Viele Deutsche trauen ihrem Glück im Spiel nicht mehr - eine Ausnahme sind junge Männer: Die zocken laut einer Studie zunehmend mit illegalen Sportwetten und sind suchtanfälliger. Was auch ein Folge der gescheiterten Regulierung des Glücksspielmarktes sein dürfte.

Es mangelt nicht an neuen Angeboten und spektakulären Gewinnversprechen. Im Internet sind Glücksspiel- und Wettangebote auf dem Vormarsch, neben dem klassischen Lotto gibt es den länderübergreifenden Eurojackpot. Dennoch versuchen sich nach den offiziellen Zahlen immer weniger Deutsche an Glücksspielen. Allerdings: Junge Männer sind anfälliger für illegale Wetten.

Solche Zahlen dürften Wasser auf die Mühlen der staatlichen Lotto-Gesellschaften und einiger Länder sein, die an der bisherigen Glücksspielregulierung festhalten wollen - trotz Fehlschlägen. Durch die Hängepartie bei Sportwett-Lizenzen aber boomen der unregulierte und der "schwarze" Markt:

Um welche Größenordnung geht es beim Glücksspiel?

Es geht um einen weltweit wachsenden Markt - und um viel Geld. Neben klassischen Casino-Spielen gibt es Spielautomaten, Lotterien und Wetten. 2012 wurden in Deutschland nach früheren Angaben der Beratungsfirma Goldmedia rund 10,7 Milliarden Euro an Brutto-Spielertrag erwirtschaftet.

Im sogenannten regulierten Glücksspielmarkt entfällt auf Spielautomaten der weitaus größte Marktanteil. Mitte 2015 gab es nach Angaben der Branche etwa 316 000 Spielautomaten, davon 269 000 Geld-Spiel-Geräte. Laut der Automatenindustrie VDAI nutzen schätzungsweise fünf Millionen Menschen pro Jahr diese Geldspielgeräte.

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Der Staat verdient doch kräftig am Glücksspiel mit?

In der Tat. Er will einerseits Spielsucht eindämmen und illegale Anbieter vom Markt drängen, gleichzeitig aber mehr Umsätze erwirtschaften, Steuern einnehmen und sich gegenüber Privaten behaupten. Der Staat ist Akteur und zugleich Aufsichtsbehörde.

Wie wird der deutsche Glücksspielmarkt reguliert?

2012 konnten die Länder das seit Jahren umstrittene staatliche Lottomonopol noch einmal retten. Dieses Monopol wird damit begründet, dass nur so Verbraucher-, Daten- und Jugendschutz gesichert werden könnten. Doch mit dem damals neu ausgehandelten Glücksspielstaatsvertrag musste der lukrative Markt für Private geöffnet werden. Für sieben Jahre sollten eigentlich 20 Konzessionen an Sportwetten-Anbieter vergeben werden.

Und wie sieht es mit der Umsetzung aus?

Das Verfahren gilt als gescheitert. In vielen Fällen wird daher in einer rechtlichen Grauzone gezockt. Der Schwarzmarkt boomt, ehrliche Anbieter müssten in die Röhre schauen, und Internetspieler hätten keine Möglichkeit, ein Angebot auf Seriosität zu prüfen, meinen Kritiker.

Obwohl derzeit kein privates Unternehmen reguliert ist und über eine Konzession nach dem aktuellen Glücksspielstaatsvertrag verfügt, agieren private Sportwetten-Anbieter sichtbar in der Öffentlichkeit und zahlen auch reichlich Steuern an den Fiskus.

Aber das Glücksspiel ist doch weiter auf dem Rückzug?

Das zeigen zumindest die aktuellen Zahlen des staatlichen Lotto- und Totoblocks und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Trotz millionenschwerer Jackpots verlieren Lotto und andere Glücksspiele ihren Reiz. 37,7 Prozent der Befragten im Alter zwischen 16 und 70 Jahren gaben an, im zurückliegenden Jahr an einem Glücksspiel teilgenommen zu haben.

Im Jahr 2007 lag der Anteil der gelegentlich oder gewohnheitsmäßig Spielenden noch bei 55 Prozent.

Und wie war die Entwicklung in einzelnen Bereichen?

Auch das Interesse am klassischen Lotto "6 aus 49" verbuchte einen weiteren Rückgang. Nicht einmal jeder vierte Bundesbürger (22,7 Prozent) spielte dies im vergangenen Jahr. Zum Vergleich: 2009 machten noch 40 Prozent der Bürger ihre Kreuze auf dem Lottoschein. Erstmals seit Beginn der Studie 2007 würden auch Geldspielautomaten weniger genutzt.

Und der Anteil der Jugendlichen, die alle Glücksspielangebote - außer privat organisierte - nutzen, sei auch gesunken. Das Suchtproblem sei weiterhin eher gering.

Dann scheint das Regulierungsziel doch erfüllt zu sein?

Aus Sicht staatlicher Lottogesellschaften zumindest. Viele Experten und auch Ländervertreter sehen das aber anders und nennen die Glücksspielregulierung gescheitert. Auch die EU-Kommission könnte bald einschreiten. Kritiker verweisen darauf, dass seit Jahren die Umsätze im von staatlichen Anbietern dominierten regulierten Markt sinken.

Gleichzeitig verzeichnet der unregulierte Bereich, der private Online-Casino- und -Pokerspiele sowie Online-Sportwetten umfasst, wachsende Geschäfte, betrieben von Unternehmen aus dem Ausland heraus mit gültiger Lizenz eines EU-Landes. Der Europäische Gerichtshof hatte Privaten jüngst den Rücken gestärkt. Schließlich lockt aber noch der Schwarzmarkt etliche Zocker.© dpa

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