Die wahren Übeltäter
Im Laufe des Lebens werden nicht nur die Gelenke, sondern auch die Blutgefäße steifer und außerdem enger - sie verkalken. Das stört die Funktion der Gefäße und ist die Hauptursache für Schlaganfall und Herzinfarkt.
Lange Zeit glaubten Mediziner, dass die glatten Muskelzellen, die den Hauptbestandteil der Blutgefäßwände bilden, in Kombination mit Blutfetten eine solche Arteriosklerose verursachen. Ein großer Irrtum, wie sich nun zeigt: "Tatsächlich stecken spezielle Stammzellen hinter dem Phänomen", berichtet Studienleiter Song Li vom Berkeley Stem Cell Center im Gespräch mit NetDoktor.de. Bislang war nicht einmal bekannt, dass sich auch in den Gefäßen Stammzellen befinden.
Die Studie erschüttert somit nicht nur eine herrschende Lehrmeinung, sie könnte auch die Behandlung der Arteriosklerose revolutionieren. "Erst jetzt haben wir für die Therapie das richtige Ziel im Visier", erklärt der Bioingenieur.
Versteifte Gefäßwände
Insgesamt herrscht schon lange Einigkeit darüber, dass die Ansammlung von gefäßverstopfenden Plaques bei Arteriosklerose Folge einer Reaktion des Immunsystems auf Gefäßschäden ist. Solche Schäden, die beispielsweise durch Cholesterin verursacht werden, rufen die weißen Blutkörperchen auf den Plan. Ihre Aktivitäten führen dazu, dass sich das Gewebe der Blutgefäße verändert und vernarbt - wie genau das passiert, war unbekannt.
Man nahm aber an, dass es die glatten Muskelzellen sind, die sich durch den Einfluss von Entzündungsreaktionen verändern und verhärten. Tatsächlich beobachtet hatte man das jedoch noch nie. Das Team um Li stand dieser Hypothese daher skeptisch gegenüber.
Leuchtspuren im Gewebe
Auf die Spuren der wahren Übeltäter kamen die Forscher dann durch einen gentechnischen Kniff: Sie schleusten Leuchtmoleküle in die glatten Muskelzellen von Mäusen, sodass diese unter dem Mikroskop grün schimmerten. Proben aus der mittleren Gewebsschicht der Blutgefäßwände zeigten, dass die leuchtenden glatten Muskelfaserzellen tatsächlich rund 90 Prozent des Gewebes ausmachten - zumindest anfangs.
Nach einem Monat im Labor beobachteten die Forscher, dass sich zahlreiche starre Fasern ausgebildet hatten. Doch diese leuchteten nicht - und konnten daher unmöglich von den glatten Muskelzellen abstammen. Weitere Analysen ergaben zudem: Bestimmte Zellen der Kultur hatten die Fähigkeit, neben glatten Muskelfasern auch ganz andere Zelltypen auszubilden, darunter Fett-, Knochen- und Knorpelzellen. Eine solche Wandlungsfähigkeit ist eine Eigenschaft, die nur Stammzellen besitzen.
Wie sich zeigte, enthielten die neu entstandenen Strukturen tatsächlich bestimmte Proteine, die ausschließlich in Stammzellen vorkommen. "Keiner hatte eine Ahnung, dass Stammzellen in den Blutgefäßen existieren, weil bisher niemand nach ihnen gesucht hat", so Li.
Offenbar befindet sich der neu entdeckte Stammzelltypus normalerweise in einem Ruhestadium. Erst wenn die Wände der Gefäße beschädigt werden, werden auch die Stammzellen aktiviert, beginnen sich zu teilen und führen dann womöglich in vorangeschrittenen Stadien der Arteriosklerose zu den typischen Verhärtungen der Gefäßwände. "Die Fähigkeit der Stammzellen Knochenzellen zu bilden, könnte genau diese Verkalkung der Blutgefäße erklären", meint Li.
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Geklärter Kalk
Das gilt offenbar nicht nur für Mäuse, sondern auch für Menschen. Einmal auf der richtigen Fährte, fanden die Wissenschaftler auch im arteriellen Gewebe von Menschen solche wandlungsfähigen Stammzellen. "Vielleicht wird es nicht gelingen, den Prozess der Arteriosklerose wieder umzukehren. Aber wir haben nun endlich den richtigen Ansatzpunkt für eine vorbeugende Therapie gefunden", erklärt Li. Damit ließe sich verhindern, dass es überhaupt zu den gefährlichen Verkalkungen kommt.
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Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von NetDoktor.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
47 Meinungen zu "Studie erschüttert Fachwelt"
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ichmeinejanur
Dienstag, 12.06.2012, 17:37 Uhr @IchMagWerder "In der Hinsicht können sich die Geisteswissenschaften übrigens immer noch was von den Naturwissenschaften abschauen..." Man kann allerdings schon den Bezeichnungen entnehmen, dass erstere sich mit Ideen und ihren möglichen Resultaten beschäftigen, während letztere auschließlich an physischen Objekten interessiert sind. Beweisführungen gibt es auch in den Geisteswissenschaften. Sie werden mithilfe der Logik angestellt und ich wüßte wirklich nicht warum das weniger Geltung haben sollte, als Zahlenwerte? An Deiner Argumentaton erkennst Du doch schon gut, wie wenig Du das Dogma naturwissenschaftlichen Wahrheitsanspruches hinterfragst. Schon mal überlegt wodurch die Forscher denn überhaupt auf die IDEE kommen, bestimmte Zusammenhänge genauer unter die Lupe zu nehmen. Das lesen sie nicht einfach an der materiellen Welt ab, sondern da spielen Dinge wie Sozialisation, Kultur und Tradition eine nicht unwesentliche Rolle. Und gegenwärtig dürften wirtschaftliche Interessen ein Hauptmotivator für solche Geistesblitze sein. Im Gegensatz zu geisteswissenschaftlichen Theorien, die nur äußerst selten direkt in die Praxis umgesetzt werden sollen, haben naturwissenschaftliche Erkenntnisse recht zügig erhebliche Auswirkungen auf die Menschen. Vor allem, wenn es um medizinische Erkenntnisse geht. Warum beeilt man sich dort immer so sehr um schnellstmögliche Anwendung? Weil es dafür sehr viel Geld von den verwertenden Unternehmen gibt. Womöglich dauert es deshalb auch häufig so erstaunlich lange, bis sich ein Forscher einmal traut, gegen die herrschende Meinung zu forschen. -
ichmeinejanur
Dienstag, 12.06.2012, 17:25 Uhr @ich13 Ich will Dir deinen Enthusiasmus für deine geplante Karriere als Bioingenieur [sic!] nicht nehmen. Du könntest mir deiner Arbeit Leben rette oder unbeabsichtig gefährden oder gar zerstören, je nach momentaner Theorielage des Glücksrades Wissenschaft. Dass es keine Allwissenheit gibt und daher der Menschheit nichts anderes übrig bleibt, als spontan auftretenden Ideen nachzuforschen und Irrwege auszuloten, ist mir auch klar. Aber diese Theorien dienen schließlich nicht einfach nur der Wahrheitssuche, sondern werden alsbald in monetären Gewinn überführt. Was ist denn mit den jahrzehntelang falsch behandelten Menschen, die nebenwirkungsreiche Medikamente erhielten, nur leider ohne Wirkung, da man ja einer falschen Theorie nachhing? Haben die Wissenschaftler und Ärzte da die ganze Zeit fleißig Leben gerettet? Wissenschaft irrt und zwar planmäßig, denn nur über erkannte Irrtümer kann sie sich weiterentwickeln. Das sollte sich aber tunlichst unabhängig von wirtschaftlichen Interessen vollziehen. Dir ist sicher auch bekannt, dass Wissenschaft schon seit geraumer Zeit und in zunehmendem Maße von der Drittmittelwerbung abhängig ist? Also neben Steuergeldern und Forschungsstiftungen auch Gelder aus direkten Forschungsaufträgen der Industrie rekrutieren muss. Gerade der Bereich sogenannter "Lebenswissenschaften" ist davon stark betroffen. Herr Li wird sich auch nicht nur über die neuen fachlichen Erkenntnisse freuen, sondern ebenso darüber eine äußerst lukrative Entdeckung gemacht zu haben. Diese wird dann alsbald in konkrete Therapiemaßnahmen umgesetzt und solange an Patienten praktiziert, bis man leider feststellt, dass man doch auf dem Holzweg war. Pech für die Patienten, aber verdient haben alle anderen trotzdem extrem gut daran. Warum ist die Wissenschaft an allen möglichen Details der Welt interessiert, nur leider nicht an ihrer Unabhängigkeit? Weil man mit viel Zaster noch schneller und besser Leben retten kann? -
Aradia12
Dienstag, 12.06.2012, 15:51 Uhr Okay! Hab da gerade Müll geschrieben! Aterienverkalkung kann Bluthochdruck verursachen, da die Versteifung der Arterien das auslösen! Aber der Sinn passt trotzdem nicht, wenn man Hypertonie bei den Forschern schreibt! Da man hier nicht davon aus gehen kann das die schon verkalkt sind! XD -
Aradia12
Dienstag, 12.06.2012, 15:44 Uhr @Syngenor Hypertonie ist der Bluthochdruck und passt daher ganz sicher nicht zu deiner Ausführung! Es nimmt ihn dem Sinn! -
ErstDenk
Dienstag, 12.06.2012, 14:58 Uhr Der einzig sinnvolle Beitrag kommt von 1982icke. Es ändert sich erstmal gar nichts an den allgemeinen Ratschlägen zur Präventation denn der Auslöser des schadhaften Prozesses hat sich nicht geändert, nur der sich daran anschließende Prozeß der Folgeschäden sieht wohl anders aus als es die bisherigen Theorien unterstellten. Damit werden andere Behandlungsansätze erforderlich und hoffentlich ergeben sich in Zukunft auch bessere/zusätzliche Präventionsmöglichkeiten . Das ändert wie gesagt nichts daran daß man vermeiden muß die Primärschäden auszulösen. Und das tut man durch entsprechendes Verhalten (Essen, Bewegung usw.) -
Dubi1101
Dienstag, 12.06.2012, 14:23 Uhr Scheiße. Was ist jetzt mit den ganzen Medikamenten, wenn doch alles wieder auf genetische Strukturen basiert und nicht auf die ungesunde Lebensweise, die der Pharma Industrie satte Gewinne beschert. -
Erdenbewohner
Dienstag, 12.06.2012, 13:14 Uhr Da fällt mir ein - es gab Zeiten, da hat man im Kampf schwer verwundete (mit hohem Blutverlust etc.) zur Ader gelassen, damit die "schlechten Säfte" den Körper verlassen können und die Wunden schneller heilen. Das muß sich ja auch irgendwer mal ausgedacht und ausprobiert haben. Damals eine offizielle Behandlung über die niemand gespottet hat. Es müssen einige überlebt haben, sonst hätte es sich nicht so lang gehalten. Im nachhinein schwer vorstellbar wenn aus heutiger Sicht für uns logische Zusammenhänge nicht erkannt wurden.
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