Wohl kein Verbot für Bluttest auf Down-Syndrom
Dafür seien die rechtlichen Voraussetzungen nach dem Gendiagnostikgesetz nicht gegeben, sagte ein Sprecher von Ministerin Katrin Altpeter (SPD). Der "PraenaTest" ermöglicht die Erkennung des Down-Syndroms ohne Eingriff in den Mutterleib.
Die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales erklärte, dass die Genehmigung des Tests grundsätzlich nicht Ländersache sei. Produkte wie der "PraenaTest" unterlägen der EU-Richtlinie über In-vitro-Diagnostika, in Deutschland gelte dafür das Medizinprodukte-Recht. Wenn es vorschriftsgemäß hergestellt werde und alle vorgeschriebenen Verfahren durchlaufen habe, sei das Produkt europaweit verkehrsfähig, erklärte eine Sprecherin. Unter diesen Umständen könne kein einzelnes Bundesland den Test untersagen.
Positiv beurteilt Rheinland-Pfalz den Bluttest: "Wir sehen in einem Verbot nicht den richtigen Weg", sagte eine Sprecherin von Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD). Mit dem Bluttest gebe es eine Diagnosemöglichkeit, die für Mutter und Kind weniger belastend sei als eine Fruchtwasseruntersuchung. Von einem Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums hieß es dagegen, es werde derzeit intensiv geprüft, ob es eine Handhabe gegen den Test gebe. In Sachsen gebe es noch keine Positionierung in dieser Frage, sagte ein Sprecher des dortigen Gesundheitsministeriums.
Gegen den vorgeburtlichen Bluttest sprach sich auch der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) aus. "Wir befürchten dadurch eine zunehmende Klassifizierung nach Leben, das leben darf und solchem, das keine Chance auf Entwicklung erhält", wurde KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth in einer Mitteilung zitiert. Auch der Bischof der evangelischen Landeskirche Sachsens, Jochen Bohl, sieht den neuen Bluttest sehr kritisch. "Aus christlicher Sicht ist es nicht möglich, den Schutz des Lebens zu differenzieren zwischen Nichtbehinderten und Behinderten." Es sei zu befürchten, dass ein solcher Test vermehrt zu Schwangerschaftsabbrüchen führen werde.
Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, hatte die Bundesländer in der vergangenen Woche dazu aufgefordert, den Test zu verbieten. Er stützte sich auf ein Rechtsgutachten, demzufolge der Test mit geltendem Recht nicht vereinbar sei - weder mit der Menschenwürde noch mit Artikel 3 des Grundgesetzes. Auch Ethiker und Kirchen hatten sich gegen das neue Verfahren ausgesprochen.
Der Test des Konstanzer Unternehmens LifeCodexx sollte im Juli auf den Markt kommen, konkrete Angaben gab es zunächst nicht. Trisomie 21 führt zu geistigen Behinderungen und körperlichen Auffälligkeiten. Anstelle einer Fruchtblasenpunktion, die medizinische Probleme bis hin zur Frühgeburt verursachen kann, genügt bei dem neuen Test eine Blutprobe der Mutter. Nach Angaben des baden-württembergischen Sozialministeriums entscheiden sich schon jetzt neun von zehn Frauen für eine Abtreibung, wenn die Fruchtwasseruntersuchung eine Trisomie 21 ergibt.
23 Meinungen zu "Trisomie-21-Test bleibt erlaubt"
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Zaa11
Montag, 30.07.2012, 15:30 Uhr So wie ich es verstanden habe, gilt der Test der >>Früherkennung<<. Ob der Fötus abgetrieben wird ist doch ein anderes Kapitel. Sollte es so kommen das ein Kind T-21 hat man doch mehr Zeit um sich vorzubereiten... Obwohl viele unterschätzen, was es heißt einen Mensch mit T-21 zu erziehen. Man muss ihn bis zu seinem Lebensende "Erziehen" bis man selbst alt wird. Achtung schwere Kritik: Viele Eltern die ein Kind mit T-21 haben, reiben sich sowie so die Hände, weil diese Behindertenrente für das Kind bekommen (und das gar nicht mal so wenig). Diese Eltern scheuen auch davor das betroffene Kind im erwachsenen Alter mit einem betreutem Wohnen zu Fördern, was viele gemeinnützige Vereine anbieten um diese Erwachsenen mit ihrer Behinderung mehr Selsbständigkeit zu vermitteln. Aber nein Lieber die 1000,- Euro selbst kassieren + der Lohn von der Behindertenwerkstatt. Nicht alle Eltern denken aus nächstenliebe zu ihren behinderten Kindern und das macht mich Krank. Erst der Schock bei der Diagnose und später die "Abfindung" mit Behindertenrente um das Kind zu ertragen, oder wie? Ich glaube an gar nichts mehr >: / -
majo71
Montag, 30.07.2012, 15:09 Uhr Ich habe einen dreijährigen Sohn mit Trisomie 21 und finde das Ganze sehr diskriminierend. Auch diese Menschen haben ein Recht auf Leben und sogar wir, als gesunde Menschen, können von den Menschen mit Down Syndrom etwas lernen, deshalb ist es einfach menschenunwürdig im Vorherein dieses Leben zu verhindern und unsere Welt wäre um ein Reichtum ärmer! -
S1ck60y85
Mittwoch, 11.07.2012, 12:56 Uhr auch aus erfahrungen durch mein umfeld weiß ich, was ein behindertes kind für eine familie für eine belastung sein kann. das wünsche ich niemandem! warum soll man nicht schon VOR der geburt selektieren? die gesamte natur selektiert spätestens kurz nach der geburt - da finde ich die vorher-variante deutlich humaner! letzten endes sollte das jeder selbst wissen - nur sollte meines erachtens jemand, der sich für eine solche untersuchung entscheidet und sich trotz eines trisomie-positiv-ergebnisses für das kind entscheidet auch die kosten dafür tragen - also keine weitere förderung als für jedes gesunde kind. es gibt bei jeder schwangerschaft noch genügend unwägbarkeiten - aber was möglich ist, sollte auch verfügbar sein! -
IchWeissNix69
Mittwoch, 11.07.2012, 11:06 Uhr Wir standen vor einigen Monaten vor "der Entscheidung". Bei der Erst-Trimester-Untersuchung wurde ein extrem erhöhtes Risiko festgestellt. Für mich war klar: "Ne, das will ich nicht!". Für meine Frau war klar: "Wenn es behindert sein soll, dann soll es halt so sein. Ich will das Kind ohne Frage". Ich war zuerst vor den Kopp gestossen, habe mich dann aber mit der Materie beschäftigt und auch für mich war schnell klar: "Egal, ob Trisomie 21, 13 oder 18, es wird unser Kind, das wir auch bekommen werden!!!!". Schon Wochen später, beim Fein-Screening wurde klar, daß der erste Test wohl falsch war, im Mai bekamen wir einen gesunden Bub. Ich weiß, Thema verfehlt, aber egal.... -
Wannabefree
Mittwoch, 11.07.2012, 10:30 Uhr Ich wünschte ich wäre auch mal so schlicht strukturiert wie gläubige Menschen, bei denen alle Konflikte des menschlichen Lebens in Gut und Böse differenziert sind. Ich möchte mich als Behinderter mal in die Debatte einmischen. Ja, ich bin schwerst körperbehindert durch einen Gendefekt, und mein Leben dreht sich seit meiner Kindheit ausschließlich um Möglichkeiten der Unterbringung, medizinische Versorgung und Behördenkommunikation, und es tut mir leid: Mein Ego ist nicht groß genug mir einzubilden, dass die Welt nicht auch ohne mich klar kommen würde, und wenn hier oft das Recht auf Leben propagiert wird, dann sollte sich die Gesellschaft auch mal mit Aspekten der Lebensqualität beschäftigen. Ich bin 29 Jahre alt, aber nicht in der Lage das Leben eines selbstständigen, erwachsenen Menschen zu führen. Ich beziehe Grundsicherung, warte darauf dass der Pflegedienst mich sauber macht und warte jeden Tag darauf endlich für immer einzuschlafen, denn selbst zum selbstständigen Beenden meines Lebens fehlen mir die körperlichen Möglichkeiten. Alles das was ein Leben lebenswert macht, von der Liebe, über aufregende Urlaube, bis hin zu einem erfüllenden Job oder sich einfach mal die Kante geben und sry den verstand rauszuvög... findet bei Schwerstbehinderten nicht statt. Natürlich könnte ich hin und wieder ein nettes Schwätzchen mit dem Dorfpfaffen halten, aber es tut mir leid: Das befriedigt mich einfach nicht! Es ist einfach, das ethische Recht auf Leben zu propagieren, wenn man nicht die Konsequenzen dafür tragen muss. Ich habe mich immer nur als Belastung empfunden, und das macht auf Dauer unglücklich, weil (und jetzt muss ich ein paar Leuten ihre Illusionen nehmen) auch Behinderte ihren Stolz haben. Die Wahrheit ist, dass man uns nicht braucht und auch nicht will, und es reicht zum Glücklichsein nunmal nicht aus nur toleriert zu werden. Jeder sollte sich zum Beispiel fragen, ob er bereit wäre mit einem Trisomie21 Patienten, oder überhaupt schwerst behinderten Menschen eine ernsthafte Beziehung einzugehen. Denen von uns die noch mobil sind gibt man 40 Cent/Stunde Jobs in Werkstätten und erdreistet sich dann noch klugzuscheißen, was wir mit unserem "Reichtum" anzustellen haben. Wenn man schon soviel Wert darauf legt, dass wir leben, dann ermöglicht uns auch ein möglichst lebenswertes Leben, ansonsten können wir nämlich gerne darauf verzichten, und das ist keine Einzelmeinung, sondern die Meinung vieler "gehandicapter" Menschen, die untereinander auch mal tacheless reden. Kriegen nur viele nicht mit, weil man meint mit uns wie mit Kleinkindern reden zu müssen, was im übrigen jedesmal (auch für sogenannte Geistig Behinderte) eine derbe Demütigung ist, aber die meisten von uns haben gelernt ihre Fresse zu halten. Im übrigen kann das ethische Recht auf Leben bizarre Züge annehmen. Vor etwa zehn Jahren (da war ich süße 18) bat ich meinen Arzt um aktive Sterbehilfe. Er reagierte prompt und pflichtbewußt, und ich wurde vom Pflegeheim in eine stationäre psychiatrische Einrichtung für suizidgefährdete Patienten verlegt (obwohl ich körperlich überhaupt nicht in der Lage war mir was anzutun), bekam dort die Diagnose depressiv zu sein (ja manche Ärzte stehen Sherlock Holmes in nichts nach) und bekam stimmungsaufhellende Antidepressiva, und wenn dann so ein Medicus abends in seinen Audi TT steigt, um zu seiner 25jährigen Geliebten zu fahren, dann fragt man sich als Patient schon, ob da nicht irgendwas schief läuft. Ich für meinen Teil befürworte Abtreibungen genauso wie uneingeschränkte aktive Sterbehilfe, und solche Entscheidungen gehen auch nur die Betroffenen was an, aber bestimmt nicht irgendeinen Fantasiegott bzw dessen grenzdebile, abergläubische Anhänger. Und glaubt ihr Christen eigentlich wirklich eine Frau macht sich die Entscheidung einer Abtreibung leicht? Obwohl ich keine Frau bin und mir jedwede Partnerschaftserfahrung fehlen reicht meine Empathie aus, um mir auszumalen welche seelischen Konflikte eine Frau in einem solchen Fall mit sich selbst austrägt. Aber wie gesagt, ich bin leider auch nicht schlicht genug strukturiert, um die Welt in Gut und Böse zu differenzieren. Kurze Anektdote zum Schluß: Ich saß vor einigen Jahren als es mir noch "besser" ging mal in einem Elektrorollstuhl (im übrigen mit der zynischen Modellbezeichnung Storm) im Park eines Pflegeheims und wurde von einem Zeugen Jehova angesprochen, der versuchte mich davon zu überzeugen, dass ich nicht in diesem Rollstuhl sitzen müsste, wenn ich "Gott" mein Herz öffnen müsste. Glückwunsch: Manche haben das mit der Empathie und der Nächstenliebe echt drauf. (ironie off) -
magandang
Mittwoch, 11.07.2012, 09:24 Uhr Wunderbar, dass es jetzt so einen BLUT-test gibt! Liebe Kirchemenschen und Sozial eingestellte Naechstliebende. Gott hat uns einen Geist gegeben, mit dem wir Methoden entwickeln koennen, unser Leben und unsere Gesundheit lebenswert und -moeglich und gesund zu erhalten. In der Natur koennen "behindert" geborene Menschen (wie im uebrigen auch Tiere) nicht ueberleben, ohne dass sich "gesunde" um sie kuemmern. Hier ein DANK an alle, die Job und/oder Privatleben im Dienste an solchen verbringen, die ohne "unsere' Hilfe jeden einzelnen Tag nicht ueberleben koennten. Jeder "behinderte" oder kranke, den wir nicht heilen koennen, sollten wir nach Kraeften unterstuetzen. Aber Behinderung verhindern - was ist daran frevelhat? Und dann auch noch mit einer Moeglichkeit, die Mutter und Kind Gesundheit nicht mehr Risiken aussetzt als unbedingt noetig!!!??? Schon das deutsche Fortpfanzungsmedizin-Gesetz schuetzt angeblich arme Ungeborene - und ist ein menschliches Desaster und voll Verachtung fuer deren Muetter - wann bekommen wir da eine Gesetzenaenderung??? -
fidibus4
Mittwoch, 11.07.2012, 08:59 Uhr Die "Kirche" hat leicht reden... ich glaube nicht dass viele Menschen wissen, wie es ist mit einem behinderten Kind durch die Stadt zu gehen, es zu pflegen, ihm bei einer schweren Herz op beizustehen oder einfach nur helfen die täglichen Dinge zu lernen.... es ist schwierig und oft nerven zerreibend und deshalb sollte man solche Test auch zulassen... unsere Gesellschaft ist einfach nicht in der Lage Menschen mit handicap oder menschen die "anders" sind zu akzeptieren.... Wenn man schon diskutieren muss, wie schlank oder dick ein Mensch sein darf, wie schön oder häßlich, dann hat sich die Frage ob man ein behindertes Kind bekommt schon erledigt.... es ist traurig dass man immer "perfekt" sein muss, aber das ist heutzutage wohl "normal".... Ich bin trotzdem stolz auf mein down mädchen, denn jeder bekommt die Aufgabe im Leben gestellt, wo er auch die Kraft für hat diese zu meistern...
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