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29.08.2012, 10:49 Uhr

Von der Rolle

Kreischbunte Klebestreifen in Rosa oder Türkis -​ nicht nur bei den Olympischen Spielen in London, sondern schon bei der Fußballeuropameisterschaft prangten sie auf Rücken, Bauch oder Schenkeln der Sportler. Der Name der elastischen Bänder lautet Kinesio-​Tapes; sie gehen auf den japanischen Chiropraktiker Kenzo Kase zurück, der sie vor 30 Jahren erfand. Vielseitige Wirkungen werden den Streifen zugeschrieben: Sie sollen Verspannungen lösen, Schmerzen lindern, die Körperwahrnehmung im Raum verbessern und dadurch die Leistung steigern. Mehrere Firmen bieten solche Produkte inzwischen an, teils mit der nicht unumstrittenen Aufforderung: "Tape dich selbst"! Was ist dran an dieser Art "Kriegsbeklebung"?

Originaltapes sind aus Baumwolle

Kase's Originaltapes sind aus Baumwolle und werden mit einem Acrylkleber an der Haut befestigt; sie können nach Herstellerangaben drei bis fünf Tage haften bleiben. Der Japaner hatte seit den 1970er-​Jahren nach etwas gesucht, das Gelenke und Muskeln unterstützen kann, diese aber bei der Bewegung nicht einschränkt. Andere Tapeverfahren waren ihm zu starr. Seine Idee: Die oberste Hautschicht von der darunterliegenden abheben, und dadurch die Durchblutung sowie den Lymphtransport im Gewebe verbessern. Die Bänder sollten ähnlich einer Massage wirken, und Kase dachte dabei an Patienten mit Schmerzen. Inzwischen sind seine Tapes auch in zugeschnittenen Varianten in den Läden der britischen Drogeriemarktkette Boots erhältlich.

Leistungsfähigkeit steigern

Laut Prof. Klaus-​Michael Braumann (Universität Hamburg) sind die Kinesio-​Tapes eine Weiterentwicklung des schon seit vielen Jahren benutzten Tapings, bei dem Gelenke durch textile Bänder stabilisiert werden sollen. "Schon länger sieht man Sportler auch mit Bandagen oder Tapeverbänden um das Sprunggelenk oder um das Knie herumlaufen. Dabei geht es weniger darum, die Gelenke mechanisch zu stützen, sondern um eine Reizung und Sensibilisierung der Hautrezeptoren des Wahrnehmungssystems." Dadurch solle die Leistungsfähigkeit gesteigert werden. Studien, beispielsweise bei Basketballspielern aus den USA, zeigten, dass das Verletzungsrisiko gesenkt werden könne.

Nicht alles wissenschaftlich belegt

Angesichts der Olympiade in ihrem Land beschäftigten sich auch britische Medien mit dem Trend. Der Sportprofessor John Brewer von der Universität in Bedfordshire äußerte sich der Zeitung "The Guardian" gegenüber skeptisch. Einige Zuschreibungen über die Wirkweise seien nicht durch die Wissenschaft belegt; Brewer plädiert deshalb für mehr Studien. In der Tat finden sich in den Datenbanken wenige bis keine aussagekräftige Studien mit einer relevant großen Teilnehmerzahl und Kontrollgruppen, was diese speziellen Tapes angeht. Brewer warnt davor, dass Menschen auch mit Verletzungen weitertrainieren könnten -​ weil sie sich durch die Tapes dazu ermutigt fühlen würden.

© Axel Springer AG

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134 Meinungen zu "Was bewirken Kinesio-Tapes?"

  • TuscanLady
    Mittwoch, 28.11.2012, 16:20 Uhr
    Kann man empfehlen zu probieren.
  • Fatima
    Sonntag, 07.10.2012, 14:19 Uhr
    Ich wäre schon froh, wenn sich das in der Altenpflege auch rumsprechen würde und die Menschen nach einem Apoplex und Hemiparesen adäquate Behandlungen erhalten - die werden kaum noch verschrieben. Da werden dann lieber Schmerzmittel verteilt, die anschließend die Nieren schädigen, um die Dialyse zu bereichern. Das nennt sich dann auch noch "wissenschaftlicher Ärzteeinsatz"im Sterbebegleitmodus.
  • ArwensAlice
    Donnerstag, 04.10.2012, 09:20 Uhr
    Ich bin von diesen Tapes mehr als begeistert. Mit 16 (vor 4 Jahren) wurde bei mir Chondropathia patellae (Erkrankung der knorpeligen Rückfläche der Kniescheibe) festgestellt. Da ich aber mit 16 kein Medikament gegen Arthrose nehmen wollte (und noch immer nicht will), hat mir mein Orthopäde die Tapes verpasst. Die Schmerzen im Knie wurden deutlich weniger und Sport war auch wieder möglich...und das alles ohne Medikamente! Die Tapes halten gut 2 Wochen und ich kriege sie je nach Bedarf. Eine weitere positive Erfahrung mit den Tapes hat eine Freundin von mir gemacht. Ihre Schmerzen aufgrund von Skoliose wurden dank der Tapes deutlich geringer.
  • Mileha
    Montag, 03.09.2012, 09:48 Uhr
    @ Misfit: Ich habe deiner Frau nicht die freie Meinung abgesprochen, sondern nur kritisiert dass sie mit dieser Aussage jedem einzelnen Therapeuten Geldgier unterstellt. BTW ich bin selbst freiberuflich tätig und verlange für das Tape keinen Cent extra. Und es gibt keinen Chef der sich daran eine goldene Nase verdient. Ich erzähle somit keinen Blödsinn sondern nur meine eigenen Praxiserfahrungen, die mir niemand in den Mund gelegt hat. Also finde ich es nicht gut das zu verallgemeinern. Dass es wissenschaftlich nicht erwiesen ist, ist mir bekannt aber es gibt auch keine aussagekräftigen Studien (anhand einer einzigen Studie kann man keine fundierte Aussage treffen) die das Gegenteil behaupten. Wenn du dir meine anderen Beiträge durchglesen hast und deine Frau vom Fach ist, wird sie sich dessen auch bewusst sein, dass es zahlreiche andere Techniken in der Physiotherapie gibt die nicht wissenscahftlich fundiert sind aber als "Das" Mittel der Wahl bei speziellen Krankheitsbildern gelten. Ich finde einfach Verallgemeinerung und Schubladendenken unüberlegt und voreilig. Dennoch würde mich interessieren ob deine Frau die Tapes selbst schon einmal angewendet hat, denn ich denke nur so kann man Erfahrungen sammeln. Ich halte es mit dem Prinzip "Was man nicht selbst ausprobiert hat, kann man nicht beurteilen" wie beim Essen "Bei Dingen die man nicht gekostet hat, kann man nicht von vorne herein sagen, dass sie einem nicht schmecken" @ sanna67 Wie schon oben erwähnt habe ich schon einiges an Beruserfahrung und eben mehr positive Erfahrungen mit dem Tapen gesammelt. Und ich denke noch immer nicht so, dass dies eine Goldquelle für mich ist. Ich bin total deiner Meinung dass in der Physiotherapie leider viel zu wenig unabhängige Forschung betrieben wird und man da einfach viel mehr nachhaken sollte.
  • sanna67
    Freitag, 31.08.2012, 14:19 Uhr
    Mileha ich denke auch, dass Kinesio-Taping nur eine weitere Einnahmequelle in der Physiotherapie ist. Vielleicht denkst Du nach einigen Berufsjahren genauso? Es ist, wie viele Therapiemöglichkeiten, nicht bewiesen, ob und wie es wirkt. Es gibt Theorien...also liebe Physios, macht endlich auch Studien und beteiligt Euch an der Wissenschaft! Nichts desto Trotz: helfe, was helfen mag !
  • Mileha
    Freitag, 31.08.2012, 13:23 Uhr
    @Misfit Wenn deine Frau selbst Physiotherapeutin ist, ist es wohl etwas unüberlegt allen Physiotherapeuten zu unterstellen dass sie mit dem Tapen nur Geld verdienen wollen, weil sie ja zu 100% mit jedem einzelnen Therapeuten gesprochen und genau diese Antwort bekommen hat. Schubladendenken HALLO!

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