In letzter Zeit häufen sich Todesmeldungen aus der Welt der Stars. David Bowie, Lemmy Kilmister, Alan Rickman und Maja Maranow erlitten alle dasselbe Schicksal: Sie starben an Krebs. Ein Schicksal, dass allein in Deutschland Jahr für Jahr Zehntausende teilen. Die Krankheit scheint unbesiegbar. Aber ist das wirklich so?

Nach Angaben des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut waren im Jahr 2012 über 470.000 Menschen an Krebs erkrankt, mit einer steigenden Tendenz. Für das Jahr 2016 erwarten die Forscher 498.700 neue Krebserkrankungen.

Vor vier Jahren war Krebs für jeden vierten Todesfall in Deutschland verantwortlich. Insgesamt erlagen rund 221.000 Menschen ihrer Krebserkrankung. Krebs wirkt in seinen unterschiedlichen Formen und seiner Gefährlichkeit wie eine Geißel der Menschheit.

Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID) des Deutschen Krebsforschungsinstituts, sieht im Interview mit unserer Redaktion dennoch auch positive Ansätze in der Krebsforschung.

Frau Weg-Remers, manche Krebsarten sind nach wie vor ein Todesurteil bzw. sehr schwierig zu behandeln. Es trifft selbst Menschen, die sich eigentlich eine elitäre gesundheitliche Versorgung leisten können.

Dr. Susanne Weg-Remers: Ja, das ist richtig, aber auch abhängig vom Ursprung des Tumors. Es gibt Krebsarten, bei denen die Überlebenschancen inzwischen sehr gut sind.

Dazu gehören Hodenkrebs, Prostatakrebs und das Melanom der Haut. Auch bei Brustkrebs, der häufigsten Krebserkrankung bei Frauen, gibt es inzwischen recht gute Überlebensaussichten.

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Schlechte Prognosen gibt es nach wie vor beim Krebs der Bauchspeicheldrüse oder bei Menschen, die an einem primären Leberkarzinom oder an Lungenkrebs erkranken.

Das sind Krebsarten, die sehr spät Symptome verursachen und infolgedessen auch sehr spät entdeckt werden.

Was kann man tun, um das Risiko möglichst klein zu halten? Gibt es gesicherte Erkenntnisse, wie sich die Erkrankungswahrscheinlichkeit herunterschrauben lässt?

Wenn wir mehr auf unsere Ernährung achten und darauf, dass wir kein Übergewicht entwickeln, uns viel bewegen, nicht rauchen und uns vor der Sonne in Acht nehmen, dann ist schon viel getan.

Alkohol kann das Krebsrisiko erhöhen, beispielsweise für Kopf-Hals-Tumore oder für Speiseröhrentumore.

Zudem kann man sich zur Prävention gegen zwei bestimmte Krebsarten impfen lassen: Da wäre die Hepatitis-B-Impfung zur Vermeidung von primärem Leberkrebs und dann die Impfung gegen Humane Papillomviren zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs.

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Aber natürlich ist ein gesunder Lebenswandel keine Garantie. Da gibt es eine riesige Portion Zufall und auch genetische Risikofaktoren, die man von seinen Eltern vererbt bekommt und gegen die man nicht viel machen kann.

Laut Statistik hat die Anzahl der Krebsneuerkrankungen leicht zugenommen. So mancher fragt sich da: Wozu eigentlich Krebsforschung, wenn diese Krankheit doch scheinbar nicht besiegbar ist?

Die leichte Zunahme kommt daher, dass wir immer älter werden. Diese Zahlen sind also eine Folge des demographischen Wandels. Krebs ist vor allem eine Alterserkrankung und vor dem 50. Lebensjahr eher selten. Danach nehmen die Erkrankungszahlen deutlich zu.

Die Krebsforschung beschäftigt sich vor allem damit, den Krebs zu behandeln, also neue Therapieformen zu entwickeln.

Damit verhindert man natürlich nicht die Anzahl der neuen Fälle an sich. Krebs ist eine Erkrankung der Gene, die dadurch zustande kommt, dass sich im Laufe der Jahre bei jedem Menschen Fehler im Erbgut einschleichen. Und dagegen, also gegen das Altern, lässt sich kaum etwas tun.

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Aber man kann sagen, dass durch die Krebsforschung Fortschritte bezüglich der Therapiemöglichkeiten erreicht wurden?

Auf jeden Fall. Krebs bedeutet ein unkontrolliertes, ungebremstes Wachstum von Körperzellen.

Mit den neuen, zielgerichteten Ansätzen kommt man dem Ziel näher, ganz individuelle Therapien für einen bestimmten Tumor und einen bestimmten Patienten anbieten zu können. Aber Krebs ist immer noch eine sehr ernstzunehmende Erkrankung.

Insgesamt ist man aber auf einem guten Weg, Krebs in der Mehrzahl der Fälle heilen zu können und wiederum anderen Betroffenen zumindest doch ein längeres Überleben bei einer besseren Lebensqualität als früher bieten zu können.

Krebs wandelt sich hier zunehmend von einer rasch fortschreitenden tödlichen in eine chronische Erkrankung, ähnlich wie die Zuckerkrankheit oder manche Herz-/Kreislauferkrankungen. Also etwas, mit dem man leben kann.

Dr. Susanne Weg-Remers arbeitet als Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID) für das Deutsche Krebsforschungsinstitut.

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