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30.07.2012, 13:48 Uhr

Umstrittener Bluttest auf Down-Syndrom kommt später

Konstanz (dpa) - Der umstrittene vorgeburtliche Bluttest auf das Down-Syndrom kommt später auf den Markt als geplant. Der Start werde in den August verlegt, teilte der Konstanzer Hersteller LifeCodexx am Samstag der Nachrichtenagentur dpa mit.

"Wir warten das abschließende Gespräch mit dem Regierungspräsidium Freiburg Anfang kommende Woche für die formale Freigabe des PraenaTests durch das Präsidium ab", hieß es. Der Test sollte ursprünglich im Juli auf den Markt kommen.

Die Freigabe habe sich verzögert, da das Unternehmen nachträglich Fragen erhalten habe, die das Medizinprodukterecht betreffen. "Diese wurden nun vollständig geklärt." Erst nach dem Gespräch mit der Behörde könnten konkrete Aussagen zu einem neuen Termin für die Markteinführung gemacht werden, hieß es. Ob es im Anschluss an das Treffen sofort losgehen kann oder die Markteinführung noch mal einige Wochen braucht, war zunächst unklar.

Ein Verbot des Bluttests auf den Chromosomen-Fehler Trisomie 21 hatte unter anderem der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, gefordert. Er stützte sich auf ein Rechtsgutachten, demzufolge der Test mit geltendem Recht nicht vereinbar sei - weder mit der Menschenwürde noch mit Artikel 3 des Grundgesetzes. Auch Ethiker und Kirchen hatten sich gegen das neue Verfahren ausgesprochen. Viele sehen die Gefahr der Selektion.

Das Land Baden-Württemberg, Sitz des Herstellers und damit zuständig, wird den Test nach früheren Angaben des Sozialministeriums nicht verbieten. Dafür seien die rechtlichen Voraussetzungen nach dem Gendiagnostikgesetz nicht gegeben. Der "PraenaTest" ermöglicht die Erkennung des Down-Syndroms ohne Eingriff in den Mutterleib.

Trisomie 21 führt zu geistigen Behinderungen und körperlichen Auffälligkeiten. Bisher wird mit einer Fruchtblasenpunktion getestet, die medizinische Probleme bis hin zur Frühgeburt verursachen kann. Beim neuen Test genügt eine Blutprobe der Mutter. Nach Angaben des baden-württembergischen Sozialministeriums entscheiden sich schon jetzt neun von zehn Frauen für eine Abtreibung, wenn die Fruchtwasseruntersuchung eine Trisomie 21 ergibt.

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27 Meinungen zu "Trisomie-21-Test kommt später"

  • kuthi96
    Freitag, 14.09.2012, 11:31 Uhr
    Hallo 8jemand8 Die Fruchtwasseruntersuchung gab es auch schon in den 70 iger Jahren und nicht nur um Trisomie21 auszuschließen, sondern um z.B. zu prüfen ob eine Geburt eingeleitet werden sollte weil das Kind "überfällig" war. Es ist schon so dass sie hilft, doch auch das sie nicht ungefährlich ist. Diese Varianten gibt es in der Medizin bei vielen Untersuchungen, OP`s oder dem Risiko des entscheidenden Arztes für Diagnose so oder so gibt es auch immer wieder. Wichtig bei all den Entscheidungen, egal wer sie trifft oder treffen lässt, ist es gut damit umzugehen und sich bewußt zu machen, dass es mit unter besser ist gehen zu lassen, als um jeden Preis zu behalten. Einen lieben Menschen, einen schwer erkrankten, ein Kind das auf dem Weg zu uns verzeitig geht... und das ohne sich dann zu maltretieren oder von anderen maltretieren zu lassen. Ich sehe noch eine andere Gefahr, denn ich kann mich entsinnen, dass es Fälle in Amerika gegeben hat, wo Eltern die med. Behandlung ihrer Kinder verweigert wurde, weil sie ja "vorher gewußt" haben dass es ein behindertes bzw krankes Kind wird und sie nun die Kosten allein tragen müssen. Ergo können wir davon ausgehen, dass sich nicht nur das denken der Menschen nicht ändern wird im Hinblick auf dem Umgang mit unseren Kranken oder krank Gewordenen, sondern auch das der Großmacht der "Versicherer" mit ihrerem Potential zu entscheiden, wer kriegt was und wer nicht. Das Thema wird uns begleiten.
  • petermg
    Dienstag, 31.07.2012, 15:21 Uhr
    Jeder sollte frei darüber entscheiden können ob er/sie Eltern eines behinderten Kindes werden wollen. Jetzt wird noch Gott ins Spiel gebracht, welch ein Blödsinn. Ich bewundere Menschen, welche sich aus welchen Gründen auch immer, für ein behindertes Kind entscheiden, ich würde es nicht tun und dazu stehe ich.
  • 8jemand8
    Dienstag, 31.07.2012, 15:08 Uhr
    Zuerst ist zu erwähnen, dass dieser Test nicht die Fruchtwasseruntersuchung in dem Sinne ersetzt. Sollte der Test nämlich positiv ausfallen, ist TROTZDEM die Fruchtwasseruntersuchung erforderlich, das habe ich schon mehrfach im Radio gehört und auch gelesen. Und dass erst JETZT eine Hysterie ausbricht, ist nicht wahr. Die Fruchtwasseruntersuchung wird auch kritisiert, unter anderem wegen des großen Risikos. Bei der Kritik an diesem Test geht es darum, dass er ein weiterer Schritt in Richtung Selektion ist. Das kann man drehen und wenden, wie man will. Solche Untersuchungen sind gut - keine Frage. Aber sie sollten dafür eingesetzt werden, das Kind NACH der Geburt schnell und bestmöglich medizinisch zu versorgen. Und dafür, dass die werdenden Eltern schon in der Schwangerschaft sich damit auseinandersetzen können, was auf sie zukommt und ihnen Unterstützung zukommen zu lassen. Es steht außer Frage, dass sich JEDER Mensch ein gesundes Kind WÜNSCHT. Ganz klar. Aber, wenn es das nicht ist, ist das kein Argument dafür, ihm Lebensrecht zu nehmen. Das ist der Punkt. Und eine VIELZAHL werdender Eltern, die einen Kinderwunsch HABEN, entscheiden sich DAGEGEN, wenn sie erfahren, dass ihr Kind eine Krankheit/Behinderung haben könnte/wird. Da geh ich jede Wette ein. Wo ist denn da der Kinderwunsch auf einmal hin? "Wie -krank? Ach nö, dann will ichs doch nich..." Es sind andere Herausforderungen, ja. Aber der Mensch wächst an seinen Aufgaben. Man kann auch nicht wissen, ob bei dem Kind, das vermeintlich gesund zur Welt kommt, nach ein paar Monaten eine fortschreitende Krankheit oder ein Herzfehler oder ähnliches festgestellt wird. Und was macht man dann? Wer sich dem dann wirklich nicht gewachsen fühlt, kann das Kind zur Adoption freigeben. Es gibt auch Menschen, die ein Kind mit Behinderung/Krankheit bei sich aufnehmen und annehmen wie es ist. Und das ist dann auch für das Kind besser, als bei Eltern aufzuwachsen, die es aus Überforderung heraus nicht lieben können. Ein weiterer Kritikpunkt - WER kann wirklich wissen, ob ein Leben mit einer Behinderung/angeborenen Krankheit wirklich sooo schlimm ist, der nicht betroffen ist? Ich rede nicht von Einfühlungsvermögen, aber jemand, der keine Behinderung oder Krankheit hat, kann sich niemals ganz in einen Menschen mit Behinderung/angeborener Krankheit hineinversetzen. Natürlich ist die Welt bzw. sind die Menschen grausam und es ist wohl auch normal, dass man sich fragt, ob man sich für sein Kind wünscht, in dieser Welt unter erschwerten Bedingungen aufzuwachsen. Und jemand der "anders" ist, lebt unter erschwerten Bedingungen. Aber ist es da nicht eher angebracht, das Denken in den Köpfen der Menschen zu verändern, als anderen die Chance zum Leben zu nehmen? Dass einige den Kostenfaktor bedenken, ist wahrscheinlich aus wirtschaftlicher Sicht normal. Aber wo ist dann der Unterschied zu erworbenen Behinderungen und fortschreitenden Krankheiten? Die, die sagen, es ginge darum, die entstehenden Kosten frühzeitig möglichst klein zu halten, untermauern damit nur die Selektionsfunktion dieses Tests... Ein Kind mit Behinderung/Krankheit soll so zur Selbstständigkeit erzogen werden, wie jedes andere Kind auch. Da muss man vielleicht bei der Erziehung sogar schon früher ein Augenmerk drauflegen. Damit das Kind eben NICHT von den Eltern in einen Schonraum gesteckt wird und dann, wenn sie zu schwach oder nicht mehr da sind, nicht in der Welt zurecht kommt. Dazu gehört auch, dass das Kind lernt, sich die Hilfe zu holen, die es benötigt und das auch als erwachsener Mensch beibehält. Unabhängig von den Eltern. Denn solche Unterstützungen gibt es - man muss nur wissen wo und wie. Dass die Forschung immer neue Erkenntnisse gewinnt, ist gut. Sie sollten nur dafür eingesetzt werden, Leben zu erhalten und zu verbessern. Nicht dazu, im Vorhinein Entscheidungen zu forcieren, weil "krankes" Leben gesellschaftlich nicht gewollt ist oder man vom gesellschaftlichen Denken beeinflusst abtreibt, weil es ja "sooo verantwortungslos und verwerflich" ist, sich für so ein Kind zu entscheiden... Umfangreiches Thema, ich denke, da gäbe es noch einiges mehr zu sagen...aber das ufert sonst aus...
  • mmhh
    Dienstag, 31.07.2012, 12:22 Uhr
    @ noricer ich weiss nicht was mehr "monster"ist:wenn man kranke kinder vorselektieren kann,oder wenn man sie lebensang dem spott und der verachtung seiner mitschüler und mitmenschen aussetzt.meine meinung ist,wie schon beschrieben,wenn eine behinderung NACH der geburt eintritt,sollte man alles mögliche tun,um damit zu leben,aber was für eltern wünschen ihrem kind eine behinderung an den hals,nämlich genau das tut man indirekt,indem man sagt,lass es auf die welt kommen,vielleicht stirbt es ja doch nicht.wo hört die menschliche ethik auf,und wo fängt der reine egoismus an (ich will aber,auch wenn alle nein sagen) ist es menschlich,das babys ohne hirn geboren werden,und die mutter sagt,es ist aber leben,es zur welt bringt,damit es 6 monate an maschinen gefesselt ist,da nur die atmung funktioniert,der rest nicht,und dann ELENDIG stirbt,ist es menschlich,ein kind zur welt zu bringen,wo nicht mal gesichert ist,das es mami überhaupt erkennt? ist es menschlich,ein kind ein leben in sozialer isolation,und mit zum teil so schweren körperlichen gebrechen zu geben,das sein einziger spielplatz der rollstuhl ist?? muttis werdet wach,wenn ihr so ein leben wollt,entscheidet für euch selber,es gibt bestimmt im ostblock jede menge ärtze,die euch für geld in den wunschzustand versetzen,den ihr eueren kinder zumuten wollt,dann könnt ihr am eigenem leib erfahren,wieviele euerer freunde ihr noch haben werdet,als SCHWERBEHINDERTE: die gesellschaft ist leider noch idealorientiert,oder habt ihr schon mal ein werbeträger mit downsyndrom für ein fitness-oder schönheitsprodukt werben sehen. die menschliche verachtung "andersaussehender" fängt doch schon bei der optik nicht behinderter an,wenn einer mit schlechten zähnen,oder grossen lücken rumläuft,heisst es doch gleich"guck mal den assi an",und das ist nur ein kosmetischer mangel. gehen wir mal einen schritt weiter,3000 jahre in die zukunft: alle menschen mit genetischen anomalien haben sich die letzten 3000 jahre munter vermehrt,ohne den versuch diese zu unterdrücken,komischerweise ist dann wahrscheinlich der anteil jener,die diese menschen früher ernärte und versorgte,so klein geworden,das nun deren versorgung in frage gestellt werden muss und die menschlichkeit plötzlich der selbsterhaltung weicht----wo wir wieder bei den schwänen wären,eigentlich clevere tiere,nicht?? es ist andererseits nicht verständlich,warum gegen kinderlähmung oder menengitis etwas unternommen wird,wenn behinderte kinder solch eine familiäre bereicherung und so einen wünschenswerten zustand darstellen,das alle versuche boykottiert werden,diese behinderung zu vermeiden??? manchmal ist elternliebe die grösste behinderung für logisches denken
  • fritzfratz
    Montag, 30.07.2012, 17:34 Uhr
    Was für eine verlogene Hysterie ! Seit vielen Jahren gibt es die Fruchtwasseruntersuchung, vornehmlich um Trisomie-21 festzustellen (apropos - die Geschlechtsbestimmung gibt es gratis dazu), und niemand regte sich auf. Nein, sogar die Krankenkassen übernehmen ab dem 35. Lebensjahr die Kosten hierfür. Jetzt, da ein einfacher Bluttest - ohne Risiken für Mutter und Ungeborenes - möglich ist, droht kollektive Empörung. Geht es noch ?
  • Dex04
    Montag, 30.07.2012, 17:30 Uhr
    Ich bin so froh, dass man heutzutage solche Tests machen kann! Eine gute Sache! Danke an die Forschung!!!
  • FaceplamX
    Montag, 30.07.2012, 16:54 Uhr
    mitleser2: von der Sache hast du recht. Aber die Verspätung des Tests ist letztlich auf genau diese Grundsatzdiskusion zurückzuführen.
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