Hamburg (dpa) - Für einen Hamburger Virusexperten ist von dem ersten in den USA diagnostizierten Ebola-Patienten keine Ansteckungsgefahr im Flugzeug ausgegangen. "Der Mann war nicht erkrankt, als er im Flieger war. Da ist das Risiko null", sagte der Leiter der Virusdiagnostik des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin, Jonas Schmidt-Chanasit, der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch.

Mitreisende könnten sich nur bei erkrankten Personen infizieren, die Fieber haben oder andere Beschwerden zeigten. "In der Inkubationszeit, wenn man keine Symptome hat, kann man das Virus nicht übertragen", machte der Expert deutlich.

In den USA ist am Dienstag weltweit erstmals ein Ebola-Fall außerhalb Afrikas diagnostiziert worden. Der Patient war vor rund zehn Tagen aus dem westafrikanischen Liberia in die USA eingereist und hat erst einige Tage danach Ebola-typische Symptome entwickelt.
Durch den internationalen Flugverkehr sei es natürlich auch möglich, "dass mal so ein Fall nach Deutschland importiert wird", ergänzte der Virologe. "Es wird aber niemals bei uns zu so einem Ausbruch kommen wie in Westafrika. Unser Gesundheitssystem und unsere kulturellen Voraussetzungen sind ganz andere", sagte Schmidt-Chanasit. Nach Plänen des Robert Koch-Instituts (RKI) muss ein deutscher Arzt, der einen Ebola-Patienten hat, sofort das Gesundheitsamt und eines der speziellen Behandlungszentren informieren. Der Patient wird dann isoliert. "Es ist absolut unverstellbar, dass ein Erkrankter wochenlang etwa durch Hamburg läuft", ergänzte der Experte. Auch eine Ebola-Epidemie in Deutschland schließt er infolgedessen aus.
Die Situation in Westafrika bezeichnete der Experte für sehr kritisch und kritisierte die schleppend angelaufene Hilfe der USA und der Bundesregierung. "Es sind Wochen, die verstreichen werden, bis das erste deutsche Krankenhaus aufgebaut sein wird. Diese Verzögerungen geben dem Virus die Möglichkeit, sich weiter auszubreiten und mehr Menschen zu infizieren. Infolgedessen wird die Kontrolle über das Virus immer schwerer", sagte Schmidt-Chanasit. "Man hätte schneller und effizienter reagieren müssen, das ist ganz klar."© dpa