Köln (dpa) - Ein Sechssitzer für Knirpse, ein neuartiges Baby-Thermometer oder auch Flugzeug-Bettchen: bei der Kind+Jugend zeigt die Branche, was sie zu bieten hat. Der Nachwuchs - mitsamt der elterlichen Kaufkraft - ist eine attraktive Zielgruppe.

Kinderbettchen als Ritterburg oder mit angebauter Puppenstube, ökologisch unbedenkliche Stofftiere, XXL-Kinderwagen oder mitwachsende Möbel: Zum Start der Kind+Jugend als Messe für Kinderausstattung hat eine Rekordzahl von 1052 Ausstellern aus 51 Ländern eine breite Produktpalette im Angebot. Es zeigt sich: Für vieles ist ein dicker Geldbeutel nötig. Auch bei den Kleinsten wird schon größter Wert auf Design gelegt - und auf Sicherheit.

Ein französischer Hersteller präsentiert eine wärme-isolierende Spielmatte, die sich an den Seiten schützend aufstellen lässt - damit die Zwerge nicht herunterpurzeln. Ein Baby-Überwachungsgerät kommt ohne elektromagnetische Wellen aus. Um den Nachwuchs beim Baden vor dem Auskühlen zu bewahren, ist die Wanne "Aquanest" mit einem patentierten Wärmesystem ausgerüstet, das eine konstante Wassertemperatur garantiert. Alle drei Anbieter räumten für ihre Neuheiten am Donnerstag (11. September) den Messe-Preis "Innovation Award 2014" ab.

Ungewöhnliche Dimensionen hat der Kinderwagen "Six Seater" aus Belgien: Der Sechssitzer richtet sich an Tagesmütter und soll trotz seiner Ausmaße gut manövrierbar sein. Stressiges Shoppen mit Kleinkind? Der Handwagen - "nicht Bollerwagen" - von Puky will ran: "Den haben wir speziell konzipiert für junge Mütter, das ist der Grund, warum er so klein ist", sagt Guido Meitler zu Messebeginn. Kleinkinder, aber auch Getränkekisten, seien mühelos zu befördern in dem einklappbaren Leichtgewicht.

Vier Tage lang geht es um Möbel, Autositze, Kinderwagen, Spielwaren oder Mode. Die Branche ist optimistisch. "Eltern und Großeltern werden auch 2014 die Spendierhosen nicht ausziehen", glaubt Steffen Kahnt vom Spielwaren-Einzelhandelsverband BVS. Seit einem Geburten-Tiefststand 2011 kommen wieder etwas mehr Babys zur Welt.

Sind sie krank, gibt es für sie das "komplexeste, hochentwickeltste Thermometer der Welt", sagt Francesco Bellifemine aus Italien. Seine Firma Tecnimed habe das Patent auf automatische Distanzmessung: Auf der Stirn des schlafenden Kindes lässt sich per Lichtanzeige die Körpertempertur ablesen, ohne Berührung, ohne Aufwecken, in weniger als einer Sekunde.

Gefragt scheint auch, was mehrere Zwecke zugleich erfüllt. So wird aus einem Babybettchen erst ein Kinderbett, dann ein Jugendsofa. Ein Wickeltisch wandelt sich zum Schrank. Aus einer Box für Spielzeug lässt sich leicht ein Tisch machen, eine Kommode in ein Sitzbänkchen umfunktionieren.

Das Institut für Handelsforschung (IFH) sieht im Nachwuchs eine bedeutende Zielgruppe. Die Wertschätzung gegenüber den Kleinsten und die Ausgabe-Bereitschaft ihrer Eltern wachsen, beobachtet Geschäftsführer Boris Hedde. Warum? "Es gibt relativ wenig Kinder in Deutschland und sie kommen später, also in Familien hinein, in denen die wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen dann schon vergleichsweise gut sind." Die Kaufkraft sei hoch.

Der Markt für Baby- und Kinderausstattung bis zwölf Jahren - Bekleidung, Möbel, Spielzeug - legt laut IFH wohl 2014 um 1,6 Prozent auf 6,6 Milliarden zu. Die Entwicklung falle deutlich positiver aus als die des gesamten Einzelhandels, sagt Marktforscher Hedde. Großer Treiber sei die Mobilität - also Kinderwagen, Autositze, Radhelme, Bobbycars oder Kinderräder.

Bei den Möbeln sind Themenzimmer beliebt - für Seeräuber, Prinzessinnen oder im wilden Dschungel-Stil, sagt Ursula Geismann vom Möbelindustrieverband VDM. Ausgedient habe der Laufstall als "Aufbewahrungskäfig für Kleinkinder." Erfreulich beim Blick über die Kind+Jugend: das gute alte Schaukelpferdchen ist noch im Spiel.© dpa