Wiesbaden (dpa) - Viele der sogenannten Senioren sind auch im Rentenalter noch erwerbstätig, engagieren sich ehrenamtlich oder bilden sich weiter. Außerdem wollen die über 65-Jährigen so lange wie möglich in ihrer Wohnung bleiben. Die Zahl der Rentnerhaushalte steigt ständig. Ein Überblick:

Wohnen: In fast jedem dritten der 40,2 Millionen Haushalte in Deutschland lebt mindestens ein Rentner. Dabei wohnen die über 65-Jährigen meist als Paar zusammen oder allein. Die meisten Älteren wollen Fachleuten zufolge möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden bleiben oder etwa aus dem Reihenhaus am Stadtrand in eine kleinere, zentral gelegene, bezahlbare Wohnung umziehen. Nach Einschätzung des Sozialverbands VdK fehlen derzeit aber rund 2,7 Millionen altersgerechte Wohnungen. Bis 2030 werde die Lücke voraussichtlich 3 Millionen betragen. Der Investitionsbedarf dafür wird auf bis zu 50 Milliarden Euro geschätzt, wie es beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung heißt.

Vier Senioren haben auf einer Bank eine Pause eingelegt.

Erwerbstätigkeit: Immer mehr Menschen arbeiten noch im Alter: 966 000 über 65-Jährige waren dem Statistischen Bundesamt zufolge 2014 berufstätig. Das waren mehr als dreimal so viele wie 1991 (320 000) und 70 000 mehr als 2013. "Ein wichtiger Grund, im Ruhestand weiterzuarbeiten, ist die Vermeidung drohender Altersarmut", heißt es in einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) von 2013. Fast jeder vierte Ruheständler geht demnach einer Erwerbstätigkeit nach, darunter deutlich mehr Männer als Frauen. Die meisten Rentner arbeiten zwischen fünf und zehn Stunden in der Woche.

Familienarbeit und Ehrenamt: Rund 44 Prozent der 55- bis 70-Jährigen kümmern sich der BiB-Studie zufolge um die Betreuung von Kindern, Enkelkindern oder Pflege zu Hause. Dies gilt besonders für die Frauen dieser Altersgruppe. Ehrenamtliche Tätigkeiten übernehmen 45 Prozent der rund 5000 Befragten. Dabei sind die Männer etwas stärker vertreten. Je nach Intensität machen manche auch beides: Familienarbeit und Ehrenamt. Spaß und Soziales stehen beim Ehrenamt als Motivation im Vordergrund, das meiste Engagement spielt sich in Vereinen ab. Zu wenig Zeit und gesundheitliche Probleme sind die wesentlichen Gründe, damit aufzuhören.

Studium: Manchen zieht es im Rentenalter auch in den Hörsaal. Jeder zweite Gasthörer an deutschen Hochschulen ist den Statistikern zufolge mindestens 60 Jahr alt. Etwa 14 300 hatten ihren 65. Geburtstag im Wintersemester 2014/15 schon hinter sich. Das beliebteste Fach war Geschichte, gefolgt von Philosophie und Wirtschaftswissenschaften. Gasthörer können auch ohne Hochschulreife die Vorlesungen besuchen, aber keine Abschlussprüfung ablegen. Die Zahl der ordentlichen Studenten im Rentenalter betrug 2336. Der älteste war bereits 96 Jahre alt.

Bücher: Ältere Menschen lesen auch häufig. 41 Prozent der 60- bis 69-Jährigen nutzen mehrmals in der Woche ein Buch. Bei den mindestens 70-Jährigen sind es 42 Prozent. In allen anderen Altersgruppen schauen weniger mehrfach in der Woche in ein Buch, wie aus einer Erhebung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels hervorgeht. Beim Kauf gedruckter Bücher und Hörbücher haben die Betagteren aber nicht die Nase vorn.

Schlaglichter zum letzten Lebensdrittel

Nicht immer reicht das Geld im Alter aus. Manche müssen und wollen länger arbeiten.

Rentner: Ende 2014 bezogen laut Deutscher Rentenversicherung 17,85 Millionen Menschen eine Altersrente. Wer 45 Jahre lang das Durchschnittsentgelt verdiente, bekam im Juli 2015 in den alten Bundesländern eine Standardrente von 1314,45 Euro. In den neuen Ländern waren es 1217,25 Euro.

Best Anger: Die Werbung hat die Kaufkraft der auch "Silver Shopper" genannten Generation 50plus längst erkannt. Häufig unterstützen ältere Models mit grauen Haaren und Falten im Gesicht die Vermarktung von Produkten. Auf der von Jahr zu Jahr größer werdenden Messe "Die 66" in München präsentierten 2015 fast 500 Aussteller den rund 47 000 Besucher ein breites Spektrum zum "50plus-Markt".

Alterarmut: 15,4 Prozent der Deutschen galten 2014 als arm. Laut EU-Definition sind das Menschen, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen müssen - in Deutschland 917 Euro pro Monat für einen Einpersonenhaushalt. Mit 15,6 Prozent lag die Armutsgefährdungsquote unter Rentnern 2014 erstmals über der Durchschnittsquote. Seit 2006 erhöhte sich das Armutsrisiko von Senioren um 48 Prozent.

Seniorengewalt: Ob Totschlag, Körperverletzung oder Raub - nur gut sechs Prozent der 2014 an Erwachsenen über 21 verübten Gewalttaten trafen laut Polizeilicher Kriminalstatistik Menschen, die 60 Jahre oder älter sind. Werden Senioren zu Gewaltopfern, dann meist im Umfeld der häuslichen oder stationären Pflege. Laut Polizei müssen sich Ältere vor allem vor Betrügereien an der Haustür sowie vor Trick- und Taschendiebstahl in Acht nehmen.

Alterdemenz: In Deutschland sind bis zu 1,6 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. Jährlich treten mehr als 300 000 Neuerkrankungen auf. Infolge der demografischen Veränderungen nimmt die Zahl der Demenzkranken kontinuierlich zu. Ohne einen Durchbruch in Prävention und Therapie wird sich nach Vorausberechnungen der Bevölkerungsentwicklung die Krankenzahl bis 2050 auf drei Millionen erhöhen.© dpa