Gefährliche Verpackung: Mineralölfund in Reis, Gries und Backmischungen
Die Studie "Ausmaß der Migration unerwünschter Stoffe aus Verpackungsmaterialien aus Altpapier in Lebensmitteln" könnte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner noch in Erklärungsnot bringen. Sie belegt, dass die Gesundheitsgefahren durch Lebensmittelverpackungen aus Altpapier weitaus größer sind, als bisher bekannt. Das teilt die Organisation "Foodwatch" auf ihrer Internetseite mit.
Erst vor wenigen Tagen hatte "Stiftung Warentest" auf gefährliche Mineralölrückstände in Adventskalendern hingewiesen. Die betroffenen Unternehmen reagierten umgehend und hatten ihre Produkte zur Untersuchung in Labors geschickt. Die nun bekannt gewordene Studie, die bereits im Mai abgeschlossen wurde, belegt aber, dass solche Funde wohl nur die Spitze des Eisberges sind.
Wissenschaftler identifizierten in der Untersuchung, neben Mineralöl, mehr als 250 andere Substanzen, die aus den Recycling-Kartons in Lebensmittel übergehen können, darunter krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Klebstoffe und Weichmacher. Betroffen sind dabei nicht nur Adventskalender sondern alltägliche Lebensmittel wie Reis, Gries, Backmischungen oder Frühstückscerealien. Viele Stoffe konnten zudem noch nicht bestimmt und auf ihre Risiken hin überprüft werden, heißt es in dem Bericht weiter.
Die Studie belege auch, dass der von der Bundesverbraucherministerin erwogene Grenzwert für Mineralöl in Verpackungen für den Gesundheitsschutz der Verbraucher nicht ausreiche, wie der stellvertretende "Foodwatch"-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt kritisiert: "Die Ministerin doktert an einer Höchstgrenze für Mineralölbestandteile herum und hält gleichzeitig eine Studie unter Verschluss, die zu einem eindeutigen Ergebnis kommt: In der derzeitigen Form sind Recyclingkartons für Lebensmittel wegen einer Belastung mit einer dreistelligen Zahl von Substanzen schlicht ungeeignet."
Die Organisation fordert deswegen eine gesetzlich verordnete Trennschicht für Recycling-Verpackungen, um den Übergang gefährlicher Stoffe in die Nahrungsmittel zu verhindern. Auch die vom Ministerium beauftragen Forscher kommen in ihrer Abschluss-Betrachtung zu diesem Ergebnis: "Die Einführung einer Barriereschicht für Verpackungen mit Recyclingkarton erscheint unverzichtbar."
118 Meinungen zu "Öl-Fund auch in Reis und Gries"
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bujo
Mittwoch, 05.12.2012, 11:08 Uhr Ich warne ganz eindringlich davor bestimmte Produkte zu untersuchen, nicht dass dort auch noch Öl gefunden wird. Das sind Nüsse, Raps, Oliven, Sesam, Mandeln, Palmprodukte u.v.m. Jetzt aber im Ernst: Es muss heute immer billiger produziert werden. Dabei denken die Hersteller aber nicht etwa an den Endkunden, sondern nur daran, dass der Geldhunger der Bosse und Aktionäre gestillt werden kann. Kürzlich kam in der Glotze wieder eine Bericht: Wenn ein T-Shirt bei uns um 11 ct teurer wäre, so könnte man den Näherinnen in Bangladesh den doppelten Lohn bezahlen. Den Preis erhöhen werden die liebend gerne, aber dass etwas davon bei den Näherinnen ankommt glaube ich im Leben nicht. -
Fridozzge
Mittwoch, 05.12.2012, 10:50 Uhr "Mineralölfund in Reis, Gries und Backmischungen" ---------------------------------------------- Und da behaupte noch einer es gebe den Klimawandel oder dass der Welt demnächst das Öl ausginge. Alles Lüge wie man hier sieht. Überall wird wieder Öl gefunden, selbst an Quellen wo man es nie gedacht hätte. -
emmahill
Dienstag, 04.12.2012, 17:52 Uhr Für die Herstellung von Verpackungen aus Fasermaterial wird sowohl Frischfaser- als auch Recyclingkarton eingesetzt. Der größte Teil der Faltschachteln, auch die für Lebensmittel, wird im Offset-Druckverfahren bedruckt. Die normalerweise eingesetzten Offset-Druckfarben enthalten Mineralölanteile. Für Lebensmittelverpackungen gibt es mineralölfreie Druckfarben. Recyclingkarton enthält somit zwangsläufig Mineralölanteile, da die Verpackungen in der Altpapiersammlung nicht nach den eingesetzten Druckfarben getrennt werden können. Schon deshalb sollten Lebensmittel, bis auf geringe Ausnahmen, grundsätzlich nicht in Direktkontakt mit Recyclingkarton kommen. Für den direkten Kontakt des Packgutes Lebensmittel gibt es verschiedene sichere und geeignete Barrieremöglichkeiten, die eine Migration von lebensmittelfremden Stoffen in das Packgut ausschließen. Bei Direktkontakt sollte möglichst Frischfaserkarton eingesetzt werden, allerdings nur bei nicht fettenden Lebensmitteln. Hier ist ebenfalls eine Barriere notwendig. Im vorliegenden Fall der Diskussion „Adventkalender“ kommen jedoch noch andere Kontaktmöglichkeiten in Betracht. Die eingefüllten Schoko-Formteile sind z. B. in direktem Kontakt mit der Formfolie aus Kunststoff, deren Herkunft dem Endkunden, wie so vieles Andere, nicht bekannt ist. Das Szenario könnte also durchaus auch so sein, dass der gesamte Kalender, inklusive der Folieneinschweißung, aus Kostengründen in Asien hergestellt wurde, mit den uns bekannten unliebsamen Begleiterscheinungen. Bevor also Recyclingkarton in Bausch und Bogen verdammt wird müssen wir wissen, wer die Kalender in welcher Aufmachung bei wem bestellt hat und wie sie letztendlich geliefert worden sind. Erst dann können wir darüber weiter diskutieren. -
sieheoben
Dienstag, 04.12.2012, 17:11 Uhr Da versuchste dich gesund zu ernähren, und dann so ein Schweinkram mit der Verpackung. -
sachmawas
Dienstag, 04.12.2012, 16:58 Uhr @8Lu3 wenn ein Verpackungshersteller für ein fetthaltiges Produkt herstellt, dann muss er auch fetthaltig prüfen. Bzw. der Hersteller muss die Prüfung machen, ob die Verpackung zu seinem Produkt passt. Ich bin auch erstaunt, dass der Empfehlung des BfR - bei Recycling eine Kunststoffverpackung zwischenschalten (verkürzt wiedergegeben) - nicht eingehalten wird...
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