Das Dickmacher-Gen
Extrem dicke Menschen haben oft große Schwierigkeiten mit dem Abnehmen. Jetzt haben Forscher herausgefunden: Ein einzelnes Gen bewirkt, dass manche Menschen nicht mehr zu essen aufhören können
Der Kampf gegen überflüssige Kilos treibt viele Betroffene zur Verzweiflung. Den meisten fällt es schwer, ihre Essgewohnheiten langfristig umzustellen. Oft bleibt es bei einem kurzen Gewichtsverlust - gefolgt von großem Frust, wenn die Pfunde nach ein paar Wochen umso hartnäckiger auf Hüften und Oberschenkel zurückkehren.
Nicht immer ist aber mangelnde Willensstärke schuld an dem Problem. Die Ursache für unkontrolliertes Essen könnte auch an einem Gendefekt liegen, wie US-amerikanische Physiologen der Georgetown Universität in Versuchen an Mäusen herausgefunden haben. Aus den Ergebnissen ließe sich möglicherweise eine Therapie entwickeln, die extreme Fettleibigkeit wirksam behandeln könnte.
Nachrichtensperre im Gehirn
Normalerweise regulieren bestimmte Hormone das Gefühl, hungrig oder satt zu sein. Nach dem Essen schüttet der Körper Leptin und Insulin aus. Beide Stoffe regen die Nervenzellfortsätze (Dendriten) im Gehirn an, ein bestimmtes Eiweiß zu bilden. Das Protein BDNF (engl. für brain derived neurotrophic factor) fungiert quasi als Postbote, der die Nachricht ‚Ich bin satt!' an den Hypothalamus weiterleitet. Dieses Gehirnareal ist das wichtigste Steuerzentrum des vegetativen Nervensystems. Es startet unter anderem den Prozess, der den Appetit unterdrückt und so die weitere Nahrungsaufnahme stoppt.
Wie das Team um Baoji Xu jetzt feststellte, kommt das Signal ‚Ich bin satt!' ohne BDNF aber nicht an. "Ist das BDNF-Gen fehlerhaft, können die Nervenzellen nicht miteinander kommunizieren. Das von Leptin und Insulin ausgesandte Signal wird nutzlos", erklärt Studienleiter Xu. Die Folge: Der Betroffene hat einen schier unstillbaren Appetit und isst einfach immer weiter. "Das ist der erste Nachweis dafür, dass Dendriten Proteine bilden, die für die Gewichtskontrolle eine Rolle spielen", so Xu.
Fehlerhafte Nervenzellen, extremes Übergewicht
In früheren Untersuchungen an Mäusen konnte Xu bereits zeigen, dass BDNF wichtig für die Bildung und Reifung der Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen (Synapsen) ist. War die dazugehörige Erbinformation - also das BDNF-Gen - fehlerhaft, produzierten die Nervenzellen sehr viele unreife Synapsen. Das führte zu Lern- und Gedächtnisproblemen bei den Tieren. Zudem zeigte sich, dass Nager mit defektem BDNF-Gen zu exzessivem Übergewicht neigten.
Doch nicht nur bei Nagern ist BDNF wichtig für die Gewichtskontrolle. Andere Studien, die das Erbgut sehr vieler Menschen durchforsteten, kamen zu einem ähnlichen Ergebnis: Bestimmte Varianten des BDNF-Gens standen demnach ebenfalls im Zusammenhang mit Fettleibigkeit bei den Betroffenen.
Gentherapie oder Medikamente
"Die Frage ist nun, ob sich der Gendefekt und seine fatalen Auswirkungen irgendwie beheben lassen", sagt Xu. Die Entdeckung, wie genau BDNF den Appetit kontrolliert, eröffnet nämlich eine Reihe von Möglichkeiten, um gegen Adipositas vorzugehen - zumindest für jene Betroffenen, die Träger der BDNF-Genvariante sind.
Zum einen könnte eine Gentherapie mithilfe spezieller Viren das fehlerhafte Erbgut reparieren. Die Schwierigkeit dabei ist allerdings, dass die Viren die Blut-Hirn-Schranke im Gehirn nicht so leicht durchdringen können. "Die einfachere Strategie ist es wahrscheinlich, ein Medikament zu finden, das die Bildung von BDNF im Hypothalamus anregt", sagt Xu. Das allerdings könnte noch einige Jahre dauern.
Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von NetDoktor.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
Quelle: Quelle: Xu B et al. Dendritically targeted Bdnf mRNA is essential for energy balance and response to leptin. Nature Medicine, 2012; DOI: 10.1038/nm.2687
15 Meinungen zu "Dickmacher-Gen schuld an allem"
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putzfee2007
Mittwoch, 28.03.2012, 12:34 Uhr Super Leute, haut ruhig mal um Euch. Wer das richtig liest und sich damit auch befasst, weiss was es damit auf sich hat. Sogar meine Hausarzt hat sich damit befasst und ich weiss was ich tun muss um abzunehmen und dünner zu werden, aber ich weiß auch dass ich nie mal Idealgewicht erreichen werde auch mit einer Superdiät nicht. Aber was sol ich erklären... haut ruhig weiter drauf..... -
KugelXYZ
Donnerstag, 22.03.2012, 16:00 Uhr DAS DICKMACHER-GEN ? ? ? Was für ein horrender Schwachsinn! Ich glaub, mein Schwein pfeift (hat sich wohl an nem Burger verschluckt. Na ja, is sowieso zu fett. Hat eindeutig das falsche Gen). -
lenaisabel
Donnerstag, 22.03.2012, 14:33 Uhr Was für ein Quatsch mal wieder - wenn man abnehmen möchte braucht man ja nicht essen bis das Satt-Signal aufkommt, sondern kann schon vorher aufhören oder einfach mal eine Mahlzeit ausfallen lassen oder sogar fasten. Die wenigsten Hungergefühle kommen auf wenn man fastet, nur so als Tipp. Für mich klingt das mal wieder nur nach einer Ausrede, man muss sich ja nicht satt essen. Kein Normalgewichtiger isst sich satt und lässt auch mal Mahlzeiten ausfallen. -
explosion
Donnerstag, 22.03.2012, 11:42 Uhr Ganz genau, Jenska. Da kann ich dir nur zustimmen. Aber als Ausrede für all die, die sich mit Nichts beschäftigen wollen, doch wieder mal eine super Ausrede. Keiner kommt mit übersteigertem Appetit auf die Welt... -
Jenska
Donnerstag, 22.03.2012, 10:08 Uhr Es mag vielleicht einen kleinen Teil der "fülligen" Menschen geben, bei denen Tatsächlich die Gene für "gesteigerterten" Appetit verantwortlich sind. Aber eins bleibt immer gleich man nimmt dann zu egal was man isst, wenn man mehr Kalorien zu sich nimmt als man Verbraucht. Und umgekehrt nimmt man ab wenn man weniger Kalorien zu sich nimmt als der Körper benötigt. Also ob Dickmacher-Gen oder nicht, wer viele Kalorien zu sich nimmt, der muss halt viel Verbrauchen um nicht Fett zu werden. und @leseratte83 ob auf Montage, während Arbeitslosigkeit oder bei Einsamkeit eines geht immer, sportschuhe anziehen, rausgehen und bewegen. So wird nebenbei auch noch die Einsamkeit bekämpft denn draussen trifft man Leute nicht daheim.
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