Bronchitis: Antibiotika wirken nicht
Schneller Griff zur chemischen Keule
Ob auf den ausdrücklichen Wunsch ihres Patienten oder aus Sorge vor schwerwiegenden Komplikationen – immer noch wähnen sich viele Ärzte bei Infekten der unteren Atemwege durch die Verordnung eines Antibiotikums auf der sicheren Seite. Der Griff zur chemischen Keule hilft aber dem Patienten kaum, da eine akute Bronchitis fast immer durch Viren ausgelöst wird. Und gegen die sind Antibiotika wirkungslos.
Eine Untersuchung in zwölf europäischen Ländern hat diese Beobachtung jetzt für den besonders häufig verordneten Wirkstoff Amoxycillin mit harten Zahlen belegt. Von gut 2.000 erwachsenen Patienten mit einer mittelschweren oder schwereren akuten Bronchitis wurde eine Hälfte mit dem Antibiotikum behandelt, die andere Hälfte erhielt Tabletten ohne Weder Patienten noch Ärzte wussten, zu welcher Gruppe sie gehörten.
Jeder Dritte klagt über Nebenwirkungen
Das Ergebnis: Weder bezüglich der Schwere noch der Dauer der Bronchitis-Symptome unterschieden sich die beiden Patientengruppen nennenswert. Auch in der Gruppe der Über-60-Jährigen hatten die Antibiotika keinen besonderen Nutzen. Allerdings verschlimmerten sich in der Amoxycillin-Gruppe die Beschwerden etwas seltener, und auch neue Symptome traten nicht so häufig auf. Derartige Komplikationen beobachteten die Mediziner bei den mit Antibiotikum behandelten Patienten in 15,9 Prozent der Fälle, in der Placebo-Gruppe bei 19,3 Prozent.
Nahezu jeder dritte mit Amoxycillin behandelte Patient litt aber unter typischen Nebenwirkungen des Medikaments: Hautausschlag, Übelkeit und Durchfall. In einem Fall kam es zu einem sogenannten anaphylaktischen Schock, einer akuten allergischen Reaktion, die mit schweren Kreislauf- und Atemstörungen einhergehen kann. Sie kann bei Patienten auftreten, die gegen Penicillin und verwandte Substanzen allergisch sind.
Antibiotika nur in speziellen Fällen
Als akute Bronchitis bezeichnen Ärzte eine Entzündung der Luftwege, die typischerweise den unteren Teil der Luftröhre und die sich von dort immer weiter verzweigenden Bronchien betrifft. Durch den Infekt, der bis zu 14 Tage, manchmal auch über drei Wochen andauern kann, entzünden sich die Schleimhäute, schwellen an und sondern vermehrt Sekret ab.
Gelegentlich können sich auf dem Boden dieser Entzündung andere Krankheitserreger ausbreiten. Bei solchen Sekundärinfektionen können Antibiotika wirksam sein – und in besonderen Fällen auch zur Vorbeugung, wenn durch eine andere, schwere Erkrankung oder eine Schwächung des Immunsystems das Risiko für Komplikationen erhöht ist.
Infektionsmediziner machen den oft unkritischen Einsatz von Antibiotika mit dafür verantwortlich, dass viele Bakterien ihre Empfindlichkeit gegen bestimmte Wirkstoffe inzwischen verloren haben. Die Erreger verändern ihr Erbgut und bieten den Stoffen dann keinen Angriffspunkt mehr. Sogenannte multiresistente Bakterien werden vor allem in Krankenhäusern und Pflegeheimen immer öfter zum Problem. (jr)Quelle: Paul Little et al: “Amoxicillin for acute lower-respiratory-tract infection in primary care when pneumonia is not suspected: a 12-country, randomised, placebo-controlled trial”, The Lancet Infectious Diseases, 19. Dec. 2012
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21 Meinungen zu "Antibiotika-Irrsinn bei Bronchitis"
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ichhoffeeswirdbesser
Sonntag, 23.12.2012, 14:39 Uhr @ Sonnenkind88 (S 3) >>>>>>>>>>>>>>>>> Oh jetzt hat das Thema auch schon die Massenmedien erreicht. Wenn sich viele die kränkeln die Apotheke leisten könnten, würden sie auch weniger auf ein Antibiotika vertrauen. Gesundheit muss man sich wieder leisten können. Oftmals sind es auch kranke Zähne die immer zu Infektionen führen, welche dann als Erkältung wahrgenommen werden. doch die Zahnsanierung wollen /können sich viele halt auch nicht mehr leisten. Gegen die Zeitgeistanforderungen der Gesellschaft ist auch ein Arzt machtlos und versucht nur das best vertretbare für sich raus zuziehen. <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<< Nur weil man wenig Geld hat heisst das nicht, dass man sich nicht gesund ernähren könnte oder keine gute Zahnpflege betreiben könnte. -
ichhoffeeswirdbesser
Sonntag, 23.12.2012, 14:28 Uhr @ Gorgons (S 3) >>>>>>>>>>>>>>> Habe ca 20 rezepte für diverse breitband antibiotika in meiner schreibtischschublade, warum habe ich die nur alle nicht abgeholt ? Und wie habe ich es nur geschafft immer noch am leben zu sein ??? <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<< Und warum nehmen Sie dann die Rezepte überhaupt an? Wäre doch besser, den Arzt damit zu konfrontieren. Dann würde sich evtl. auch herausstellen, ob das Antibiotikum evtl. dringend nötig ist, oder nur zur Prophylaxe wie man sagt, also eher schädlich. Was viele anscheinend auch nicht wissen, dass nach einer Antibiotikum-Gabe die Darmflora (wichtig für das Immunsystem) geschädigt ist. Man kann zwar abwarten bis die sich selber regeneriert hat, evtl. gerät die aber auch aus dem Gleichgewicht. Darum ist es gut etwas für sie zu tun. Z.B. Kefir oder Yoghurt (Jetzt nicht die gesüssten bekannten trinkyoghute, sondern den einfachen naturbelassenen). Das hilft tatsächlich. Ansonsten wird man nach Antibiotikum sich schnell wieder z.B. `ne Erkältung einfangen. -
Sonnenkind88
Sonntag, 23.12.2012, 13:48 Uhr Oh jetzt hat das Thema auch schon die Massenmedien erreicht. Wenn sich viele die kränkeln die Apotheke leisten könnten, würden sie auch weniger auf ein Antibiotika vertrauen. Gesundheit muss man sich wieder leisten können. Oftmals sind es auch kranke Zähne die immer zu Infektionen führen, welche dann als Erkältung wahrgenommen werden. doch die Zahnsanierung wollen /können sich viele halt auch nicht mehr leisten. Gegen die Zeitgeistanforderungen der Gesellschaft ist auch ein Arzt machtlos und versucht nur das best vertretbare für sich raus zuziehen. -
soulsusi
Sonntag, 23.12.2012, 12:59 Uhr Das bekommt man schneller verschrieben als man schauen kann, egal bei welchem Arzt - finde ich auch nicht gut, ich schau einfach meine Abwehrkräfte zu stärken durch gesundes Essen und viel Obst, Bewegung im Freien auch wenns shcneit (Laufen etc.) und danach in die physiotherm, Tee trinken und sich wieder aufwärmen, auch das hilft gut. -
Gorgons
Sonntag, 23.12.2012, 11:56 Uhr Habe ca 20 rezepte für diverse breitband antibiotika in meiner schreibtischschublade, warum habe ich die nur alle nicht abgeholt ? Und wie habe ich es nur geschafft immer noch am leben zu sein ??? -
Bidudu
Samstag, 22.12.2012, 17:57 Uhr Bonchitis: ganz einfach... ein Antibiotikum sollte der Patient meist nur in dem Fall nehmen, wenn er Pflichten hat, die sich garnicht verschieben lassen und er innerhalb von einer Woche wieder gesund sein muss. -
Solifuga
Samstag, 22.12.2012, 16:10 Uhr @pianoman74 "Die Homöos sind so etwas wie die Indianer aus Winnetous Zeiten: sie kennen mitunter sogar Pflanzen, die nur im subtropischen Klima wachsen, dort seit Jahrhunderten bewährt jedoch bei uns quasi unbekannt sind." Nur, dass die Homöopathen gar nicht auf pflanzliche Wirkstoffe setzen. Homöopathika enthalten aufgrund der hohen Verdünnung (was ja gerade der "Sinn" der Homöopathie ist) in vielen Fällen kein einziges Molekül der Ursubstanz mehr. Mit Pflanzenheilkunde hat das nichts zu tun. "Dann probier ich doch lieber ne Pflanze aus, die ich nicht kenne, als ein Ditoxitomotohycronoliranisol-irgendwas in meinem Körper zu lassen - mit zweifelhaftem Ausgang." Auch Pflanzen enthalten solche "Ditoxitomotohycronoliranisole", und das in schwankenden Mengen und meist ohne, dass die Wirkungen und das Gefahrenpotential dieser Stoffe wirklich bekannt wären. Während man bei der synthetischen Chemie wenigstens weiß, was man hat. "Außer dem Eisenhut (Aconitum) und starken Giftpilzen ist mir keine wirklich "todbringende" Pflanze bekannt. Todbringende synthetische Chemikalien aber Dutzende." Erstens mal sind Pilze keine Pflanzen. Zweitens gäbe es da noch Tollkirsche, Eibe, Fingerhut, Maiglöckchen, Herbstzeitlose... Und die giftigsten Substanzen überhaupt werden von Bakterien, d.h. völlig natürlich, produziert. "Mit was habt ihr euch denn immer die Hände gereinigt früher? (~1975) Tetrachlorkohlenstoff oder? Und wenn das verstehentlich im Warmen steht, dann gibt´s PHOSGEN." Hm nach einem kurzen Blick aufs Sicherheitsdatenblatt würde ich mir mit dem Zeug aus noch ganz anderen Gründen nicht die Hände waschen wollen. Das ist doch gerade der Punkt: die Wirkungsweise von synthetischen Chemikalien wird heutzutage gründlich erforscht. Wir waschen uns nicht mehr die Hände mit Tetrachlormethan, weil wir wissen, dass es giftig ist, und löschen damit keine Feuer mehr, weil wir wissen, dass dabei Phosgen entsteht. Aber anstatt dass dieses Wissen dich dazu veranlasst, unbekannten Stoffen grundsätzlich mit einer gewissen Vorsicht zu begegnen, nimmst du sie sogar bevorzugt ein - sofern sie nur natürlichen Ursprungs sind. Sorry, aber ich kann daran nichts Vernünftiges finden. "Natur gut, Chemie böse" ist ein wenig zu kurz gedacht.
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