Berlin (dpa) -Die Bundesregierung wehrt sich gegen Kritik an ihren Ebola-Hilfsmaßnahmen. In den nächsten Tagen soll eine Luftbrücke starten. Merkel sorgt sich über den "dramatischen Verlauf" der Epidemie.

Deutschland will vom Senegal aus eine Luftbrücke zum Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika aufbauen. Dazu will die Bundeswehr in den nächsten Tagen mit zwei Transall-Maschinen aus Dakar Versorgungsflüge in die drei besonders betroffenen Länder Liberia, Guinea und Sierra Leone starten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte am Freitag zugleich weitere Hilfe an. Kritik am bisherigen deutschen Engagement wies die Bundesregierung zurück.

Bis zu 100 Soldatinnen und Soldaten seien für den Aufbau der Luftbrücke und den Betrieb eines ebenfalls geplanten Lufttransportstützpunktes in der Region vorgesehen, teilte das Auswärtige Amt am Freitagabend nach einem Krisengespräch mit. Die Bundesregierung wolle außerdem das Deutsche Rote Kreuz finanziell und logistisch unterstützen, ein mobiles Krankenhaus mit mehr als 200 Betten aufzubauen und zu betreiben. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass die Bundeswehr eine Krankenstation für mehr als 50 stationäre Patienten liefern möchte. Das Außenministerium hat innerhalb der Bundesregierung die Federführung für den Kampf gegen Ebola übernommen.

Merkel ist besorgt

Merkel äußerte sich nach einem Treffen mit dem philippinischen Präsidenten Benigno Aquino besorgt über die jüngste Entwicklung. Sie sprach von einem "dramatischen Verlauf". Offensichtlich könnten die multilateralen Organisationen in ihrer Organisation und Schlagkraft der rasanten Entwicklung nicht mehr Herr werden. Deshalb sei jetzt bilaterale Hilfe gefragt. Augenblicklich gehe es nun vor allem um Behandlungsstationen.
"Es ist im Augenblick keine Frage des Geldes, sondern der Kapazitäten und Logistik", sagte die Kanzlerin. Einen konkreten Termin für den Beginn der Luftbrücke gibt es noch nicht. Es soll aber nächste Woche losgehen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums können pro Flug bis zu 8 Tonnen Hilfsgüter in die Krisenländer gebracht werden.

Kritik wegen angeblich unzureichender Hilfe zurückgewiesen

Regierungssprecher Steffen Seibert wies Kritik wegen angeblich unzureichender deutscher Hilfe zurück. Deutschland sei bereits vor mehreren Monaten mit einem "breiten Angebot" tätig geworden. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hatte zuvor kritisiert, dass Berlin offensichtlich immer noch nicht das Ausmaß der Epidemie begriffen habe. So sei zum Beispiel die mobile Krankenstation ohne zugehöriges Personal wirkungslos.

Über die Luftbrücke hinaus soll die Finanzhilfe aus Deutschland um mehr als 15 Millionen Euro aufgestockt werden. Die Bundesregierung hatte bislang etwa 17 Millionen Euro für Hilfsmaßnahmen zur Verfügung gestellt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind derzeit sieben deutsche Labor-Experten vom Robert Koch-Institut und dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in den besonders betroffenen Staaten Liberia und Guinea.
© dpa