Müssen die Deutschen bei Süßigkeiten und Säften künftig tiefer in die Tasche greifen? Die Deutsche Allianz gegen Nichtübertragbare Krankheiten (NCD-Allianz) sagt Diabetes, Übergewicht und Co. den Kampf an. Sie fordert seit langem eine "Fettsteuer" für ungesunde Lebensmittel und ist jetzt zu allem entschlossen.

Experte verrät, wie die Industrie Fettleibigkeit fördert.

Millionen Menschen leiden in Deutschland an Übergewicht - die Hälfte der Erwachsenen und 15 Prozent der Drei- bis Siebenjährigen sind betroffen. Bei einem Viertel der Erwachsenen und sechs Prozent der Kinder kann bereits von akuter Fettleibigkeit gesprochen werden. Es gibt bei uns mittlerweile sechs Millionen Diabeteskranke, wobei die Zahl jedes Jahr drastisch steigt, und der Herzinfarkt steht bei den Todesursachen an erster Stelle. Die Lage wird ernst. Wegen der erschreckenden Krankheitszahlen spricht die NCD-Allianz, zu der insgesamt elf medizinische Fachgesellschaften und Forschungsorganisationen zählen, von einem "Tsunami der chronischen Krankheiten". "Es gibt hunderte von Präventionsangeboten in Deutschland", erklärt Dietrich Garlichs, Sprecher der Allianz. Appelle an die Vernunft des Einzelnen seien allerdings bisher gescheitert.

Die Einführung einer Fettsteuer

Der Weg in ein gesundes Deutschland führt nach der NCD-Allianz also nur noch über eine Fett- und Zuckersteuer. Lebensmittel, die einen bestimmten Anteil an Fett (20 Prozent), Zucker (12 Prozent) oder Salz (1,5 Prozent) überschreiten, sollen um mindestens 20 Prozent teurer werden. Dazu zählen zum Beispiel Fertigprodukte wie Tiefkühlpizzen und Süßigkeiten, aber auch Limonaden und Säfte. Im Ausgleich bleiben gesunde Lebensmittel wie Vollmilch, Gemüse oder Obst für den Verbraucher günstig. Mit diesem Prinzip werden die gesunden Waren für den Käufer attraktiver.

Diese Risikofaktoren entscheiden über den Ausbruch von Typ 2.

In Ländern wie Ungarn oder Frankreich, die eine solche Steuer bereits integriert haben, zeigt sie eine positive Wirkung auf das Einkaufverhalten der Einwohner. Wie die NCD-Allianz in ihren Strategiepapieren vorstellte, konnte in Dänemark durch eine Steuererhöhung um 25 Prozent auf Süßwaren der Genuss fetthaltiger Produkte um 10 bis 20 Prozent gesenkt werden. Dasselbe Phänomen konnte bei der Einführung der Tabaksteuer vor einigen Jahren beobachtet werden. Der Anteil der rauchenden Jugendlichen halbierte sich in den vergangenen zehn Jahren. Allerdings ist die Einführung einer Fettsteuer heikel, da viele Bundestagsabgeordneten das Thema meiden. "Nun müssen die Verantwortlichen endlich handeln!", fordert Garlichs jetzt.

Das Vier-Punkte-Programm

Neben der Fettsteuer stellten Prominente wie der Comedian Eckart von Hirschhausen und der Olympiasieger Matthias Steiner mit Experten der NCD-Allianz noch drei weitere Punkte vor: Sie fordern täglich mindestens eine Stunde Bewegung in Kitas und Schulen, da der Lebensstil bereits in jungen Jahren geprägt werde. Außerdem seien Qualitätsstandards für Kita- und Schulverpflegung sowie ein Verbot von Lebensmittelwerbungen an Kinder für die Gesundheit der Heranwachsenden unbedingt notwendig, erklärt Garlichs. "Wir müssen einen gesunden Lebensstil fördern", fordert die Allianz.