Dallas/Frankfurt (dpa) - Der erste in den USA erkrankte Ebola-Patient hatte offenbar Kontakt zu Dutzenden Menschen. Der 42-Jährige habe bei seinem Verwandtenbesuch mit etwa 80 Leuten zu tun gehabt, darunter auch mehreren Kindern, berichtete der Sender NBC.

Der Fernfahrer war aus Liberia gekommen und hatte in Texas Krankheitssymptome gespürt - war aber von der Klinik zunächst nicht ernst genommen worden. Erst zwei Tage später habe das Krankenhaus ihn auf Ebola untersucht.

Unterdessen bereiten sich Ärzte am Universitätsklinikum Frankfurt auf die Aufnahme eines Ebola-Patienten aus Westafrika vor. Es handelt sich um einen Mitarbeiter einer Hilfsorganisation.

Sein Gesundheitszustand ist nach Angaben des hessischen Sozialministeriums aber so schlecht, dass er nicht fliegen kann. Daher ist noch offen, ob und wann der Patient kommt. Er stammt aus einem Land außerhalb Europas; nähere Angaben wurden nicht gemacht. Nach Deutschland war bereits Ende August ein Ebola-Patient ins Uniklinikum Hamburg-Eppendorf gebracht worden.

In den USA erhob der Neffe des erkrankten Liberianers schwere Vorwürfe: Trotz Fiebers und Schmerzen sei sein Onkel vom Krankenhaus abgewiesen worden, sagte er dem Sender NBC. "Ich musste die (zuständige US-Behörde) CDC anrufen, damit etwas passierte. Ich hatte Angst um sein Leben, und er hat nicht die angemessene Hilfe bekommen." Von Atlanta aus habe die Behörde dann die Einweisung des 42-Jährigen angewiesen.

Freunde berichteten der "Washington Post", für den Liberianer sei ein Festessen gegeben worden - dabei sei er mit vielen Menschen in Kontakt gekommen. Offiziell wird von "bis zu 18 Personen" gesprochen, darunter fünf Kindern im Schulalter. Die Kinder stünden zu Hause unter Beobachtung. Sie würden aber keinerlei Symptome zeigen. Alle anderen Mädchen und Jungen ihrer Schule hätten einen Brief mitbekommen, der die Eltern über die Umstände informiere. Sie sollten auf Symptome achten, Grund zur Sorge gebe es aber nicht.

Der 42-Jährige war von Monrovia über Brüssel und Washington nach Dallas geflogen. Während des Fluges soll er nicht ansteckend gewesen sein, weil er noch keine Symptome zeigte. Sein derzeitiger Zustand wird als ernst beschrieben. Es ist das erste Mal, dass sich ein Mensch in Afrika mit Ebola infiziert hat und erst auf einem anderen Kontinent erkrankte.

Liberia sicherte strenge Gesundheitskontrollen auf dem Internationalen Flughafen von Monrovia zu. Auch der infizierte Mann sei wie alle Passagiere eines Flugs der belgischen Gesellschaft Brussels Airlines untersucht worden. Es habe aber noch keine Anzeichen für eine Infektion mit dem Virus gegeben.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht leichte Anzeichen für eine Besserung der Lage in Westafrika. In den drei am stärksten betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone sei die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen die zweite Woche in Folge gesunken, teilte die Organisation in Genf mit. Grund für den Rückgang sei in erster Linie Monrovia. In der vergangenen Woche sei in der Hauptstadt Liberias keine einzige Neuerkrankung gemeldet worden. Doch würden nicht alle Infektionen den Behörden mitgeteilt.

Mindestens 1500 Dosen eines experimentellen Ebola-Impfstoffes sollen Anfang 2015 für medizinisches Personal und andere Helfer in Westafrika eingesetzt werden. Kanada spendete der WHO die Substanz, die erstmals in den nächsten Tagen in den USA an gesunden Probanden getestet werden soll. Tests mit einem anderen Impfstoff laufen bereits in den USA und Großbritannien.

Die kubanische Regierung schickte inzwischen ein erstes Kontingent von 165 Helfern nach Afrika. 63 Ärzte und 102 Pfleger reisten nach Sierra Leone, berichtete die Parteizeitung "Granma".© dpa