba Piplack, von der Jugend-Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Denn eine solche Situation macht nicht nur traurig, sie stellt auch die Freundschaft auf die Probe. Trotzdem: Irgendwann muss das Verkrümeln wieder ein Ende haben. Aber was tun?

Erstmal heißt es: "Ruhe bewahren, sich für den anderen freuen und sich klarmachen, dass man den Freund oder die Freundin nicht verloren hat", rät Pirk. Und das klappt oft ganz gut, wenn man sich ablenkt: Sport treiben, seinen Hobbys nachgehen oder andere Freunde treffen, die man lange nicht gesehen hat. "So kann man auch vermeiden, dass man die Freundin aus einem Impuls heraus anruft und anmeckert", sagt Pirk. Wer gerade eine wütende Phase hat, redet sich den Frust am besten bei jemand anderem erstmal von der Seele. Das können andere Freunde sein, wenn man gut mit ihnen klarkommt, die Eltern oder auch eine Beratungsstelle für Jugendliche.

Wer gerade wütend ist, sollte sich außerdem immer vor Augen führen, dass der Schwarm eigentlich keine Konkurrenz für einen selbst ist, sagt Eder. Schließlich geht es einmal um Freunde und einmal um ein Pärchen. Das klappt vielleicht mal besser, und dann kommt die Eifersucht doch zurück. Ein Drama ist das nicht, sagt Pirk. "Eifersucht zeigt ja auch, dass jemand einem wichtig ist und man ihn nicht verlieren will."

Manchmal ist in der ersten Verliebtheits-Phase ein Treffen zu dritt die einzige Möglichkeit, den Freund oder die Freundin überhaupt noch zu sehen. "Einen Versuch ist das wert", sagt Piplack. Gerade wenn alle in eine Klasse gehen oder sich ohnehin schon kennen, kann das klappen. Wer sich dabei aber als fünftes Rad am Wagen fühlt, sollte sich nicht verbiegen, rät sie. "Nicht einfach lächeln und mitgehen, obwohl man eigentlich nicht mag. Man muss auch auf sich selbst achten." Eine Möglichkeit wäre, sich selbst auch noch einen Freund oder eine Freundin zum Treffen mitzunehmen. Wer sich trotzdem noch überflüssig vorkommt, sollte das Gespräch suchen.

Da sind Vorwürfe dann aber nicht das Richtige, betont Eder. Besser versuchen Betroffene ihre chaotischen Gefühle zu erklären: "Ich fühle mich als Freund im Moment ein bisschen alleingelassen, aber ich freue mich auch, dass du so verliebt bist", wäre zum Beispiel eine ganz gute Einleitung. Damit der andere besser versteht, was mit einem los ist, sollte man auch sagen, was man vermisst - zum Beispiel die gemeinsamen Samstage oder Filmabende.

Und es ist wichtig, sich Gedanken zu machen, wie man sich die Freundschaft vorstellt. Das sollte man dann auch klar sagen, rät Eder. "Besitzansprüche darf man natürlich nicht stellen. Aber eine Freundschaft braucht Pflege. Das kann zum Beispiel heißen, sich einmal in der Woche zu treffen."

Service:

Die Nummer gegen Kummer erreichen Jugendliche montags bis samstags von 14.00 bis 20.00 Uhr anonym und kostenlos unter 116111.© dpa