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23.01.2013, 10:19 Uhr

Endlich schlank - Teil 2 der Interviewreihe

Schlank, glücklich, erfolgreich: Gerne! Aber wie setzen wir unsere drängenden Neujahrsvorsätze in die Tat um? Im letzten Teil unserer großen Interviewreihe erklärte Dr. med. Stefan Frädrich nichts Geringeres als das Geheimnis eines glücklichen Lebens. Diesmal verrät der Mediziner, warum wir keine Kalorientabelle brauchen, um eine gute Figur zu machen und woran es hapert, wenn die Pfunde trotzdem nicht schmelzen wollen.

Von WEB.DE Redakteurin Silke Stadler

Herr Dr. Frädrich, Essen wird doch immer komplizierter: Bio ist laut einer neuen Studie nicht unbedingt gesünder, Gesundes hat nicht zwangsläufig eine gute Ökobilanz, Lightprodukte sind nicht immer gut für die Figur, weil sie statt Fett oft mehr Zucker enthalten. Was ist Ihrer Ansicht nach der wichtigste Ratschlag, wenn es um unsere heutige Ernährung geht?

Dr. med. Stefan Frädrich: Es geht nicht darum, dass man die Dinge immer hundertprozentig und perfekt durchdringt. Die Grundlagen reichen als grober Kompass im Kopf: Man sollte die Nahrungsgruppen Kohlenhydrate, Fette, Proteine und Ballaststoffe kennen. Weitere Stellschrauben für unser Gewicht sind Wasser und Bewegung. Wenn ich weiß, was in welchen Nahrungsmitteln drin steckt, brauche ich keine Kalorientabelle oder komplizierte Berechnung. Ich weiß selbst, was dick macht, und was nicht.  

Gesundes Essen lässt sich nicht an Kalorien messen

Manche der Nahrungsgruppen werden von Experten empfohlen, andere sollte man mit Vorsicht genießen. Das hat aber zunächst nichts mit der Kalorienanzahl zu tun, oder?

Frädrich: Stimmt. Es hat damit zu tun, wie die Nahrungsgruppen im Körper wirken. Kohlenhydrate haben viel weniger Kalorien als Fett. Aber im Körper führen sie zu einer Insulinausschüttung und das sorgt dafür, dass die Fettverbrennung gehemmt wird und Zucker in die Zellen kommt. Mittlerweile ist klar, dass wir komplett überzuckert sind: Wir haben ein Überangebot von Kohlenhydraten in unserer Ernährung, bewegen uns aber zu wenig.

Gilt fürs Abnehmen dann trotzdem das Prinzip: "Weniger Kalorien rein, mehr raus"?

Frädrich: Unterm Strich läuft es darauf hinaus. Trotzdem würde ich nicht empfehlen, Kalorien zu zählen. Wenn Menschen mit einer Kalorientabelle rumlaufen, verändern sie ihre Ernährung für eine gewisse Zeit. Dann fallen sie aber in ihre alte Ernährungsweise zurück. Das ist nicht besonders schlau, denn das Gewicht lässt sich so nicht halten. Wenn ich mir angewöhne, Wasser statt gezuckerte Getränke zu trinken und Salat statt Kartoffeln zum Schnitzel zu essen, brauche ich keine Kalorien zählen und es wird langfristig funktionieren.

Fett macht fett? Irrtum!

Früher galten Kohlenhydrate als willkommene Energiespender, mittlerweile sind sie als Dickmacher verschrien. Was ist heutzutage der größte Ernährungsirrtum?

Frädrich: Ein großer Irrtum ist, dass Fett der größte Dickmacher sei. Obwohl es viele Kalorien enthält, macht Fett nicht zwangsläufig dick. Fette - vor allem die ungesättigten Fettsäuren – sind notwendig, damit unser Körper funktioniert. Vorsicht vor sogenannten Schlankheitsprodukten auf denen steht: 0 Prozent Fett. Oft steckt es dann voller Kohlenhydrate. Und Kohlenhydrate, die nicht verbrannt werden, werden im Körper zu Fett umgebaut.

Gibt es überhaupt Lebensmittel, die man ungehemmt schlemmen kann?

Frädrich: Im Prinzip kann man alles essen. Viele Menschen glauben, sie müssten sich etwas verbieten. Ich glaube das nicht. Aber wir sollten mit Bedacht essen und die Gesamtbilanz sollte stimmen. Ich sollte schon kapieren, dass zwei Tafeln Schokolade oder zwei Liter Cola am Tag dick machen. Gegen ein Stück Schokolade oder ein Glas Cola ist aber nichts einzuwenden.

Abnehmen ist nicht das Ziel von Ernährung

Was würden Sie verzweifelten Abnehmwilligen raten, die behaupten, schon alles versucht zu haben?

Frädrich: Abnehmen darf nie das Ziel von Ernährung sein. Es geht um eine grundsätzliche Entscheidung: Will ich gesund leben oder nicht? Wenn sich jemand als zu dick empfindet, muss das noch lange nicht stimmen. Ich kenne Mädels, die wiegen 65 Kilo bei einer Größe von 1,70 m und finden, sie seien zu dick. Das ist Quatsch. Sie sollten sich lieber mit ihrem Körper anfreunden, wie er nun mal ist. Aber ich kenne auch Menschen mit 120 Kilo, die nicht abnehmen, weil sie ihre Gewohnheiten nicht verändern wollen. Da kommen dann Sprüche, wie "Ich habe schwere Knochen" oder "Sport ist Mord".

Also sind es unsere Gewohnheiten, die dick oder schlank machen?

Frädrich: Absolut. Das ist eine Summe aus vielen kleinen Faktoren: Wie viel Zucker isst du? Wie viel Alkohol trinkst du? Wie viele versteckte und nicht versteckte Fette nimmst du zu dir? Bist du jemand, der Wasser trinkt? Wie viel bewegst du dich? Es gibt Menschen, die gewöhnen sich an, die Treppe zu nehmen statt des Aufzugs - und nach zwei Monaten sind zwei Kilo weg. Besonders schlau ist es, regelmäßig Krafttraining zu machen. Denn Muskeln sind Fettkiller. Dann kann man auch einiges wegstecken.

Lesen Sie im dritten Teil unserer Interviewreihe: Wie sieht der ultimative Abnehmsport aus? Wie viel Training ist nötig, um ein gesundes Leben zu führen? Und gibt es Tricks, mit denen man die Traumfigur auch ohne viel Anstrengung erreicht?

Dr. med. Stefan Frädrich ist Coach für Motivation, Gesundheit und Kommunikation und hat bereits zahlreiche Bücher zu diesen Themen verfasst. Bekannt wurde der Arzt unter anderem durch die TV-Ratgebershow "Besser Essen" auf ProSieben.

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