Pest - ist das nicht so eine scheußliche Krankheit, die im finsteren Mittelalter grassierte? Wer das glaubt, liegt falsch. Auch heute sterben noch Menschen am "Schwarzen Tod". Die Krankheit ist nicht die einzige, die viele fälschlich für ausgerottet halten.

Pest

Kaum eine andere Krankheit assoziiert man so sehr mit dem Mittelalter wie die Pest. Ausgerottet ist der "Schwarze Tod" jedoch mitnichten. Auch die Pest ist eine Infektionskrankheit, ausgelöst durch das Bakterium Yersinia pestis. Es nutzt vor allem Tiere wie Ratten oder Flöhe als Wirt, weswegen es unmöglich scheint, die Krankheit komplett auszurotten.

Es gibt nicht die eine Pest, sondern verschiedene Formen. Die bei weitem häufigste ist die Beulenpest, bei der neben starkem Fieber Lymphknoten und Zunge anschwellen. Unbehandelt sterben laut WHO 50 bis 60 Prozent der Erkrankten. Bei der Lungenpest wird das Fieber von starkem Husten, blutigem Auswurf, Erbrechen und Durchfall begleitet. Besonders schlimm ist auch die Pestsepsis, eine Blutvergiftung. Ohne Behandlung sind Lungenpest und Pestsepsis so gut wie immer tödlich. Behandeln lässt sich der "Schwarze Tod" heute mit Antibiotika.

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Im Mittelalter rollten mehrere Pestwellen über Europa, die bei weitem schlimmste zwischen 1347 und 1350. Nach Schätzungen der WHO raffte die Seuche zirka 25 Millionen Menschen dahin – ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas. Ganze Landstriche waren danach entvölkert.

In Deutschland gab es in den letzten Jahrzehnten laut Robert-Koch-Institut glücklicherweise keine Pestfälle mehr. Anders sieht es in den tropischen und subtropischen Gebieten der Erde aus. Vor allem in Afrika, aber auch in Asien und Nordamerika erkranken nach wie vor Menschen an der Pest. Ein 16-jähriger Schüler starb im US-Bundesstaat Colorado im Juni dieses Jahres an der Beulenpest, nachdem er sich vermutlich durch einen Flohbiss infiziert hatte. Die WHO spricht von 1.000 und 2.000 Pestinfektionen jährlich, die Dunkelziffer dürfte aber recht hoch sein.

Lepra/Aussatz

Ein Bakterium ist schuld für die Infektionskrankheit: Mycobacterium leprae. Nach wie vor ist nicht sicher, wie genau es übertragen wird. Wahrscheinlich steckt man sich aber über Tröpfcheninfektion oder Sekrete aus Wunden an. Der Erreger befällt und schädigt vor allem Schleimhäute, Haut und Nervenzellen. Menschen reagieren mit unterschiedlichsten Symptomen. Dazu gehören Schwellungen und geschwulstartige Knoten, zum Beispiel im Gesicht. Typischerweise spüren Lepra-Kranke auch keine Schmerzen, weil Nerven abgestorben sind. Zum Glück lässt sich Lepra heutzutage medikamentös behandeln. In der Regel dauert die Therapie sechs bis zwölf Monate.

Die Krankheit sahen die Menschen im Mittelalter als Strafe Gottes an. Aussätzige waren so etwas wie lebendige Tote und wurden aus der Gesellschaft verstoßen. Ein Priester las ein Requiem, der Kranke bekam typische Leprakleidung überreicht und wurde gezwungen, fortan außerhalb der Stadttore zu leben. Durch Klappern musste er auf sich aufmerksam machen, wenn er sich Menschen näherte. In Europa verbreitete sich Lepra verstärkt zur Zeit der Kreuzzüge.

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Heute gibt es laut Weltgesundheitsorganisation WHO immer noch etwa 200.000 neue Lepraerkrankungen pro Jahr, vor allem in dichtbesiedelten Regionen Asiens und Afrikas mit niedrigem hygienischem Standard. Auch in Europa treten jedes Jahr Fälle auf - allerdings nur sehr vereinzelt.

Typhus

Auch Typhus wird durch ein Bakterium ausgelöst. Salmonella typhi fängt man sich über Nahrungsmittel oder Wasser ein, die mit Kot oder Urin von infizierten Menschen verunreinigt sind. Nach einer bis drei Wochen kommt es zu Symptomen wie Kopfweh und hohem Fieber, das mehrere Wochen anhalten kann. Manchmal werden die Kranken bewusstlos. Auf dem Bauch bilden sich kleine hellrote Flecken. Ärzte behandeln Typhus heutzutage mit Antibiotika.

Schon im Mittelalter starben viele Menschen an Typhus, aber im 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der Industrialisierung, ging es richtig los. Immer mehr Menschen zogen in die Städte und die Hygiene konnte nicht mithalten.

Heute gibt es nach wie vor Typhusfälle in Deutschland. 90 Erkrankte meldet das Robert-Koch-Institut für 2013. Der Großteil der Infizierten ist nicht geimpft - ihre Krankheit wäre also vermeidbar. Denn wir Menschen sind die einzigen Wirte für das Bakterium und so besteht immerhin die Chance, dass die Krankheit durch konsequentes Impfen irgendwann einmal komplett ausgerottet wird.

Cholera

Das Bakterium Vibrio cholerae ist verantwortlich für Cholera. In den Körper gelangt es ebenfalls über verunreinigtes Wasser oder kontaminierte Nahrung. Erkrankte leiden unter plötzlichen Bauchschmerzen, Erbrechen und vor allem extrem starkem Durchfall. Dabei verliert der Körper sehr viel Flüssigkeit - das Robert-Koch-Institut spricht von bis zu 20 Litern pro Tag. Unbehandelt wird das in kürzester Zeit lebensbedrohlich.

Cholera gibt es zwar schon sehr lange, Europa traf es allerdings erst so richtig ab dem 19. Jahrhundert, als russische Truppen die Krankheit einschleppten. Es kam zu mehreren großen Epidemien.

Heute ist Cholera in Europa kaum mehr ein Thema. Zuletzt gab es in Deutschland 2011 vier Fälle - alle fingen sich die Krankheit jedoch außerhalb Europas ein. Ganz anders sieht die Situation in anderen Teilen der Welt aus. Jährlich gibt es laut WHO drei bis fünf Millionen Infizierte, 100.000 bis 120.000 Fälle enden tödlich.

Pocken/Blattern

Zum Glück gibt es sie aber doch: Seuchen, die tatsächlich der Vergangenheit angehören. So gab es den letzten Pockenkranken 1977 in Somalia. Dank Impfungen konnte die WHO die Blattern 1980 für ausgerottet erklären. Allerdings bewahren zwei Labore den Erreger nach wie vor auf.