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18.01.2012, 10:28 Uhr

Rechter Arm im Gips: Hirn wird rasch zum "Linkshänder"

Zürich (dpa) - Schon nach zweiwöchiger Ruhestellung einer Hand passen sich die zuständigen Gehirnregionen an den erzwungenen Wechsel an.

"Die Ruhigstellung der rechten Hand verändert in Kürze die sensorischen und motorischen Hirnareale", wird Studienautor Nicki Langer von der Universität Zürich in einer Mitteilung der Uni zitiert. Die graue und weiße Hirnsubstanz der Areale in der linken Hirnhälfte - die die ruhiggelegte rechte Hand kontrollieren - nehme ab. Die Hirnsubstanz der rechten motorischen Areale, die die untergeordnete linke Hand steuert, wachse.

Die Neuropsychologen hatten zehn Rechtshänder mit gebrochenem rechten Oberarm untersucht. Wegen des Gipses konnten sie 14 Tage lang ihre rechte Hand nicht oder nur wenig bewegen. Zum Essen, Zähneputzen oder Schreiben benutzten sie ihre linke Hand. Die Hirnstruktur der Testpersonen wurde 48 Stunden nach der Verletzung und 16 Tage nach der Ruhigstellung mittels Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) analysiert. Die Studie erschien im Fachjournal "Neurology".

Graue und weiße Hirnsubstanz wurden analysiert, die Dicke der Hirnrinde berechnet und die Feinmotorik der linken, freibeweglichen Hand gemessen. Die zuständigen Hirnareale in der linken Gehirnhälfte seien deutlich geschrumpft, sagte Studienautor Nicki Langer. Das habe bei der Steuerung (Motorik) für alle zehn und bei der Wahrnehmung (Sensorik) für acht der zehn Versuchspersonen gegolten. Die Geschwindigkeit des Prozesses sei überraschend.

Die Hirnsubstanz der motorischen Bereiche in der rechten Hirnhälfte dagegen wachse, die Feinmotorik der linken Hand verbessere sich, so Langer. Interessant seien die Ergebnisse für die Therapie von Schlaganfällen, nach denen der unbeschädigte Arm ruhiggestellt werde, um den betroffenen Arm und das entsprechende Hirnareal zu stimulieren. Die Studie zeige, dass diese Therapie sowohl positive als auch negative Effekte habe, sagte Langer.

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  • Lemming234
    Donnerstag, 19.01.2012, 08:10 Uhr
    Dann wird eine Arbeitskollegin von mir sicher ihr gesamtes Hirn abbauen weil die Ärmste 16 Wochen eingegipts ist!
  • Elkamo
    Mittwoch, 18.01.2012, 16:23 Uhr
    Wie Puma richtig schreibt: Alles geht vom Gerhirn aus, fast alles. So weiß ich z. B. nicht, weshalb sich nach einem gezogenen Zahn, der nicht durch ein Implantat ersetzt wird, sprich wieder durch Kauen belastet wird, die Knochensubstanz zurückbildet. Hier kann ich, als Laie zumindest, nur ganz allgemein schwafeln: Was nicht gebraucht wird, wird von der Natur "zurückgenommen". Ebenso verhält es sich mit Muskeln, die nicht betätigt werden. Ansonsten läuft jede Motorik über das Gehirn ab! Jemand kann noch so viele Fingerübungen machen, selbst die Partitur verstehen, dann wird er noch lange nicht zum bedeutenden Pianisten! Es ist ein besonderes Talent, wenn das Gehirn die Motorik (Fingerbewegungen) so steuert, dass auch eine sehr komplexe Partitur richtig auf das Klavier "übertragen" wird, damit das Musikstück im Sinne des Komponisten richtig zu hören ist. Ein Fußballer, egal wie bescheiden oder auch sehr hoch der IQ ist, muss eines ganz besonders können: blitzschnell reagieren (Abläufe im Gehirn!), damit er mit seiner Motorik den Ball erwischt und richtig abschießt. Ohne gute Reaktion so gut wie kein Torschuss. Zu allem gehört das Training, ob Klavier, Fußball, sonstige Sportart. Man trainiert dabei immer auch das Gehirn mit, niemals stereotyp nur die Muskeln. Auch für jeden Nicht-Profi ist das Trainieren der eigenen Motorik wichtig. Viel Bewegung bringt nicht nur eine gute Muskulatur, sondern dient auch einer viel besseren Sauerstoffaufnahme! Der gesamte Körper und eben auch das Gehirn braucht viel Sauerstoff. Wer zuviele Pfunde hat und sich neben Bewegung vor allem um eine Ernährungsumstellung bemühen muss: ALLES beginnt im Kopf = Gehirn! Den "äußeren Kopf" kann man gerne auch für den Friseur benutzen, lol, aber für´s Gehirn muss man selbst etwas tun. Natürlich nicht nur durch Körperbewegung, ist ja wohl klar.
  • schieber1
    Mittwoch, 18.01.2012, 16:00 Uhr
    Komisch, ich habe gar nicht bemerkt, daß unser Hosenanzug Arme und Beine in Gips hat. Wirkt das bei der Frau auch anders. Sensorik und Motorik verändern sich................, aber doch nicht immer nur ins Negative.
  • Puma1949
    Mittwoch, 18.01.2012, 14:25 Uhr
    Das ist den Leuten scheint's noch immer unheimlich, dass unser Gehirn sich STÄNDIG verändert, lernt, unnötiges nach hinten schiebt, aber behält und im Bedarfsfall wieder an die Oberfläche holt. Von rein geistigen Dingen einmal abgesehen - wie wäre es sonst möglich, eine neue Sportart zu erlernen oder sich auch nur an neue Schuhe zu gewöhnen, deren Absätze niedriger oder höher sind als üblich? Wir würden uns doch beim ersten Schritt erschlagen, wenn sich das Gehirn nicht sofort anpassen würde!

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Sie lesen gerade: Gipsarm verändert Gehirn. Innerhalb von nur zwei Wochen passen sich Sensorik und Motorik an.