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21.12.2011, 10:43 Uhr

Weihnachtsduft mit Nebenwirkungen

Räucherstäbchen und Duftkerzen lösen schlechte Gerüche geradezu in Luft auf. Doch ihre Nebenwirkungen sind kaum wissenschaftlich untersucht

Ein, zwei Sprühstöße - und schon duftet der ganze Raum betörend nach Orange, Vanille, Nelken, Zimt. Manche Menschen holen sich das Weihnachtsgefühl einfach per Raumspray, Duftkerzen oder Räucherstäbchen nach Hause. Einmal abgesehen vom durchaus penetranten Geruch mancher Luftverbesserer - schaden sie der Gesundheit? Eigentlich schwer vorstellbar, denn in vielen stecken natürliche Substanzen wie Zitrone, Vanille oder Lavendel. Mehr als 2500 Duftstoffe können in den verschiedenen Produkten enthalten sein, ein einziges Spray kann auf mehrere Hundert kommen. "Man kann nicht davon ausgehen, dass die darin enthaltenen Stoffe ungefährlich sind", warnt Volker Mersch-Sundermann, Direktor des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene an der Uni Freiburg. "Bisher wurde das viel zu wenig untersucht."

Effekte kaum untersucht

Eigentlich muss der Hersteller gewährleisten, dass die Stoffe die menschliche Gesundheit nicht schädigen. Duftkerzen und Co unterliegen dem sogenannten Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetz. "Die Substanzen müssen aber nicht wie Medikamente geprüft und zugelassen werden", weiß Bernd Schäfer vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin. Auch müsse der Hersteller die Inhaltsstoffe nicht veröffentlichen. Die meisten Substanzen gehören zu den so genannten Altstoffen, die vor 1981 auf den Markt kamen. Nur die danach entwickelten Substanzen müssen auf ihre Sicherheit getestet werden.

Geprüft werden etwa die chemischen Eigenschaften, zum Beispiel ob die Stoffe die Haut reizen oder dort eine Allergie auslösen können. "Daten haben wir aber nur zu weniger als 100 Duftstoffen", sagt Schäfer. "Die Effekte auf die Atemwege wurden kaum untersucht, und wir wissen auch nicht, was passiert, wenn verschiedene Stoffe gemischt werden."Nach der neuen EU-Chemikalienordnung REACH müssen Hersteller, die Stoffe in einer Menge von mehr als zehn Tonnen pro Jahr produzieren, jetzt umfangreiche Daten zu deren Sicherheit abgeben. Allerdings wird mehr als die Hälfte der Duftstoffe in geringeren Mengen hergestellt. Und für diese müssen die Firmen weiterhin nur wenige Daten liefern.

Allergie beim Kontakt

Die Substanzen könnten vor allem auf zwei Arten Probleme verursachen. "Zum einen durch eine Allergie, zum anderen durch eine direkte Schädigung der Atemwege", sagt Bernadette Eberlein, Allergologin und Umweltmedizinerin an der TU München. Duftstoffe sind eine der häufigsten Ursachen für eine Kontaktallergie. Kommt eine Person direkt mit der Substanz in Berührung, reagiert die Haut mit einem rötlichen, juckenden Ausschlag. "Eine allergische Reaktion auf eingeatmete Duftstoffe konnten wir  bislang aber bei keinem Patienten nachweisen", so Eberlein.

Wahrscheinlicher wäre eine andere Reaktion: Der Duftstoff könnte bei der Aufnahme über die Lunge ins Blut gelangen und einen Kontakt-Allergie-Ausschlag auslösen. Hinweise dafür gibt eine Studie mit 21 Probanden. Von elf Teilnehmern mit einer bekannten Kontaktallergie gegen den Stoff Isoeugenol bekamen zwei Probanden einen Ausschlag, nachdem sie hohe Konzentrationen des Duftstoffs eingeatmet hatten. Wurde das Experiment mit geringeren, realistischen Konzentrationen wiederholt, blieb der allergische Effekt allerdings aus.

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"Bio heißt nicht gesünder"

Einige Duftstoffe gehören zu den flüchtigen organischen Verbindungen (volatile organic compounds, VOC). Das sind kohlenstoffhaltige Substanzen, die leicht verdampfen oder schon bei geringen Temperaturen als Gas vorliegen. Sie stammen zum Beispiel aus Reinigungsmitteln, Farben, Möbeln, Tapeten - oder eben aus Duftsprays. VOC können künstlich hergestellt oder natürlich sein, zum Beispiel Limonene, Kampfer oder Menthol. Diese sind in einigen Sprays aus dem Bioladen enthalten. "Bio heißt nicht immer gesünder", sagt Michael Arand, leitender Toxikologe an der Universität Zürich. Im Gegenteil: "Das stärkste Gift, Botulinumtoxin, ist zum Beispiel natürlichen Ursprungs, und die meisten Allergien richten sich gegen Stoffe aus der Natur."

Studien zeigen, dass VOC die Haut empfindlicher für allergieauslösende Stoffe machen. "Atmet man VOC-Duftstoffe ein, gegen die man eine Kontaktallergie hat, kann das die Beschwerden auf der Haut verschlimmern", sagt Mersch-Sundermann. Außerdem könnten VOC die Atemwege so reizen, dass eine Allergie gegen Pollen oder Hausstaubmilben eher ausbreche.

Ausmisten und entstauben

Wer also auf Nummer sicher gehen möchte, verzichtet auf den Weihnachtsduft aus der Sprühflasche – vor allem, wenn er eine Allergie oder Asthma hat. "Gesunde Menschen können aber ruhig gelegentlich Weihnachtsduft sprühen, wenn sie unbedingt möchten", sagt Toxikologe Arand. "Auch wenn wir wenige Daten haben: Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Duftstoffe über die Luft dem Menschen schaden." Für Leute, die sprühen, weil sie den Mief nicht mehr ertragen, hat Umweltmediziner Mersch-Sundermann einen gesunden und einfachen Tipp: "Ausmisten und entstauben. Je voller eine Wohnung ist, desto mehr Staub kann sich ablagern - daran haften die Geruchsstoffe." Ein leeres Designer-Wohnzimmer ist geruchstechnisch also meist besser als eine vollgestopfte Studentenbude.Beim Lüften gilt: Lieber kurz und öfter als Dauerlüften, am besten Durchzug. Und wem es dann immer noch stinkt: "Gelassen bleiben und lieber eine Stunde an der frischen Luft spazieren gehen", rät Mersch-Sundermann – "da gibt´s dann auch gesunden Tannenduft gratis."Dr. med. Felicitas Witte ist Ärztin und freie Journalistin, sie lebt in Basel.

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4 Meinungen zu "Guter Duft oder schlechte Luft?"

  • Engel70
    Mittwoch, 21.12.2011, 16:16 Uhr
    Ich finde es bedenklich, auch nur annäherungsweise zu behaupten, dass "schlechte Luft" oder Gerüche durch Sprays "entfernt" oder "in Luft aufgelöst" werden können. Duftsprays wirken gegen Gestank so wie laute Musik gegen Straßenlärm. Das kann gar nicht gesund sein. Ein Pups stinkt, weil Moleküle aus einem Hintern den Weg in deine Nase finden. So unangenehm wie simpel und wahr.
  • Harry1972
    Mittwoch, 21.12.2011, 16:12 Uhr
    Einfach Orangenscheiben mit Gewürznelken spicken und auf die Heizung legen. Schon duftet die Bude weihnachtlich.
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