Was tun, wenn der Operierte bei Bewusstsein ist?
in Kooperation mit
Von Thomas Saum-Aldehoff
Wie begründet ist die Angst, während der Operation wach zu werden?
Die Angst ist nichtganz unbegründet. Doch glücklicherweise tritt ein solches Erwachen während der OP sehr selten auf. Die Wahrscheinlichkeit beträgt etwa 1:1000. Übrigens äußern Patienten vor einer Operation häufiger die umgekehrte Angst: dass sie eben nicht wieder aus der Narkoseaufwachen könnten.
Haben Sie selbst als Anästhesistin schon einmal miterlebt, wie ein Patient während der OP zu Bewusstsein kam?
Ich persönlich nicht, aber ich habe schon einige Patienten getroffen, die dies erlebt hatten und davon berichten konnten.
Man träumt in der Tat auch während der Narkose – aber diese Träume sind anders, sie haben mehr mit der Person des Träumenden zu tun. Wenn hingegen jemand berichtet, er sei während der Operation wach geworden und habe dieses und jenes gehört oder wahrgenommen, wenn er bestimmte Operationsabläufe schildert, dann ist das meist nachprüfbar. Die Patientenschilderungen, die ich gehört habe, waren glaubhaft. Oft berichten die Betreffenden von Ereignissen, die sie sich nicht ausgedacht haben können. Zum Beispiel, dass der Operateur wörtlich sagte: "So, jetzt schneiden wir."
Was bekommen diese Patienten typischerweise mit?
In der Hauptsache sind esakustische Eindrücke, Geräusche und Gesprochenes. Deshalb sollte im OP Ruhe herrschen, und das Personal sollte negativ suggestive Wörter wie "Schmerz", "Krebs" oder "inoperabel" meiden. Manche Patienten spüren auch Berührungen, und bisweilen empfinden sie Schmerzen. Wenn die Patienten ein Mittel zur Muskelrelaxation bekommen haben – was mitunter notwendig ist –, kann es vorkommen, dass sie sich nicht bewegen können, wenn sie wach werden.
Und dann kommt Panik auf?
Ja, ein Gefühl des Ausgeliefertseins. Diese Patienten haben ein erhöhtes Risiko, psychische Verletzungen wie eine posttraumatische Belastungsstörung davonzutragen. Dies ist mit unterschiedlichen Schweregraden bei etwa einem Drittel dieser Gruppe der Fall. Weit geringer ist das Risiko bei jenen, die während der OP zwar wach wurden, jedoch keine Schmerzen hatten und sich bewegen konnten.
13 Meinungen zu "Horror: Aufwachen im OP"
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sodahl
Mittwoch, 27.07.2011, 17:53 Uhr Gut, das sich in der Anästhesie seit 1970 doch einiges getan hat... Manchmal sind Patienten so instabil, das sich nur flache Narkosen machen lassen - das ist ein großer Teil dieser Fälle. Auch häufig sind Kaiserschnitte...hier sind nur wenige Medikamente tauglich... -
zosse
Dienstag, 19.07.2011, 13:13 Uhr Ich bin Medizintechniker im Vertrieb und hatte vor Jahren bereits ein Messgerät aus Dänemark zum Messen der sog. "Awareness" im Sortiment. Damit konnte man als Anästhesist feststellen, ob der Patient zu sich kommt, lange bevor das physisch zu erkennen ist. Leider bin ich damit seitens der Ärzte und Krankenhäuser auf wenig Gegenliebe gestoßen.... Mittlerweile ist das Gerät wohl wahrscheinlich vom Markt. Brachte den Krankenhäusern halt keinen Profit.... Jeder bilde sich selbst seine Meinung :-) Das Thema Sepsis (Blutvergiftung) Bei OPs wird genauso totgeschwiegen. -
Edgarallan
Dienstag, 19.07.2011, 11:32 Uhr Während einer Darmoperation vor zwei Jahren hatte ich "den Traum", Männer in grünen Kitteln wollten mich gerade bei lebendigem Leib ausweiden und ich überlegte mir, wie ich dieser Gefahr entkommen könnte. Ich hielt also die Augen scheinbar geschlossen und beobachtete die Personen, um einen Augenblick zu erwischen, in dem sie etwas unachtsam wären. Nach einigen Anläufen ist mir "die Flucht" auch gelungen. Zwei Tage später traf ich ohne es vorher zu wissen, den Operateur im Flur der Klinik und wollte ihn wegen der Nachbehandlung und dem Entlassungstermin etwas fragen. Jedenfalls sagte er zu mir, sie sind doch der Patient, welcher immer vom OP-Tisch flüchten wollte. Jedenfalls werde ich diesen "Traum" nie vergessen. -
undercovergirl
Sonntag, 17.07.2011, 13:05 Uhr Es ist wirklich ein sch... Gefühl wach zu werden und du kannst nichts machen. Bei mir was es Gott-sei-Dank nicht während einer OP sondern direkt danach. Beim raus schieben aus dem OP-Saal in denn Aufwachraum. Wenn du da nur dumme Sprüche mitbekommst und merkst es stimmt was nicht und du kannst dich nicht melden .... brrrrr... Schlimm ist dann aber auch die Verharmlosung, wenn man den Pfleger oder die Schwester darauf an spricht. Du kommst dir da manchmal vor wie ein Idiot - zumindest wirst du so behandelt. Frei nach dem Motto : "Es kann nicht sein - was nicht sein darf". -
FrechGosch
Freitag, 15.07.2011, 17:07 Uhr Als junge Frau hatte ich eine OP und kam im Aufwachraum zu Bewußtsein. Jemand entfernte mir den Tubus. Allerdings hatte sich das Mittel zur Muskelrelaxation noch nicht genügend abgebaut. Ich konnte nicht selbständig atmen und mich nicht bemerkbar machen. Mein Bett wurde bewegt und diejenigen die es bewegten unterhielten sich miteinander - bemerkten nicht, dass ich nicht atmete. Kurz bevor ich in Schwärze versank hörte ich noch "...sehen Sie denn nicht dass die Frau schon ganz blau ist ?" Ich wurde zurückgebracht und erhielt wieder den Tubus. Als ich die Narkoseärztin am nächsten Tag auf den Vorfall ansprach, wurde das ihrerseits flappsig mit "das müssen Sie geträumt haben" abgetan. Geblieben ist mir eine Phobie vor Narkosen, die sich grundsätzlich beim Aufwachen bemerkbar macht (Luftnot). Leider schenken die Ärzte den Schilderungen der Patienten keinen Glauben. Es hat sehr lange gedauert, bis mir ein freundlicher Arzt erklärt hat, was damals passiert war. -
Philmos
Freitag, 15.07.2011, 12:57 Uhr Jede oder jeder, der bei einer OP aufwacht oder nicht richtig betäubt ist, ist eine oder einer zuviel! Mir erscheint das alles, als viel zu lapidar abgetan, als es für die Betroffenen wirklich ist. Ich weiß genau, wovon ich rede, denn mir ist es so gegangen. Ich war gerade drei Jahre alt, als ich im Krankenhaus unter Kurznarkose beschnitten wurde, also meine Vorhaut entfernt wurde. Das war damals in den 70er Jahren schwer in Mode, sie zu entfernen. Mir hat damals keiner geglaubt, auch sah keiner, daß ich schwer traumatisiert war, ich war einfach nicht mehr so fröhlich wie vorher. Von professioneller Hilfe keine Spur. Ich habe mir dann als Erwachsener selbst geholfen vor allem mit Yoga. Pyschologen brachten mir nichts. Seit damals hatte ich Allergien und Asthma, die erst mit Yoga wieder weggingen, klarerweise kam dadurch das alte Trauma wieder hoch, was alles als angenehm ist, wenn man voll im Berufsleben steht... Ich kann Ärzte nur davor warnen, was sie mit ihren Praktiken bei Menschen anrichten können. Für weitergehende Fragen stehe ich gerne zur Verfügung. LG, Phil.
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