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19.02.2013, 14:55 Uhr

Pferdefleisch-Skandal: Wie können sich Verbraucher schützen?

2010 wird mit Dioxin verseuchtes Bio-Futtermittel in elf Bundesländer geliefert. 2011 sterben rund 40 Menschen durch mit Ehec kontaminierte Sprossen. 2012 finden Kontrolleure Mäusekot in der Fabrik von Müller-Brot. Mit dem europaweiten Pferdefleisch-Skandal wird auch 2013 deutlich: Im jährlichen Rhythmus werden Verbraucher von Lebensmittelskandalen heimgesucht. Einen ausreichenden Schutz vor kriminellen Machenschaften in der Lebensmittelindustrie scheint es nicht zu geben. Das räumen auch staatliche Stellen ein. Was können Verbraucher selbst tun?

Von WEB.DE Redakteurin Silke Stadler

Der Pferdefleisch-Skandal sorgt europaweit für Empörung und auch deutsche Verbraucher bleiben nicht verschont: In dutzenden Produkten wurden mittlerweile Anteile von Pferdefleisch nachgewiesen.

Staatliche Kontrollen allein reichen offenbar nicht aus, um uns vor Täuschung und Betrug bei Lebensmitteln zu bewahren. Auch Nina Banspach, Pressesprecherin beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), räumt auf Anfrage ein: "Wenn jemand Gesetze brechen möchte, tut er es."

Eine Gesundheitsgefährdung bestehe derzeit zwar nicht, doch es handele sich beim Pferdefleischskandal um eine Verbrauchertäuschung. Für Konsumenten sei es ganz schwierig, sich zu schützen, gibt Banspach zu.

Lässt sich falsch deklariertes Fleisch erkennen?

Pferdefleisch ist rot bis dunkelrot und schmeckt leicht süßlich. Anhand dieser Kriterien zu erkennen, ob es sich beim angeblichen Rindfleisch in Wahrheit um Pferdefleisch handelt, sei bei Fertigprodukten aber unmöglich, sagt Banspach. Im vorliegenden Fall könne man die Fleischsorte erst recht nicht ausmachen, weil die Produkte eine Mischung aus Pferdefleisch und Rindfleisch beinhalten.

Sollte man Fertigprodukte meiden?

Sobald Fleisch in einem Lebensmittel verarbeitet wird, entfällt für Hersteller die Pflicht, die Herkunft des Fleisches anzugeben. Für den Verbraucher ist bei Fertiggerichten wie Tiefkühllasagnen und ähnlichem daher nicht ersichtlich, woher das Fleisch stammt, das er verzehrt.

Christiane Manthey, Abteilungsleiterin Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, findet es notwendig, eine Herkunftsangabe einzuführen. Aber auch diese stelle keine Garantie gegen kriminelle Machenschaften dar: "Wenn man die Herkunft verschleiern will, dann kann man auch dabei täuschen." Generell wäre eine Herkunftsangabe für verarbeitetes Fleisch jedoch sinnvoll, um dem Verbraucher transparenter zu machen, welchen Weg die Rohstoffe eines Lebensmittels genommen haben.

Auf Fertigprodukte zu verzichten hält Christiane Manthey nicht für erforderlich: "Die Verbraucher erwarten Produkte, die den Gesetzen gemäß produziert worden sind. Darauf muss er sich verlassen können." 

Ist man mit Bio-Produkten auf der sicheren Seite?

Biologisch produzierte Lebensmittel unterliegen zusätzlichen Kontrollen, die in der EU-Bio-Verordnung formuliert sind. Erst, wenn Produkte diese Richtlinien erfüllen, dürfen sie sich "Bio" nennen und erhalten das entsprechende Siegel.

Doch auch in der ökologischen Lebensmittelwirtschaft gab es in der Vergangenheit Betrugsfälle, zum Beispiel den Dioxin-Skandal. Einen garantierten Schutz bietet das Bio-Siegel also ebenfalls nicht. Dr. Alexander Gerber, Geschäftsführer des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) räumt ein: "Wir haben in allen Wirtschaftsbereichen schwarze Schafe. Und natürlich gibt es auch Leute mit krimineller Energie, die versuchen, mit Bio-Betrug mehr Geld zu verdienen." Generell funktioniere das Kontrollsystem aber gut: Berechnungen hätten ergeben, dass der Umsatz, der mit Betrugsfällen in der Biobranche maximal gemacht wurde, bei unter 0,5 Prozent liege. "Diese Zahl ist nicht tolerierbar, aber sie ist wahrscheinlich auch nicht vermeidbar", sagt Gerber.

Christiane Manthey von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht keinen Unterschied zwischen dem konventionellen und dem Biobereich, wenn es um Kontrollen geht. Bei beiden Arten der Erzeugung sei die staatliche Lebensmittelüberwachung gefordert: "Das Lebensmittelrecht ist eindeutig und sieht einen Täuschungsschutz vor. Das ist auch unabhängig davon, wie teuer Lebensmittel sind. Der Preis sagt wenig über die Qualität aus."

Beim BÖLW sieht man das anders: Im Unterschied zum konventionellen Bereich, wo lediglich stichprobenartig kontrolliert und überwacht werde, würden alle Bio-Unternehmen mindestens einmal pro Jahr kontrolliert, unter Umständen sogar noch öfter.

Sind weitere Produkte verdächtig?

In Deutschland wurde Pferdefleisch mittlerweile in Dutzenden Produkten verschiedener Supermarktketten nachgewiesen, darunter zum Beispiel Tiefkühllasagne, Ravioli und Tortelloni. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Produkte mit verarbeitetem Fleisch betroffen sind. Nina Banspach vom BVL empfiehlt, abzuwarten und verdächtige Lebensmittel im Gefrierfach aufzubewahren, bis Tests offenlegen, um welche Produkte es sich genau handelt.

Werden Lebensmittel künftig sicherer?

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht Verbesserungsbedarf, was die bundesweite Zusammenarbeit angeht. Der Vollzug der Lebensmittelüberwachung sei derzeit Ländersache, eine zentrale Stelle wäre jedoch von Vorteil.

Dennoch gibt es für Verbraucher keinen Grund, sich um die allgemeine Lebensmittelsicherheit zu sorgen: "Man kann nicht sagen, dass wir schlechte Lebensmittel auf dem Markt haben. Die Überwachung ist besser geworden, wir haben mittlerweile ein Schnellwarnsystem für Lebensmittel, das sich bewährt hat", erklärt Christiane Manthey.

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