Hämorrhoiden sind ein häufig totgeschwiegenes Gesundheitsproblem, obwohl der rechtzeitige Gang zum Facharzt - für Hämorrhoiden-Probleme ist der Enddarmspezialist oder Proktologe zuständig - gerade im frühen Stadium schnell helfen kann und unnötige Schmerzen erspart.

"Hämorrhoiden sind ... ein überaus lästiges, oft chronisches Leiden, das die Lebensqualität empfindlich stören kann. Sie sind allerdings nicht bösartig oder gefährlich wie Krebs", so Prof. Dr. Herold, Enddarmspezialist, in einem FOCUS-Gespräch. "Vielen Betroffenen sind Erkrankungen im Analbereich peinlich und sie scheuen sich, einen Arzt aufzusuchen", unterstreicht Alex Rothhaar, ein Fachkollege aus Berlin.

Was sind Hämorrhoiden?

Jeder Mensch hat Hämorrhoiden, die veraltet auch als "blinde" oder "goldene Adern" bezeichnet wurden. Es handelt sich um ringförmig angeordnete sogenannte arteriovenöse Blutgefäßpolster, die zwischen Mastdarm und After in der Enddarmschleimhaut liegen und die Verschlussfunktion des Afters unterstützen.

Solange sie keinerlei Probleme verursachen, spürt man seine Hämorrhoiden nicht. Wenn es allerdings zu Juckreiz, Schmerzen oder hellen Blutflecken auf den Toilettenpapier kommt und die Beschwerden über längere Zeit mit Hausmittelchen nicht vertrieben werden können, empfiehlt sich der Arztbesuch. Beschwerden in diesem sensiblen Bereich könnten auch auf eine Perianalthrombose oder eine Analfissur hinweisen.

Wie entstehen Probleme?

Vergrößerte Hämorrhoiden sind häufig eine Begleiterscheinung von chronischer Verstopfung, die nicht selten Folge eines ungesunden Lebensstils ist. Aber auch erbliche Veranlagung können die Probleme begünstigen oder hervorrufen. Eine Bindegewebsschwäche, Schwangerschaften und Übergewicht begünstigen die Erkrankung. Hämorrhoiden-Probleme treffen oft Menschen, die auch mit Krampfadern in den Beinen zu kämpfen haben.

Vorbeugung

Schon eine bewusstere Ernährung mit Ballaststoffen, Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie einer Trinkmenge von etwa zwei Litern täglich helfen gegen die Verstopfung und sorgen so dafür, dass bei der Darmentleerung kein unnötiger Pressdruck aufgewandt werden muss. Viel Bewegung kurbelt die Durchblutung zusätzlich an und sorgt für eine bessere Verdauung. Zudem sollte unbedingt ein Verkühlen der neuralgischen Körperpartie durch Sitzen auf kaltem und feuchtem Untergrund vermieden werden.

Linderung durch Medikamente

Gegen die lästigen Beschwerden wie Brennen und Jucken gibt es eine Reihe von freiverkäuflichen Cremes, Salben, Zäpfchen und Tamponaden, die Linderung versprechen. Die Wirkstoffe betäuben das Gewebe leicht oder bewirken beispielsweise durch den Einsatz von Aluminiumsalzen, Eichenrinde, Hamamelis oder Rosskastanie einen adstringierenden, also zusammenziehenden Effekt. Stoffe wie Azulene oder Bufexamac sind entzündungshemmend, für eine heilende Wirkung empfehlen sich Ringelblume und Kamille.

Unproblematisch lassen sich heilende Salben auch selbst mischen oder Kompressen aus Scharfgarbentee herstellen. Allerdings ist bei allen Präparaten Vorsicht geboten: Sie bekämpfen nur die Symptome, nicht die Krankheit selbst. Wenn also trotz gesünderer Lebensweise weiterhin Probleme bestehen, kann nur der Arzt helfen.

So hilft der Proktologe

Die Spezialisten unterteilen Hämorrhoidalleiden in vier Schweregrade. Je nach der individuellen Situation des Patienten gibt es zur Heilung eine große Bandbreite von nicht-operativen oder operativen Methoden, deren Vor- und Nachteile im Vorfeld der Behandlung mit dem Arzt besprochen werden sollten.

Nicht-operative Verfahren

Zu den nicht-operativen Verfahren zählt die Verödung. Dabei wird ein Wirkstoff direkt in die Hämorrhoide gespritzt und bringt sie zum Schrumpfen. Ebenfalls angewendet wird die Methoden der Vereisung, der Kryohämorrhoidektomie. Die Hämorrhoide wird hierbei mit Lachgas oder flüssigem Stickstoff bei 90 Grad minus eingefroren, das Gewebe beginnt abzusterben und fällt nach etwa zwei Wochen von selbst ab. Die Behandlung selbst gilt als schmerzfrei, allerdings sind Schmerzen als Folge des Eingriffs nicht auszuschließen. Die Kryohämorrhoidektomie kommt daher immer seltener zur Anwendung.

Ein weiteres nicht-operatives Behandlungsverfahren ist die Infrarotkoagulation, bei der die Hämorrhoide mit Infrarotlicht stark erhitzt wird. Das Gewebe verschorft und bildet sich zurück. Ebenfalls zur Anwendung kommt die sogenannte Gummiband-Ligatur. Das Band wird dabei über die Hämorrhoide gestülpt, unterbricht die Durchblutung und führt so zum Absterben.

Operative Verfahren

Bei der Hämorrhoidenektomie nach Milligan & Morgan werden die Hämorrhoiden einzeln abgeklemmt und anschließend mit einen Skalpell entfernt, wobei die Analhaut fast unverletzt bleibt. Die Wunde verheilt nach etwa zwei Wochen von allein.

Möglich ist zudem, die Arterien zu ermitteln, die die Hämorrhoide direkt mit Blut versorgt und diese abzuschnüren. In Folge der fehlenden Versorgung schrumpft die Hämorrhoide zusammen. Bezeichnet wird dieses Verfahren als Hämorrhoiden-Arterien-Ligatur, kurz HAL.

Mit der Stapler-Hämorrhoidopexie nach Longo steht eine weitere Methode zur Wahl. Die vergrößerte, außen liegende Hämorrhoide wird dabei in den Analkanal zurückgeschoben und dort fixiert. Die Operationstechnik gilt als relativ schmerzarm, stellt aber hohe Ansprüche an das Geschick des Chirurgen.

Die operativen Methoden bergen das Restrisiko starker Blutungen und Schmerzen und einer Verengung des Enddarmes aufgrund von Narbengewebe. Diese Tatsache sollte allerdings nicht abschrecken, sondern als weiterer Grund für den rechtzeitigen Arztbesuch gelten. Je früher das Stadium der Krankheit, desto leichter und unkomplizierter kann geholfen werden.