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23.04.2013, 17:25 Uhr

Weißbier, Helles und Pils: Hat traditionelles Bier noch Zukunft?

Hopfen und Malz, Gott erhalt’s. Doch das traditionsreiche Getränk Bier hat Jahr für Jahr mit immer niedrigeren Absatzzahlen zu kämpfen. 2012 sank der Gesamtumsatz deutscher Brauereien sogar auf den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Anlässlich des Tags des Deutschen Bieres am 23. April beschäftigen wir uns mit der Frage, ob das Bier in seiner ursprünglichen Form überhaupt noch eine Zukunft hat.

Von WEB.DE Redaktionsmitglied Andreas Maciejewski

Das deutsche Bier befindet sich in einer Krise. In Deutschland haben die Brauereien 2012 laut offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamts 96,5 Millionen Hektoliter Bier ausgestoßen, das sind 1,8 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Der Negativtrend hält bereits seit 2006 an. Auch der Pro-Kopf-Verbrauch ging in Deutschland in den letzten 20 Jahren um rund 25 Prozent auf 105,4 Liter zurück. Wie können die deutschen Brauereien diesem Negativtrend entgegenwirken?

"Das Konsumverhalten ändert sich. Wir müssen auf die Menschen zugehen", sagt Marc-Oliver Huhnholz, Pressesprecher des Deutschen Brauer-Bunds. Die Brauereien müssten den Konsumenten "mehr abholen". Bier müsse besser vermarktet werden – so wie Wein. "In Gastronomien sind zwei Seiten der Menükarten voll mit verschiedenen Weinen, während das Bier vom Fass in einer Ecke der Karte fast untergeht", sagt Huhnholz.

Lösen Biermischgetränke traditionelle Biere ab?

In den letzten Jahren wurden Biermischgetränke immer beliebter. 2012 stellten diese mit 4,3 Millionen Hektoliter zwar nur 4,5 Prozent des Gesamtabsatzes von Bieren in Deutschland, in den letzten 15 Jahren hat sich die Nachfrage nach Biermischgetränken aber vervierfacht. Vor allem große Brauereien springen auf diesen Trend auf. Huhnholz vom Deutschen Brauer-Bund sieht die Mixgetränke aber nicht als Gefahr an, lediglich als "sinnvolle Erweiterung" des Bier-Sortiments: "Diese werden aber niemals die Zehn-Prozent-Marke erreichen, da müsste schon viel passieren."

Dr. Werner Gloßner, Hauptgeschäftsführer des Verbands Privater Brauereien in Bayern, unterteilt die Biermischgetränke in zwei Sorten: die "klassischen" wie Radler und Russe und die "exotischen", die beispielsweise mit Cola und Koffein versetzt werden. "Die Klassischen haben in den letzten Jahren ein stabiles Wachstum hingelegt, die Exotischen werden durch Werbung gepusht", meint Dr. Gloßner. Sollten diese "exotischen" Biermischgetränke nicht mehr so stark beworben werden, würde auch deren Absatzzahl wieder sinken.

Großkonzerne verdrängen Privatbrauereien

Biermischgetränke sind also keine Konkurrenz für die traditionellen Biersorten, sondern eine "nette Ergänzung". Großkonzerne würden die kleinen Privatbrauereien aber vor schwierigere Aufgaben stellen. "73 Prozent der verkauften Biere von Großkonzernen sind auf Preisaktionen zurückzuführen", sagt Dr. Gloßner. Der Preis spiele neben der Qualität und der Regionalität eine wichtige Rolle. Mit den Dumping-Preisen von Großkonzernen könnten Familienbetriebe aber nicht mithalten. So kommt es dazu, dass immer mehr Privatbrauereien ihren Betrieb einstellen müssen.

Außerdem will der Konsument heutzutage mehr Informationen über das Bier: Wie wird es gebraut? Wo ist der Hopfen her? Ist es ein regionales Bier? Die Brauereien sind nun in der Pflicht, diese Fragen der Kunden zu beantworten. Vor allem kleinere, private Brauereien bemühen sich um größere Transparenz – mit Erfolg. "Ich stelle derzeit eine gewisse Renaissance der regionalen Brauereien fest", sagt Dr. Gloßner vom Verband Privater Brauereien in Bayern, "wer seine Hausaufgaben macht und dem Verbraucher seine regionale Verankerung vermitteln kann, ist auf einem guten Weg."

Älteste Brauerei der Welt folgt dem Trend

Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan in Freising ist die älteste Brauerei der Welt und braut hauptsächlich Weißbier. Sie wurde im Jahr 1040 gegründet, setzt auf Tradition und das Reinheitsgebot. Demnach soll Bier nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser enthalten. Weihenstephan vertreibt zwölf verschiedene Biersorten, sogenannte "exotische" Biermischgetränke befanden sich bisher nicht im Sortiment der Brauerei.

Der Trend weg von den traditionellen Biersorten und hin zu außergewöhnlichen Sorten geht auch an der ältesten Brauerei der Welt nicht spurlos vorbei. Weihenstephan brachte vor kurzem zusätzlich zu den zwölf Biersorten ein neues Bier namens "Infinium" auf den Markt. Dabei handelt es sich um ein Starkbier mit sektähnlichem Geschmack, das aber nach dem Reinheitsgebot gebraut wurde. "Das Gebot schränkt uns nicht ein, es bietet sogar sehr viel Spielraum für Kreativität", erklärt der erste Braumeister von Weihenstephan, Mario Schäfer.

Bier bleibt "Alltagsgetränk"

Ihren Optimismus haben die Brauereiverbände trotz stetig sinkender Absatzzahlen nicht verloren. Traditionelle Biersorten bleiben weiterhin "Kernsegment" der Brauereien, meint Huhnholz vom Deutschen Brauer-Bund. Auch Dr. Gloßner vom Verband Privater Brauereien in Bayern pflichtet bei: "Bier ist nach wie vor Alltagsgetränk in Deutschland." Also doch: Hopfen und Malz, Gott erhalt's - komme was wolle.

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