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18.01.2012, 16:46 Uhr

Tamiflu hat schwerere Nebenwirkungen als gedacht in Kooperation mit WELT Online

Eine Analyse bisher noch nicht veröffentlichter Daten schürt Zweifel an Tamiflu: Nebenwirkungen sollen von den Herstellern verschwiegen worden sein.

Von Pia Heinemann

Spätestens seit seiner Markteinführung in der EU im Jahr 2002 hat das Grippemittel Oseltamivir, besser bekannt als Tamiflu, eine gigantische Karriere hingelegt. Da die Weltgesundheitsorganisation (WHO) es als Mittel bei einer Grippeepidemie empfiehlt, haben Gesundheitsbehörden auf der ganzen Welt Milliarden Euro ausgegeben, um das Medikament für den Ernstfall einzulagern.

Denn es soll die Dauer einer Influenzagrippe um einen Tag verringern, bewirken, dass die Grippe harmloser verläuft, und gefährliche Komplikationen wie Lungenentzündungen verhindern. Tamiflu bremst die Vermehrung der Influenzaviren im Körper – und soll deshalb eine Ausbreitung der Influenzaviren in der Bevölkerung verhindern helfen. Kurzum: Es gilt als die Waffe gegen Grippeepidemien und -pandemien.

Nun stellt aber eine Untersuchung der Cochrane Collaboration unter Leitung von Tom Jefferson fest: Die Daten, die über die Effizienz und Verträglichkeit des Medikamentes veröffentlicht wurden, sind zu positiv. Das zeigten bislang unveröffentlichte Unterlagen zu klinischen Studien des Herstellers Roche.

Verharmloste Nebenwirkungen

Die Forscher konnten zwar bestätigen, dass das Mittel die Dauer der Erkrankung von sechs bis sieben Tagen um durchschnittlich 21 Stunden senkt. Nicht nachvollziehen konnten sie aber, dass Tamiflu Komplikationen einer Grippe verhindert oder die Ansteckungsgefahr senkt.

Das Mittel ist demnach weniger wirksam und hat schwerere Nebenwirkungen als angegeben. Obwohl in einigen Studien psychische Beeinträchtigungen und Störungen des Nervensystems aufgetreten waren, sei dies nicht veröffentlicht worden, schreibt das Team im Fachmagazin "Cochrane Database of Systematic Reviews". Stattdessen lese man in den beiden am häufigsten zitierten Veröffentlichungen: "Es gab keine durch das Mittel verursachten schweren Nebenwirkungen."

Dass dem Grippemittel bislang Ungefährlichkeit und Effektivität attestiert wurde, liegt an einer Metaanalyse von zehn klinischen Studien, die 2003 veröffentlicht wurde. Zurückgreifend vor allem auf die Daten dieser Analyse, hatte die Cochrane Collaboration im Jahr 2006 festgestellt, dass Tamiflu die Komplikationen einer Influenza reduzieren könne.

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Studien von Ghostwritern geschrieben

Doch dann kamen Zweifel auf, denn nur zwei der zehn untersuchten Studien waren unabhängig publiziert worden. Im "British Medical Journal" bestätigt Roche, dass Studien von Ghostwritern geschrieben wurden.

Somit entschied die Cochrane Collaboration 2009, nur die Daten dieser beiden unabhängigen Studien auszuwerten. Das Ergebnis: Mit Tamiflu erlitten Grippekranke ebenso häufig Lungenentzündungen und schwere Krankheitskomplikationen wie ohne das Mittel.

Um zu klären, ob der "Hype" um Tamiflu berechtigt ist oder ob es nicht hält, was der Hersteller verspricht, untersuchte die Cochrane Collaboration dann nicht die bereits publizierten Daten, sondern nur Rohdaten aus klinischen Studien. Die meisten Daten erhielten sie von der Europäischen Arzneimittelagentur.

Notfall-Grippemittel der WHO

Das Ergebnis war ernüchternd: Die Quote der Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Lungenentzündungen und anderer schwerer Grippekomplikationen sank nicht durch Tamiflu. Die Nebenwirkungen des Medikamentes hingegen, etwa Kopfschmerzen oder psychische Probleme, traten häufiger auf als auf dem Beipackzettel angegeben.

"Für Aussagen, nach denen Tamiflu die Übertragung des Influenzavirus hemmen und schwere Komplikationen bei Grippepatienten verhindern soll, haben wir in den von uns geprüften Daten keinerlei Grundlage gefunden", schreiben Tom Jefferson von der Cochrane Collaboration in Rom und seine Kollegen. Genau diese vom Hersteller proklamierten Effekte seien aber der Grund, warum die WHO Tamiflu als Notfall-Grippemittel bei Epidemien und Pandemien empfehle, betonen die Forscher.

Noch weitere unveröffentlichte Daten

Ein Punkt, über den sie sich besonders ärgern, ist, dass sie nicht alle Daten zu den klinischen Studien der Phase III zur Verfügung hatten. Beispielsweise kämen sie nicht an die Daten einer der größten jemals durchgeführten Tamiflu-Studien an 1400 Menschen heran. Auch Studien, bei denen Tamiflu im Vergleich zu Scheinmedikamenten (Placebos) geprüft wurde, seien unveröffentlicht.

"Wir haben Sorge, dass diese Daten der wissenschaftlichen Gemeinschaft verschlossen bleiben und damit auch nicht überprüfbar sind", sagt Jefferson.

Bei einem Medikament mit dieser Bedeutung im Seuchenfall sei es notwendig, alle Belege zu positiven und negativen Wirkungen unabhängig zu prüfen. Nur dann könne man ein vollständiges Bild darüber gewinnen, wann und für wen ein solches Mittel einzusetzen sei.

© WELT Online

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  • warteschleife
    Freitag, 20.01.2012, 17:55 Uhr
    Nanü.Nana,woher kommt diese Erkenntnis auf einmal`?
  • kultbruder
    Freitag, 20.01.2012, 13:58 Uhr
    TierfreundlicherMensch | 104 Beiträge ZU : StevePull | 151 Beiträge Das Wort "Vegetarier" ist indianisch und bedeutet: "Zu blöd zum Jagen." :) .......................................................... Fleischesser heißt " zu faul für Gemüse zu ernten.." Und in einem anderen Dialekt... Fleischesser = " Hat Herz aus Stein....kein Mitgefühl für Schwächere" @: Und was machst Du mit den Würmern im Salat, und warum frisst Du den Kaninchen die Möhren weg, oder den Schnecken den Salat? Natur lässt sich nicht verleugnen, Allesfresser müssen auch alles fressen, um gesund zu bleiben. Mir tun die Vögel leid, denen Du das Getreide wegnimmst bis sie verhungern
  • kultbruder
    Freitag, 20.01.2012, 08:13 Uhr
    Da die Pharmaindustrie ein ungeeignetes Produkt geliefert hat, sollten die Länder, denen der Müll zu überhöhten Preisen angedreht worden ist, mindestens das Geld zurück fordern, wenn nicht sogar Strafanzeige wegen Betrugs erstatten. Das gilt im übrigen auch für die Personen, die sich da Mittel zugelegt haben (ggf. für die Krankenkassen, die die Kosten dafür übernommen haben. Es wäre sehr gut für das Defizit bei Staaten und Versicherungen.
  • Rabena
    Donnerstag, 19.01.2012, 17:30 Uhr
    "Tamiflu wirkt schlechter und hat mehr Nebenwirkungen als gedacht. " Na wer hätte das gedacht!? oO
  • Bone322
    Donnerstag, 19.01.2012, 15:52 Uhr
    HeinrichderLoewe das nicht...aber es war von vorne bekannt das sie nicht so schlimm ist..da ärzte aus der ganzen welt es gesagt haben nur in den medien von tv oder zeitung wurde da nicht berichtet..ich wurde hier niedergemacht weil ich vor den nebenwirkungen gewarnt habe und gesagt habe ich lasse mich nicht impfen... musste mir hier sachen anhören das ich unverantwortlich wäre und alle in meiner umgebung schaden würde wenn ich mich nicht impfen lasse usw... ich bin kein strikter impfgegener aber ich bin der meinung mann muss nicht jeden scheiss einnehmen..ich nehme auch keine kopfschmerztabletten oder sonst was ausser es geht nicht anders...aber in der heutigen zeit sterben mehr leute durch medikamente als sonst was...
  • Quin35
    Donnerstag, 19.01.2012, 14:21 Uhr
    Möglicherweise hat Tierfreund durch die ganzen Pestizide und Gen-Manipulationen auf seinem "gesunden" Gemüse ein bisschen was abbekommen...

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