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11.12.2012, 10:58 Uhr

Zappelphilippe: Oft Sauerstoffmangel bei der Geburt

Trotzig, sprunghaft und rastlos - Kinder mit ADHS können die Welt um sich herum gründlich durcheinander bringen. Die Störung gilt als angeboren, sie kann aber auch durch Sauerstoffmangel vor oder während der Geburt ausgelöst werden, wie eine jetzt veröffentlichte Studie aus Kalifornien zeigt.

Atemnotsyndrom besonders riskant

Für ihre Untersuchung werteten die Forscher die elektronischen Krankenakten von rund 82.000 Kindern zwischen fünf und elf Jahren aus. Sie wollten wissen, ob bestimmte Ereignisse während der Schwangerschaft oder Geburt die Entstehung einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) begünstigen können.

Justin kann eine Regelschule besuchen - normal ist das nicht. >

Dabei entdeckten sie, dass Kinder, die während der Geburt einem extremen Sauerstoffmangel (Asphyxie) ausgesetzt waren, ein 26 Prozent höheres Risiko hatten, später zu "Zappelphilippen" zu werden. Beim Neugeborenen-Atemnotsyndrom stieg das Risiko sogar um 47 Prozent, bei der Präeklampsie, einem Schwangerschafts-Bluthochdruck der Mutter, war es um 34 Prozent erhöht.

Frühe Diagnose wichtig

Auch Frühgeburten oder komplizierte Entbindungen mit einer Steiß- oder Seitenlage des Kindes und Komplikationen mit der Nabelschnur brachten die Forscher mit einem gesteigerten ADHS-Risiko in Verbindung. "Unsere Studienergebnisse könnten dazu beitragen, dass Kinderärzte entsprechend gefährdete Neugeborene rechtzeitig erkennen und entsprechend beobachten. Eine frühe Diagnose und Behandlung des ADHS hat mehr Aussichten auf Erfolg", sagt Studienleiter Darios Getahun.

Kinder mit ADHS fallen bereits im Säuglingsalter durch lange Schreiphasen, motorische Unruhe, Trink- oder Schlafstörungen auf. Im Schulalter haben ADHS-Kinder Probleme sich zu konzentrieren, gelten als sprunghaft und unberechenbar. Oftmals reicht die Störung bis ins Jugend- oder sogar Erwachsenenalter hinein und macht sich dann durch erhöhte Aggressivität, Lustlosigkeit, Konzentrationsschwäche, Ängste und Depressionen sowie eine erhöhte Anfälligkeit für Suchterkrankungen bemerkbar.

Spezialisten gefragt

In den vergangenen Jahren erlebte die Diagnose ADHS einen regelrechten Boom, ihre Formenvielfalt erschwert jedoch eine sichere Abgrenzung von anderen Entwicklungs- und Verhaltensstörungen. Eltern, die bei ihrem Kind eine entsprechende Störung vermuten, sollten deshalb Kinderärzte oder -psychiater aufsuchen, die mit dem Krankheitsbild besondere Erfahrung haben.

Die Selbsthilfeorganisation ADHS Deutschland e.V. schätzt, dass etwa fünf Prozent aller Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren an ADHS leiden. Je nach Ausprägung kann die Behandlung ein spezielles Verhaltens- und Gruppentraining, Training zur Selbstwahrnehmung oder eine Sporttherapie beinhalten. Auch der Einsatz bestimmter Medikamente kommt infrage. Eltern und Erzieher sollten eng in die Behandlung einbezogen werden. (jr)

Quelle: Darios Getahun et al.: "In Utero Exposure to Ischemic-Hypoxic Conditions and Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder", Pediatrics (online first), Oct. 10, 2012

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Alle News vom: 11. Dezember 2012 Zur Übersicht: Gesundheit

9 Meinungen zu "ADHS wegen Sauerstoffmangel "

  • Tiffy64
    Dienstag, 11.12.2012, 14:45 Uhr
    Also nicht jedes lebhafte und aufgeweckte Kind hat gleich ADHS, auch wenn die Lehrer das gerne so sehen und es ruhig gestellt haben möchten. Und selbst wenn ein Kind das hat, bedeutet es nicht gleich den Weltuntergang, man ist als Eltern halt nur mehr gefragt, und vor allem da drin, das Kind vor den guten Ratschlägen der anderen zu schützen.! In der Studie fehlt z. B. das die Kinder oft auch übertragen sind, ca. 8-14 Tage, sie sind als Babys viel wach und wollen alles mitkriegen, schlafen aber dafür (wenn sie mal schlafen!) nachts ziemlich bald durch. Aber tagsüber....lustiges Programm ist gefragt. Meine Tochter wurde mit 10 Jahren ADHS diagnostiziert, ich weiss wovon ich rede! Man darf aber auch nicht vergessen, und sich das immer vor Augen halten, dass diese Kinder auch viele gute Eigenschaften haben, sie sind meistens extrem tierlieb, begeisterungsfähig, unermüdlich in ihren Sachen die sie gerne machen und in den meisten Fällen hochintelligent, deshalb langweilen sie sich im Regelschulbetrieb bald und machen lieber ihr Ding, und das gibt Konflikte. Die wenigsten Lehrer sind bereit, sich auf diese wunderbaren und besonderen Kinder einzulassen, die in keine Schublade passen. Ich könnte ein Buch drüber schreiben, über ganz tolle Lehrer und Idioten. Die "normalen" kommen halt im Tempo der ADHS Kinder nicht mit. Man muss auch zwischen ADS und ADHS unterscheiden, letzteres trifft Mädchen eigentlich nicht so oft, aber meine Tochter war und ist eine wilde Hummel, die viel Bewegung braucht. Ritalin war für mich niemals eine Option, wir haben uns für ein homöopathisches Algenprodukt entschieden gehabt und Verhaltenstherapie sowie einen Schulwechsel, obwohl die Kinder Veränderungen hassen. Es hat alles funktioniert, nur hat es halt länger gedauert. Heute ist sie 22, hat Abitur gemacht trotz Empfehlung zur Förderschule, einen sozialen Beruf ergriffen, wo ihr Temperament und ihre Leistungsbereitschaft voll zur Entfaltung kommen kann. Ihr ist nichts zuviel und wo die anderen die Flügel strecken, fängt sie grade an warm zu werden..lasst Euch nicht von Lehrern oder sonst jemandem dreinreden und zeigt Euren Kindern Eure unumstößliche Liebe und nehmt sie einfach als etwas Besonderes, das nicht in ein Schema F passt. Es wird nie besser, aber es ist anders. LG Tiffy
  • Stempf
    Dienstag, 11.12.2012, 13:54 Uhr
    Hier werden Äpfel in die Birnenkiste geschmissen. Kinder mit einem sog. Hypoxischen Syndrom oder auch Kinder von Müttern welche in der Schwangerschaft Alkohol, Drogen und/oder Tabak konsumiert haben können manchmal ähnliche Verhaltensweisen und Symptome wie ADHS aufweisen sind aber grundlegen eigene Störungsbilder.
  • MannyBrandy
    Dienstag, 11.12.2012, 13:45 Uhr
    Interessanter Beitrag, denn wenn das stimmt, hätte ich mit meiner Vermutung doch recht, daß meine Tochter ADHS hat, weil die Mutter während der Schwangerschaft ja permanent geraucht hat. Somit hätte die Kleine auch während der Schwangerschaft unter Sauerstoffmangel gelitten, da die Mutter locker 4 Packungen pro Tag wegquarzte. Und wenn man mal was gesagt hat, daß sie doch weniger rauchen solle wegen des Kindes, kam nur ein patziges "Mir doch egal".
  • talunga
    Dienstag, 11.12.2012, 13:42 Uhr
    ADHS wird auch Impfungen zugeschrieben. Geimpfte Kinder leiden öfters an ADHS wie ungeimpfte Kinder. Genauso steht es mit Allergien, Asthma, Neurodermitis etc. Nur will das keiner sehen oder akzeptieren oder gar glauben. Die Betroffenen tun mir leid. Vorallem weil sie meistens mit Ritalin oder ähnlichem "ruhig" gestellt werden.
  • endgegner
    Dienstag, 11.12.2012, 13:24 Uhr
    Schon mal drüber nachgedacht, wieviel Zucker ein Schulkind zu sich nimmt, ohne daß die Eltern darauf Einfluß nehmen können, weil sie ja nicht vor Ort sind ? Raffinade Zucker ist die #1 Droge von Kindern im Grundschulalter. Ich hab's als Zivi in einem Kinderheim für sogenannte "§ 35a" Fälle erlebt. Anstatt sorgfältig darauf zu achten, daß die Kids nicht zuviel Zucker zu sich nehmen ( Cola, Junkfood u.s.w.) wurde ADHS "diagnostiziert" und konsequenterweise eine "Therapie" mit der psychotrophischen Droge Ritalin verschrieben.
  • Der007
    Dienstag, 11.12.2012, 13:08 Uhr
    Ich finde dieser zynische Bemerkung mehr als nur verachtend. Warum Sollte jeder Mensch nach dem Schema F aussehen, laufen und ticken? Viele Leute sagten zu mir, dass ich als Kind schon mit Medikamenten vollgestopft worden wäre, wenn man mich zum Arzt geschickt hätte. Das negative für den menschen selber ist doch, dass er durch die Medikamente nur ruhig gestellt wird, da er ja nicht das macht, was man will - was ist das dann für ein Leben? Jeder sollte darüber nachdenken, wie er es finden würde von anderen geändert zu werden, nur weil er nicht genau das macht, was andere als "normal" ansehen. Alles Schwachfug. Das ist doch das was uns ausmacht - die Unterschiede. @Regeny: So muss es auch sein, selbst lernen mit der Sache umzugehen und sich eben Beschäftigung suchen, die einen auspauert :)
  • JayBeeXX
    Dienstag, 11.12.2012, 12:26 Uhr
    Und der Sauerstoffmangel scheint immer noch anzuhalten...

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