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15.11.2011, 10:00 Uhr

Wenn der Körper "Nein" zum Essen sagt

Sie wünschen, wir schreiben: Mit großer Mehrheit haben unsere Leser sich für das Thema Nahrungsmittelunverträglichkeit entschieden. Denn immer mehr Menschen können bestimmte Nahrungsmittel nicht vertragen. Ein unterschätztes und durchaus gefährliches Phänomen.

Von Tankred Gugisch für WEB.DE

Am Ende der Diagnose steht das Wörtchen "Intoleranz", das in allen Lebensbereichen einen unangenehmen Beiklang besitzt. In Bezug auf Nahrungsmittel kann das jedoch auch gefährlich sein. Die Betroffenen leiden häufig nicht nur unter unangenehmen Ausschlägen, Juckreiz und Unwohlsein, die Symptome können bis zu schweren Durchfällen, Atemnot und Herzrhythmusstörungen reichen. Wer eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit hat, muss dies wissen und sich darauf einstellen. Andernfalls drohen irreparable Langzeitfolgen.

Problematisch ist nicht nur, dass die Zahl der Betroffenen gerade in den Industrieländern immer weiter steigt, sondern auch, dass die Diagnose für den Einzelnen oft sehr spät gestellt wird. Denn die möglichen Ursachen der Beschwerden sind genauso vielfältig wie unser Speiseplan, da lässt sich der Übertäter nur schwer ermitteln. Und "Übeltäter" gibt es so einige. Sie heißen zum Beispiel Laktose oder Fructose, Gluten oder Histamin.

Klicken Sie in der folgenden Infografik die Lebensmittel an, um weitere Informationen über problematische Inhaltsstoffe zu erfahren.

Laktose-Intoleranz

Schätzungen zufolge sind bis zu 20 Prozent der europäischen Bevölkerung von dieser Form der Intoleranz betroffen. Allein in Deutschland gehen die Zahlen in den zweistelligen Millionenbereich. Eine Laktose-Intoleranz äußert sich meist durch Blähungen, Schmerzen im Bauchbereich, Übelkeit oder Durchfall. Ursache ist der mangelnde Abbau von Milchzucker (Laktose) im Körper, der wiederum auf einem Mangel des Verdauungs-Enzym Laktase beruht.

Eine Laktose-Intoleranz lässt sich mit Atem- oder Blutzuckertests nachweisen. Fällt der Test positiv aus, ist eine Umstellung der Ernährung ratsam. Milchprodukte wie Butter, Joghurt, Käse, Sahne oder Quark sollten weitgehend vom Speiseplan gestrichen und durch Reis- und Sojaprodukte ersetzt werden. Vorsicht ist auch bei Fertigprodukten geboten, die oft Laktose enthalten. Da Milchprodukte ein wichtiger Kalziumlieferant sind, ist auch hier ein Ausgleich zu schaffen.

Fructose-Intoleranz

Zwischen einer Laktose- und Fructose-Intoleranz gibt es nicht nur erhebliche Parallelen, auch die Schnittmenge der Betroffenen ist hoch. So muss davon ausgegangen werden, dass drei von vier Menschen die an einer Unverträglichkeit gegen Milchzucker leiden, auch Fructose schlecht verarbeiten können.

Die Symptome reichen auch in diesem Fall von Blähungen und Bauchschmerzen bis zu schweren Koliken und Durchfällen. Berichtet wird zudem von Depressionen und Müdigkeits-Zuständen. Betroffene sollten auf fructosehaltige - also fruchtzuckerhaltige - Nahrungsmittel verzichten. Ob man betroffen ist, kann der Arzt anhand eines Atemtests klären.   

Gluten-Intoleranz

Glutenfrei genießen: Wie sicher sind Lebensmittel? Video

Gluten-Unverträglichkeit macht manche Nahrungsmittel lebenslang tabu. >

Die so genannte Gluten-Intoleranz beschreibt eine Autoimmunkrankheit, bei der der Eiweißstoff Gluten vom Körper nicht oder nicht richtig abgebaut werden kann. Wird die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt, kann dies zu einer gefährlichen Schädigung des Dünndarms führen, in dessen Folge dem Körper lebenswichtige Nährstoffe fehlen. Es besteht zudem die Gefahr, an Diabetes Mellitus Typ 1 zu erkranken.

Das Tückische: Vielen Betroffenen ist die Erkrankung gar nicht bewusst, da die Symptome eher unauffällig sind. So leiden sie unter Appetitlosigkeit, Durchfall, Magenkrämpfen oder allgemeiner Antriebslosigkeit, können die Gründe dafür jedoch nicht ermitteln. Es gibt Schätzungen, in denen von einer Dunkelziffer bei dieser Erkrankung von bis zu 80 Prozent ausgegangen wird. Sicherheit, ob eine Gluten-Intoleranz tatsächlich vorliegt, bringt nur eine Magen-Darm-Spiegelung, bei der Gewebeproben des Dünndarms entnommen und untersucht werden.

Menschen, die an einer Gluten-Unverträglichkeit leiden, sollten Ihre Ernährung grundlegend umstellen. Gluten kommen in den meisten Getreidesorten vor, die wiederum in sehr vielen Produktbereichen verarbeitet werden. Es genügt daher nicht, auf das geliebte Brot vom Bäcker zu verzichten, auch viele Wurstwaren, Süßigkeiten und alkoholische Getränke müssen gemieden werden. Selbst Medikamente oder Mundpflegeprodukte können Gluten enthalten. Wer auf eine glutenfreie Ernährung achten muss, sollte sich auf den jeweiligen Verpackungen informieren, ob Gluten als Emulgator oder Zusatzstoff enthalten ist. Reformhäuser sowie eine Vielzahl von Supermärkten bieten mittlerweile schon glutenfreie Lebensmittel in ihrem Sortiment an.

Histamin-Intoleranz

Diese Form der Unverträglichkeit trifft vor allem Frauen in den mittleren Jahren. Sie leiden wohlmöglich unter Migräneanfällen, fühlen sich erschöpft und abgeschlagen oder klagen über Herzrhythmusstörungen. Auch ein Schnupfen oder Irritationen der Haut können als Symptome auftreten. Gerade diese Vielfalt der Beschwerden erschwert auch eine Diagnose, die ein Arzt nur mittels eines Bluttests sicher stellen kann.

Ursache der Intoleranz ist ein Mangel des Enzyms Diaminoxidase, das zur Aufspaltung von Histamin benötigt wird. Histamin selbst kommt vor allem in gereiften Lebensmitteln in angereicherter Form vor, also zum Beispiel in gelagertem Käse, abgehangener Wurst, Hefe, Fisch, Essig oder Rotwein. Es ist daher für Betroffene ratsam, auf eine Ernährung mit frischen Produkten zu setzen und auf Fertigprodukte zu verzichten.  

Nicht voreilig die Ernährung umstellen

Laktose, Fructose, Gluten oder Histamin als Übeltäter? Das ist zumindest nur ein Teil der Wahrheit. Denn was für den Einen eine echte Gefahr bedeutet, ist für den anderen nicht nur gänzlich unproblematisch, es ist sogar gesund. Die Entscheidung, auf einige Stoffe oder Produkte prophylaktisch zu verzichten, wäre daher falsch und könnte zu Mangelerscheinungen führen. Wer annimmt, an einer Unverträglichkeit zu leiden, sollte daher unbedingt den Arzt konsultieren und erst dann mit einer Ernährungsumstellung gezielt reagieren.

© Leadsatz

5 Sterne - basierend auf 1 Bewertungen
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104 Meinungen zu "Wenn der Köper "Nein" sagt"

  • lebensdiva
    Sonntag, 04.12.2011, 10:16 Uhr
    Ich bin für jeden Artikel dankbar, der diese Problematik bekannt macht. Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen und Durchfall bisher kein Arzt auf eine Lebensmittelunverträglichkeit gekommen ist. Erst nach jahrzehntelangem Leiden habe ich eine Ärztin gefunden, die mit Naturheilverfahren arbeitet und mich darauf getestet hat. Seitdem weiss ich, dass ich keine Milchprodukte und kein Weizen (Weißmehl) vertrage. Meine Blähungen und Magenprobleme sind besser geworden, seit ich diese Lebensmittel weitestgehend weglasse. Was ich schwierig finde, ist allerdings, dass in dieser Gesellschaft alles auf Milchprodukte und Weißmehl ausgerichtet ist- und wer das nicht verträgt, muss eben gleich mal das Doppelte oder mehr zahlen... Ich kann auch nur jedem Betroffenen empfehlen, Fertigprodukte wegzulassen. Nur ist der Aufwand für´s Essen und Einkaufen höher und man ist manchmal wirklich Außenseiter, wenn man nicht alles konsumieren kann, was so einfach zu haben ist.
  • Krabbeltier
    Freitag, 02.12.2011, 17:11 Uhr
    @ Pankgraf. Zöliakie ist wohl gefährlich, denn die erwähnte "Blutkrankheit" ist das MALT-Lymphom, was bösartig ist, also "Blutkrebs". Und unangenehm ist sie nicht nur wegen Durchfall und Blähungen, Eisenmangel und Vitaminmangel, sondern auch die daraus resultierende Osteoporose ist "unangenehm", besonders dann, wenn einem die Wirbelsäule zerbröselt, der Schenkelhals bricht, die Zähne ausfallen und so weiter.
  • schokocrossie
    Dienstag, 29.11.2011, 12:51 Uhr
    Ich habe jahrelang unter "Magenschmerzen" gelitten, eine Magenspiegelung brachte kein Ergebnis. Diese "Magenschmerzen" habe ich bei jedem Arztbesuch angesprochen, auch bei einem Reha-Aufenthalt. Leider ohne Ergebnis. Erst als ich durch Zufall eine Lactoseintoleranz in Betracht zog und mich testen ließ, wurde diese (gravierend) festgestellt, sie hat auch eine erbliche Komponente. Mich wundert, dass keiner der Ärzte auf diese Idee gekommen ist, sondern dass ich mich quasi in Eigenregie diagnostiziert habe. Ich verzichte auf Lactose und meine Beschwerden sind verschwunden, nach jahrelangem Leiden. Übrigens: Meine Tochter ließ sich ebenfalls testen und hat auch eine Lactoseintoleranz!
  • kathal
    Montag, 28.11.2011, 16:12 Uhr
    Ein Artikel kann nicht alle möglichen Konstellationen und Allergien widerspiegeln bzw. gerecht werden. Dafür ist das Thema viel zu komplex. Wichtig ist, dass hier darauf aufmerksam gemacht, dass etwas in unserer Gesellschaft nicht in Ordnung ist! Am Meisten hat mich bei meinem Horror-Trip genervt, dass mir kein Arzt geholfen hat, wirklich kein Arzt, überall wird man als "Simulant" abstempelt. Ich habe selber herausgefunden, dass ich nach ganz bestimmten Produkten Migräne bekomme, dass bei ganz bestimmten Restaurants mein Magen durchdreht. Mir war nur noch zum Heulen, ich habe mich so elendig gefühlt.
  • Kayekari
    Montag, 28.11.2011, 15:51 Uhr
    Es gibt noch viel mehr Unverträglichkeiten, die auch gar nicht mal so wenige betreffen. Ich finde auch, dass der Bericht ziemlich "lieblos" dahingeklatscht wurde. Es gibt auch noch die Weizenallergie, von der sehr viele Menschen betroffen sind. Es gibt auch die Casein-Allergie, wo laktosefreie Produkte überhaupt nicht vertragen werden, da man gegen das Milcheiweiß Casein allergisch ist. Das heißt: Überhaupt keine Milchprodukte mehr bzw. kann man ausprobieren, was man noch verträgt. Da ist eben nicht der Milchzucker das Problem. Und nicht zu vergessen: Die Vollei-Allergie. Ist auch häufiger. All diese Allergien können problemlos über einen Bluttest gecheckt werden. Ich finde es seltsam, dass man nicht dazu übergeht, dass diese Tests zum Standard werden. Denn man bekommt ja mittlerweile fast immer Blut abgenommen. Und wenn diese Allergien mal ernster genommen werden, passiert vielleicht auch mehr in der Industrie, wenn eben 15% der Deutschen kein Weizen mehr vertragen. Das kann nicht so sang- und klanglos an denen vorbeigehen ;)
  • kathal
    Montag, 28.11.2011, 15:31 Uhr
    Ich kann nur Jedem aus Erfahrung raten auf "Industriescheiße" zu verzichten. Ich würde am Liebsten die Industrie verklagen. Ich bin mir sicher, dass ich meine Allergien von diesen Fertigprodukten & Co habe. Seit dem ich auf solche Nahrungsmittel GANZ verzichte, geht es mir wesentlich besser. Keine Magen-Darmbeschwerden mehr, keine Migräne mehr, keine Müdigkeit mehr. Ich habe auch schon vorher gesund gekocht mit frischen Zutaten, habe aber auch Zwischendurch mal beim Asiaten bestellt oder Maggi fix verwendet. Ich hätte nie gedacht, dass diese ganzen Inhaltsstoffe so krank machen. Am Besten auf dem Wochenmarkt Saisonprodukte kaufen, Euer Körper wird es Euch danken. Ich habe sogar das Gefühl, dass meine Allergien zurück gegangen ist. Es wird sowieso nie Jemand zugeben, dass diese Stoffe krank machen, weil wir dann alle Industrie verklagen könnten.
  • zoesnonna
    Samstag, 26.11.2011, 08:23 Uhr
    Hallo, über diese Unverträglichkeiten wird schon viel berichtet - aber ich vertrage BUTTER nicht! Da bin ich ein seltenes Exemplar, weil ich ja Joghurt, Quark,Käse, sogar Sahne im Essen haben kann - also keine Laktose-Unverträglichkeit. Schokolade geht leider auch nicht. Überall muss man nach dem Fett fragen - die gute Butter ist ja bei den Köchen sooooo beliebt!
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