Schlank, glücklich, erfolgreich: Gerne! Aber wie setzen wir unsere drängenden Neujahrsvorsätze in die Tat um? Im letzten Teil unserer großen Interviewreihe erklärte Dr. med. Stefan Frädrich, woran es hapert, wenn die Pfunde nicht schmelzen wollen. Diesmal verrät der Mediziner, wie der ultimative Abnehmsport aussieht und ob man sich auch mit wenig Anstrengung zur Traumfigur tricksen kann.

Herr Dr. Frädrich, Forscher haben herausgefunden, dass Menschen, die ein paar Kilos zu viel auf die Waage bringen, oft gesünder sind als sehr dünne Menschen. Wie viel Speck ist gut?

Dr. med. Stefan Frädrich: Über dieses Thema streitet man sich. Da gibt es Statistiken, die besagen, dass ein BMI (Body-Mass-Index, Anm. d. Red.) zwischen 25 und 30 gesünder ist als ein BMI zwischen 19 und 25. Es gibt andere Statistiken, die sagen, dass die individuelle Sterblichkeit ab einem BMI von 25 zunimmt. Ich würde mich darauf nicht konzentrieren. Die Frage, die sich jeder stellen muss, ist: Wie stark ging mein Gewicht im Laufe der Jahre nach oben? Wenn man da feststellt, dass es jedes Jahr zwei Kilo mehr werden, dann brauche ich nicht auf den BMI zu gucken, um sagen zu können: Ich bin auf dem falschen Weg.

Ideal: Bewegung plus Muskeltraining

Wie sieht der ultimative Abnehmsport aus?

Frädrich: Am wichtigsten ist: Man muss etwas machen, das einem Spaß macht. Sonst wird man über kurz oder lang scheitern. Der ideale Abnehmsport ist eine Mischung aus Herz-Kreislauf-Training und Muskeltraining. Ob Sie joggen, Volleyball spielen oder ins Fitnessstudio gehen, ist unwichtig. Aber Sie brauchen beide Trainingsarten.

Wie oft in der Woche?

Frädrich: Mindestens zwei Mal wöchentlich sollte man schon trainieren, um einen Trainingseffekt zu erzielen. Auf der anderen Seite sollte man Übertraining vermeiden. Viele machen den Fehler, dass sie fünf Tage hintereinander zum Joggen gehen. Dann wundern sie sich, dass sie sich nicht fitter, sondern schlapper fühlen. Man muss auch Pause machen, damit man einen Trainingseffekt bemerkt. Mein Tipp fürs Krafttraining: Geben Sie Vollgas! Gehen Sie an die Leistungsgrenze, bis der Muskel nicht mehr kann und danach richtig brennt. Dann bringt es auch viel.

Gilt das auch für Ausdauersportarten wie Joggen?

Frädrich: Nein. Beim Joggen liegt die optimale Trainingsherzfrequenz bei 180 minus Lebensalter. Dann überanstrengt man sich nicht, die Energie hält lange und man hat einen guten Trainingseffekt. Allerdings ist es ein Irrglaube, nach 20 Minuten Joggen Unmengen Fett zu verbrennen. Man müsste dafür schon anderthalb Stunden laufen und im Idealfall vorher keine Kohlenhydrate gegessen haben, damit man ordentlich was verbrennt. Man kann durchs Joggen aber die Stoffwechselwege trainieren und die Umwandlung von Körperfett in Energie fördern.

Anstrengung lässt sich kaum vermeiden

Nun gibt es auch Sportangebote, die versprechen, weniger anstrengend, aber genauso effektiv zu sein. Ein Beispiel ist die Elektrostimulation. Bringt das was?

Frädrich: Das kommt darauf an. Bei der Elektrostimulation schickt man während des Trainings noch ein bisschen Strom durch, was die Kontraktionsleistung des Muskels erhöht. Aber man sollte nicht glauben, dass man "bescheißen" kann. Wenn ich auf Elektrostimulation oder die berühmten Rüttelgeräte setze, dann muss ich das trotzdem regelmäßig machen, um einen Effekt zu spüren.

Dr. med. Stefan Frädrich ist Experte für Ernährung, Fitness und Motivation.

Stimmt es nun oder stimmt es nicht: Lassen sich Pfunde gezielt an bestimmten Problemzonen verlieren?

Frädrich: Es gibt beide Standpunkte. Die einen sagen, dass man an der Region, die man trainiert, Fett verliert. Das ist das Prinzip des berühmten Bauch-Beine-Po-Trainings. Und es gibt die andere Meinung. Ich will mich da nicht aus dem Fenster lehnen und eindeutig Stellung beziehen. Aber eines ist klar: Wenn man insgesamt trainiert, dann verschwindet das Fett auch in jenen Regionen, von denen man es loswerden will.

Übergewicht wirkt sich stark auf die Gesundheit aus. Inwiefern leiden auch andere Lebensbereiche darunter?

Frädrich: Das kommt auf den einzelnen Menschen an. Es gibt Leute, die schleppen Übergewicht als Symptom von vielen schrägen Lebenserfahrungen mit sich herum. Die machen sich keine Gedanken um ihre Gesundheit, trauen sich im Job nicht den nächsten Schritt zu, wollen ein gemütliches Leben haben und haben Angst, Dinge aktiv anzugehen. Diese Menschen merken oft schon nach einer kleinen Veränderung, dass sie ihr Leben selbst positiv beeinflussen können. Ein Erfolg wirkt sich so häufig auf die anderen Lebensbereiche aus. Die andere Gruppe ist eben übergewichtig - das ist ein einzelnes Problem in deren Leben.

Lesen Sie im vierten Teil unserer Interviewreihe, wie wir gegen dauerhaft miese Laune vorgehen und warum man eine bestimmte Sorte Mensch meiden sollte, um ein zufriedenes Leben zu führen.

Dr. med. Stefan Frädrich ist Coach für Motivation, Gesundheit und Kommunikation und hat bereits zahlreiche Bücher zu diesen Themen verfasst. Bekannt wurde der Arzt unter anderem durch die TV-Ratgebershow "Besser Essen" auf ProSieben.