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03.01.2013, 11:41 Uhr

Krankenhaus-Infektionen: Mit Robotern gegen die Keime

Eigentlich sollen Krankenhäuser Menschen gesund machen. Doch innerhalb der Klinikmauern lauern oft besonders aggressive Krankheitserreger, die gegen fast alle verfügbaren Antibiotika unempfindlich sind. Im Kampf gegen die sogenannten Hospitalismuskeime haben US-Forscher jetzt neues Geschütz aufgefahren - mit beachtlichem Erfolg.

Vollautomatisches Duo

Die zwei im US-amerikanischen Johns Hopkins Hospital (Baltimore) zur Desinfektion der Patientenzimmer eingesetzten Roboter sind fast so groß wie Waschmaschinen, kosten zusammen etwa 40.000 US-Dollar und arbeiten immer gemeinsam. Ist das Patientenzimmer geräumt und gereinigt, muss das Personal die Schächte der Klimaanlagen luftdicht abkleben, bevor die beiden Maschinen im Raum platziert werden. Sie erledigen ihre Arbeit vollautomatisch hinter fest verschlossenen und versiegelten Türen, denn das konzentrierte Wasserstoffperoxid, mit dem einer der beiden Roboter den Raum einnebelt, wäre auch für den Menschen giftig.

In einer hauchdünnen Schicht legt sich die Substanz, die verdünnt auch als Fleckenmittel in vielen Haushalten und zum Bleichen von Haaren zum Einsatz kommt, auf sämtliche Oberflächen: Fußboden, Wände, Schränke, genauso aber auch Bildschirme, Tastaturen, Infusions- und Spritzenpumpen. Anschließend sorgt das zweite Gerät über spezielle physikalisch-chemische Prozesse dafür, dass das Wasserstoffperoxid (Chemische Struktur: H2O2) in Sauerstoff und Wasser zerfällt.

Kein Ersatz fürs Händewaschen

Die Methode ist höchst wirksam: In der US-Studie sank die Infektionsrate mit Hospitalismuskeimen um 64 Prozent. "Technische Lösungen sind in Verbindung mit standardisierten Reinigungstechniken dazu geeignet, Patientenzimmer effektiv und systematisch von den Erregern zu befreien", so die Infektionsmedizinerin Trish Perl, die mit ihren Kollegen über zweieinhalb Jahre mehr als 6.300 Patienten in 180 verschiedenen Patientenzimmern beobachtete.

Besonders effektiv zeigte sich das Verfahren bei Vancomycin-resistenten bei Methicillin-resistenten Staphylococcus-aureus-Stämmen (MRSA) und bei Acinetobacter baumannii – drei besonders gefürchteten Hospital-Keimen. Die Wasserstoffperoxid-Desinfektion ist somit eine vielversprechende Alternative zur herkömmlichen Raumdesinfektion von Hand. Sie ersetzt aber nicht andere Hygienemaßnahmen wie die regelmäßige Händedesinfektion und den Kleiderwechsel des Pflegepersonals oder hautdesinfizierende Bäder für die Patienten.

Akzeptanzprobleme unter Ärzten, Schwestern und Pflegern des Johns Hopkins Hospitals gab es offenbar kaum. "Das Schöne an der neuen Methode ist die einfache Anwendung der Geräte und dass das Personal sie sehr schnell annimmt", sagt Studien-Co-Autorin Pamela Lipsett. Sie berichtet, das Personal habe oftmals sogar zusätzliche Geräte in die Zimmer gefahren, um diese mit desinfizieren zu lassen.

Immer mehr resistente Stämme

Auch an deutschen Krankenhäusern hat die Zahl antibiotikaresistenter Bakterienstämme deutlich zugenommen, wie das Robert Koch-Institut berichtet. Immer wieder sorgen Infektionswellen mit bisweilen tödlichem Ausgang für Schlagzeilen. Besonders gefährdet für die sogenannten nosokomialen Infektionen sind Früh- und Neugeborene, alte Menschen sowie Patienten mit einem geschwächten Immunsystem. Neben der wirksamen Krankenhaus-Hygiene ist eine zurückhaltende und verantwortungsbewusste Verordnung von Antibiotika die wichtigste Voraussetzung für eine Eindämmung des Problems. (jr)

T. Perl, P. Lipsett et al.:"An Evaluation of Environmental Decontamination With Hydrogen Peroxide Vapor for Reducing the Risk of Patient Acquisition of Multidrug-Resistant Organisms", Clin Infect Dis. (2013) 56(1): 27-35

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von NetDoktor.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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3 Meinungen zu "Mit Robotern gegen die Keime"

  • Eiswind
    Donnerstag, 03.01.2013, 17:29 Uhr
    @strathmann: wer lesen kann ist klar im vorteil: "Sie erledigen ihre Arbeit vollautomatisch hinter fest verschlossenen und versiegelten Türen, denn das konzentrierte Wasserstoffperoxid, mit dem einer der beiden Roboter den Raum einnebelt, wäre auch für den Menschen giftig." steht so gleich im erstn absatz unter dem bild. und sonst sthet auch nirgends dass sich jemand im raum aufhält während der desinfektion.... /facepalm in diesem sinne gruß eis
  • jumpingcracker
    Donnerstag, 03.01.2013, 15:01 Uhr
    @strathmann: Ich denke mal nicht, dass während des Desinfektionsvorganges sich jmd im Zimmer befindet. H2O2 benutzen wir in unserer Praxis täglich zur Behandlung von Patienten und es hat sich noch keiner wegen Nebenwirkungen beschwert.
  • strathmann
    Donnerstag, 03.01.2013, 14:16 Uhr
    Wasserstoffperoxid zum Inhalieren - das ist sicher nicht wirklich gesünder als würde man damit die Haare färben. Dazu ist auch hier die Routine der Feinde der Hygiene.
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